Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 20 (18.5.1881)
- Date
- 1881-05-18
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 2× ep/1000834
- Konotop 1× ep/2454000
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495 vollen Wichs erscheinen mußten, während sie heutzutage sich nicht einmal Glacehandschuh kaufen können (?); ja selbst Wortspiele, wie „Gewerbfreiheit" und „Gewerbfrechheit" vermochten dem Redner nur zu einem ironischen Heiterkeitserfolg zu verhelfen. Alle diese Dinge sind übrigens dem lesenden Publikum aus früheren Reden des Agitators bis zum Ueberdruß bekannt. Der Erfolg der Versammlung war, wie gesagt, ein „klägliches Fiasko". Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien Herr Baron Eugen von Morpurgo hat anläßlich des Vermählungsfestes des Kronprinzen bei dem k. k. Reichs-Kriegsministerium eine Stiftung von 15,000 fl. in Staatsnoten erlegt, welche nach dem Rathe des Herrn Reichs-Kriegsministers ausdrücklich zur Unterstützung für die Wittwen und Waisen hoher Militärs bestimmt wurde; eine derartige Stiftung war nämlich bisher nicht geschaffen worden. In Ermanglung der bezeichnten Unterstützungswerber sind Wittwen und Waisen anderer verdienstvoller Offiziere zu berücksichtigen. Das k. k. Reichs-Kriegsministerium hat Herrn Baron Eugen v. Morpurao den verbindlichsten Dank für die großmüthige Spende ausgesprochen. Rußland. Ueber eine für Ostern annoncirte Judenhetze in Odessa wird der „Deutschen Ztg." von dort aus zuverlässiger Quelle Folgendes geschrieben: Seit der vor acht Jahren hier stattgehabten Oster-Revolte, wobei die hervorragendsten jüdischen Häuser geplündert und viele Juden schrecklich mißhandelt wurden, ohne daß der Rohheit des russischen Pöbels von Seiten der Behörden Schranken gesetzt worden wären, wiederholten sich alljährlich zu Ostern die Gerüchte von bevorstehenden Judenhetzen, ohne daß sie besondere Beachtung gefunden hätten. Heuer ist es ausnahmsweise eine einflußreiche Persönlichkeit, welche den Juden den Untergang prophezeite und zwar ein gewesener Gehilfe des hiesigen Polizeimeisters, Namens Wassyljew. Seine Frau wurde nämlich in einem jüdischen Laden, wo sie einige Arschim Trauerflor kaufte übervortheilt. Wassyljew brachte den Flor zurück und verlangte die Retournirung des Geldes, während er gleichzeitig die Aeußerung fallen ließ: „Ihr Juden werdet zu Ostern alle vertilgt werden, die Banden sind schon organisirt." Dieses Wort verbreitete sich wie ein Lauffeuer und brachte j die 66,000 jüdischen Einwohner Odessas in große j Aufregung. Als nach einigen Tagen ein hiesiges antisemitisches Blatt der „Telegraph", die Nachricht! von dem in der Stadt zirkulirenden Gerücht brachte j und gleichzeitig das russische Volk ermahnte, keine! Exzesse zu begehen, die Juden vielmehr auf anderm, > auf ökonomischem Gebiete zu schlagen, erreichte die Erbitterung der Israeliten ihren Höhepunkt. Der „Telegraph" wurde in der heftigsten Weise als Urheber des Gerüchts angegriffen und eine jüdische Deputation begab sich zu dem erst vor zwei Wochen hier angelangtcn neuen General-Gouverneur Fürsten Dondukow-Korsakow, um ihn um Schutz zu bitten. Die Folge davon war, daß diezwischen den hiesigen Blättern ausgebrochene Polemik, betreffs der angeblich bevorstehenden Judenhetze plötzlich auf Befehl des General-Gouverneurs abgebrochen wurde. Die Censur erhielt Auftrag, keine Sylbe über diesen Gegenstand in den Zeitungen mehr durchzulassen. Der Deputation versprach Fürst Dondukow-Korsakow, alles Mögliche aufzubieten, um Exzesse zu verhindern und ist auch, wie wir hören, eine Verstärkung der Garnison angeordnet worden. Indessen wächst hier die Furcht von Tag zu Tag und viele jüdische Familien verlassen Odessa." Petersburg. 11. Mai. (Offiziell.) General Drentelen telegraphirt: In Kiew wurde die Ruhe wieder hergestellt, aber auf den Bahnstationen Fastowo und Schmerinka, sowie in der Stadt Wassilokowo überfiel die Bevölkerung die Juden. Zur Beschützung derselben wurden Truppen dorthin geschickt. Aehnliche Tumulte, welche jedoch eines gefährlichen Charakters entbehren, fanden in Konotop und im Anaujew'schen Kreise statt. — Zufolge einer Meldung des „Golos" aus Kiew vom 9. Mai versuchte dasselbst eine Volksmasse die Knabengymnasien und das Mädgengymnasium anzugreifen,' wurde jedoch von den Truppen zerstreut. Auf den Bahnstationen entstand ein großer Tumult in Folge eines Angriffs auf die massenhaft aus der Stadt abreisenden Juden. Gegen 600 Verhaftuugeu wurden vorgenommen, einige Personen, daruilter ein Offizier, sind verwundet; der Schaden beträgt mehrere Millionen. Petersburg, 12. Mai. Meldungen aus Odessa zufolge fanden im Flecken Beresowska im Gouvernement Cherson zwei Tage lang Tumulte statt, wobei jüdisches Eigenthnm geraubt und einige Häuser der Juden niedergebrannt wurden. Im Dorfe Wiktorowka, im Odessa'schen Kreise, kam es zu einem heftigen Zusammenstoß zwischen den Bauern und den Dorfbehörden, weil letztere an die Bauern die Forderung stellten, das geraubte Eigenthum wieder abzuliefern. Behufs Herstellung der Ruhe werden Truppen aus Odessa abgesandt. — Aus Kiew wird gemeldet: Unter den während des Tnmultes Verwundeten befinden sich ein Gymnasiast und ein Student. Die Untersuchung, welche noch fortdauert, bestätigt, daß die Tumulte hauptsächlich durch vom Norden gekommene Persönlichkeiten hervorgerufen sind. _