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Der Israelit · 1881-06-08 · Heft 23 (8.6.1881) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 23 (8.6.1881)
Date
1881-06-08
Page
– (sequence 25)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Dritte Beilage;n tlr. 23 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Nieder-Saulheim (Rheinhessen.) Nachdem vor etlicher Zeit einem hiesigen Israeliten eine Anzahl Bogreben von boshafter Hand abgeschnitten worden waren, wird uns heute die verbürgte Mittheilung, daß einem Anderen ein großes Stück Roggenfeld total ruinirt worden sei. Im benachbarten Stadecken hat man Anfangs dieser Woche den begüterten Israeliten Neumann und Haas ihre Weinberge total ruinirt. Der Sohn des Ersteren ist in Folge der Judenhetze von hier weggezogen. Ebenso berichtet man unterm 30. ds. Mts. aus Alzey: Vergangene Nacht wurden die Reben von drei Viertel Morgen Wingert vor Gemärk, hiesiger Gemarkung, dem Simon Strauß gehörig, abgeschnitten. Jeder vernünftige Mensch verurtheilt diese Bubenstreiche aufs Schärfste und wünscht nur, daß die Verüber dieser Rohheiten zur verdienten strengen Bestrafung gezogen werden könnten. Berlin. „In die Brüche gerathen" sind die antisemitischen Vereine, wie ein Bettelbrief eines Mitgliedes eines „christlich-sozialen Vereins" und Freundes des Herrn Hofprediger Stöcker wörtlich besagt. Dies Aktenstück ist auch einem liberalen Reichstagsabgeordneten zugesendet worden, welches er am Sonnabend zur großen Erheiterung aller derer, die es lasen, cirkuliren ließ. Der Schluß des Schreibens, welcher durch die vorangegangenen Phrasen nur schlecht decorirt wird, lautet: „Um Alles auszuführen und zu einem guten Resultat, namentlich bei der Wahlagitation zu bringen, gehört viel Geld, und da unsere christlichen Brüder in Berlin von den Juden ausgesogen sind, müssen wiruns andie Reichen, Besitzenden, die von den Juden noch verschont geblieben sind und ein opferfreudiges Herz haben, wenden. Dies ist der Zweck meiner Bitte, welche ich mir ergebenst an Sie zu richten erlaube. Die beiden Vereine sind bereits durch die immer wachsenden Kosten in die Brüche gerathen, so daß baldige Hilfe erfreulich und erwünscht sein würde. Herr Hofprediger Dr. Stöcker wohnt Hindersinstr. 6 und ibie Herren Dr. Förster und Liebermann von Sonnenberg Unter den Linden 27. Auf Verlangen des Gebers wird der Name nicht genannt. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir als Vertreter des Weingroßhauses G. T. Pflüg jr. in Lübeck einen Preiscourant beizufügen. Hochachtungsvoll und ganz gehorsamst A. Lodomez, Berlin, Behrenstr. 52, 1 Treppe Nr. 6." Praktisch ist es jedenfalls von diesem germanischen Herrn „Lodomez", die Agentur für Herrn Stöcker mit einer Wein-Agentur zu verbinden. Das „Berliner Tageblatt" hat zudem, wie es mittheilt, vor Jahresfrist einen Herrn Lodomez kennen gelernt, der in mitfühlendster Weise sich bereit zeigte, ohne Ansehen der Nasse und Religion trostbedürftigen leeren Knopflöchern Ordensdekorationen zu beschaffen. Frankfurt, 3. Juni. Die isr. Waisenanstalt versendet ihren siebenten Jahresbericht. Die Zahl ihrer Pfleglinge beträgt 23. Die aus dem Vorstand scheidenden Herren Ellinger und Mainz wurden wiedergewählt. An Geschenken gingen ein 13,275 M., von Herrn Anton L. A. Hahn 42 Mailänder 10 Fr.-Loose. Die Jahresbeiträge belaufen sich auf 5329 M. Für namhaft gemachte Zöglinge gingen 3300 M. ein, ferner von den Gebrüder Hahn Geschenke für die Sparbüchsen. Das Geschenk des Herrn Jacob H. Schiff in Newyork von 50,000 M. Der Moses-Clara'sche Unterstützungsfonds empfing von Herrn Jacob H. Schiff in Newyork ein Geschenk von 25,000 M., außerdem 323 M. an Geschenken. Ein nach Abschluß des Berichts erhaltenes Geschenk von 1000 M. für diesen Fonds wird im Jahre 1881 verrechnet. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der Theresien - Kreuzer - Verein zur Unterstützung mittelloser schulpflichtiger Kinder versendet seinen 33. Jahresbericht. Wir entnehmen demselben, daß dieser eminent wohlthätige Verein 648 Kindern (359 Knaben und 289 Mädchen) seine Fürsorge zuwendete, welche nahezu insgesammt auch mit Winterkleidung versehen wurden. Die Arbeitsschule des Vereines (Leopoldstadt, Kleine Schiffgaffe Nr. 11), zu deren Besuch auch Nichtmitglieder eingeladen werden, frequentiren 160 Mädchen, und

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