Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1881)
- Date
- 1881-05-25
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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509 Wie nun die Ansichten bei den Maßgebenden seiner Partei milder wurden, so hallte es natürlich auch in seinem Hause wieder, bis er es einmal bei Tische zur folgenden Auseinandersetzung brachte: „Das muß man anerkennen, die Leute thun etwas und meinen es redlich. Ich habe erst heute das dem Vorsteher A. auseinandergesetzt," — natürlich war das Umgekehrte der Fall — „daß man gerecht sein muß, sie lassen's sich Geld und Zeit und Mühe kosten, wozu alles das? Es wirft kein Mensch sein Geld zum Fenster hinaus, sie müssen es doch für richtig halten, was sie thun; ich behaupte also, sie haben ganz edle Modificationen, darum finde ich es unrecht, den Leuten Opposition zu machen." „Ich meine," entgegnete seine Frau, „ihr habt lange genug Opposition gemacht, bis ihr eingesehen, daß diese die Leute nicht beirrt und nichts nützt." „Wie Du's verstehst, meine Liebe! Unsre Opposition war aus Liebe zur Wahrheit; da wir nun sehen, daß es die Leute für sich ernst meinen, daß keine Nebengründe vorhanden sind, so üben wir Toleranz, man nennt das Gewissensfreiheit. Seht, die Wahrheit bleibt doch die Hauptsache, wie neulich der Herr Professor so schön gesagt hat, ich weiß es auf z lateinisch nicht mehr: Ich liebe den Socratius, mehr j aber noch die Wahrheit."! „Was ist denn das für ein Mann, der Socratius?" j „Liebe Frau, Du legst die Provinz immer noch I nicht ab, Du mußt die Lectüre mehr treiben, ich! werde dich heute noch auf sechs Journale abonniren.! Nun, Socratius war ein persischer Professor, der j auf der römischen Universität in Athen angestellt i war und sehr geschickt gewesen sein soll.-Emi- | milie, warum lachst Du?"! Emilie, die mit dem besten Willen nicht länger I ihr Lachen hätte zurückhallen können, antwortete ganz verlegen: „Nimm es nicht für ungut, lieber Papa, wenn ich bei Deiner Erklärung das Lachen nicht unterdrücken konnte. Es ist ja kein Wunder, daß ich Manches besser weiß als Du, Du wendetest ja so viel für mich auf, ließest mich bei den besten Lehrern unterrichten, was ich weiß, habe ich ja nur Dir zu verdanken. Du hattest in Deiner Jugend nicht die! Gelegenheit so zu lernen; bei Deinem Interesse, das j Du heute noch für alles Wissenswerthe zeigst, hättest i Du es gewiß sehr weit gebracht, wäre Dir die Gelegenheit geboten gewesen. Bist Du nun schuld, daß ich so viel gelernt habe, so darfst Du mir es auch nicht übel nehmen, wenn mir ein Sokrates als persischer Professor komisch vorkommt. Nicht, Väterchen, Du bist nicht böse?" „Nein, nein! Es geht mir nicht so nah', daß ich mich da geirrt. Die Hauptsache ist, daß man das Facta kennt, Personen sind Nebensache. — Darum möchte ich doch aber wissen, wer denn Socratius war?" „Das war ein griechischer Philosoph, der in Athen lebte; er hieß auch nicht Socratius, sondern Sokrates." „Nun ist's genug. Darin magst Du Recht haben, daß der Mann ein Grieche war, aber sein Name war Socratius. Ihr Mädchen lernt in den höheren Töchterschulen nicht die lateinischen Namen; lateinisch ist nichts für Mädchen, Du sprichst den Namen also deutsch aus, und ich lateinisch, Nein, der Mann heißt Socratius, gerade wie Paucratius und Servatius." „Aber, lieber Papa-" „Nichts aber! Wir wollten aber eigentlich von den Orthodoxen sprechen — — ja — ich habe mein Urtheil geändert; man sieht, daß die Leute es ernst meinen; auch gibt es manche Gebüldete unter ihnen; zwar immer nicht wie unsre „Büldung", aber sie wissen doch auch Manches." Dieses Selbstbewnßtsein der Superiorität that Herrn Reicherssohn sehr wohl, und deßhalb schloß er gewöhnlich mit einer Behauptung, welche diesem Gedanken Ausdruck gab, eine Unterredung über die religiöse Neugestaltung in Berlin. Daß unter solchen Umständen Heinrich, der in der Ferne feinen Studien lebte, näher an sein Herz rückte, umsomehr als er sah, daß die Tochter jedes Eingehen auf einen Heirathsantrag verweigerte, worin sie von ihrer Mutter unterstützt wurde, findet in den erwähnten Verhältnissen und durch dieselben ihre genügende Erklärung. Aber ein Vorkommniß sollte ihm Heinrich 'in der ganzen Größe seines edlen Charakters zeigen und vollständig jedes Hinderniß hinwegräumen, das vielleicht noch zwischen ihm und seinem Neffen sich behauptet hatte. (Fortsetzung folgt.) AKZEIOEX. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Die alte bekannte Firma empfiehlt wieder! c^>ür mein Getreideu. Weingeschäst suche! 7>wei oder drei junge Mädchen, die noch prima holländische > u zum sofortigen Antritt einen Lehrling'' tO m ctntoen Fächern unterrichtet werden IT« co i mit den nöthigen >L>chulkenntnissen unter! sollen, oder die einer Luftveränderung be- . günstigen Bedingungen. 1629! dürfen» finden freundliche Aufnahme und A 70 Pfg. per Pfund. 1704! Offerten schriftlich erbeten.! sorgfältige Pflege bei Frau Dr. Recken« Aron A.Vyth, Galcar a. 9?teberr!jetn. ■ SnlompN Lewi», Pakosch (Pr.Posen).! dorf, Heidelberg, Plöckstr. 52. (1565