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Der Israelit · 1881-05-18 · Heft 20 (18.5.1881) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 20 (18.5.1881)
Date
1881-05-18
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Zweite Leitagc zu Ar. M des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Rußland. Aus Petersburg wird unterm 10. Mai der „Köln. Ztg." über die Judenhetze im südlichen Rußland telegraphisch gemeldet: Im ganzen Süden Rußlands war schon vor den Ostertagen das Gerücht verbreitet, es solle eine allgemeine Judenhetze stattfinden. Die Inden versahen sich deßhalb mit Waffen; sie wandten sich auch an den Generalgouverneur von Odessa um Hilft, welcher mit beruhigenden Versicherungen antwortete und die Kosaken-Regimenter heranzog. Odessa war überhaupt zu jener Zeit mit Militär gefüllt und das soll nach der Meinung des Berichterstatters der deutschen Petersburger Zeitung der einzige Grund gewesen sein, der den Pöbel von Odessa davon abhielt, gleichfalls ans die Inden loszuschtagen. In der russischen Judenverfolgung liegt ein planmäßiges Vorgehen, die ganze Hetze ist eine längst abgekartete Geschichte gewesen. Gegenwärtig sucht rnan die eigentlichen Anstifter aus dem Haufen der Verhafteten heraus, es ist indessen sehr zweifelhaft, ob man namentlich die Haupträdelsführcr ergriffen hat. Die letzteren haben sich höchstwahrscheinlich aus dem Staube gemacht, sobald das Unheil im Zuge war, um sich ein neues Feld der Thätigkeit anszusuchen. Nur so läßt sich das gleichzeitige Losschlagen auf die Juden in ziemlich weit von einander abliegenden Orten erklären. Der Petersburger Zeitung schreibt man aus Golta über die letzten Ereignisse: „Am 29. des Abends läuteten plötzlich die Kirchenglocken; wir stürzten aus dem Hause in der Ueberzengniig eine Feuersbrunst zu erblicken, aber ein feiner, kalter Regen empfing uns, die Nacht war stockfinster, in der Ferne bewegten sich zahlreiche Laternen immer näher, und nun konnte das Ohr auch wildes Angst- und Wuthgeschrei, das Klirren zerbrochener Fenster und das Krachen eingeschlagener Thüren vernehmen, kurz, die Judenhetze war im vollen Gange. Eine Rotte von etwa 200 Menschen, Bauernburschen, Eisenbahnarbeitern, Kutschern und fremden hier unbekannten Leuten wüthete mit vandalischer Wuth und ganz genauer Ortskenntnis; im Eigenthum der entflohenen oder in den Kellern versteckten Juden. Etwa zwölf Buden, Magazine und Wohnungen wurden bis l Morgens 4 Uhr vollständig zerstört und ausgeraubt. Der Inhalt wurde in den Straßenkoth getreten, die Betten zerschnitten, die Federn umhergestreut, die Branntweinfässer zerschlagen, Thüren und Fenster mitfammt den Nahmen herausgeschlagen und die Möbel in Scherben zertrümniert. " Die Juden hatten sich so gut versteckt, daß auch nicht ein einziger getödtet oder verwundet ^vurde, aber das Loos der Familien war denn doch höchst beklagenswerth. Der angerichtete Schaden wird hier in Golta auf 20- bis 30,000 Rubeln veranschlagt. Die ans den Lazarelhbaracken zur Hülfe herbeigerufenen 00 Rekonvalescenten (junge Ulanen) konnten wegen Mangels an Waffen nichts ausrichten und bliebeil müßige Zeugen, anderes Militär war nicht zur Hand. Mit der beginnenden Morgendämmerung war das Raubwert ge thau und die Thätigkeit der Behörden begann. Bis jetzt find 70 Personen gefänglich eingezogen, von Hans zu Haus sucht man nach den geraubten Sachen, vieles ist bereits gefunden worden, so ziemlich hat jeder Zeuge aus niederen Ständen mehr oder weniger mitgeschleppt, wovon das Meiste nicht wird entdeckt werden können. Allgemein herrscht die Ansicht, daß hinter der ganzen Sache nnentdeckte Anstifter verborgen und die rohe Masse nur blindes Werkzeug gewesen, worüber die im Gange befindliche Untersuchung hoffentlich Licht verbreiten wird. Aus Elisabethgrad, wohin sich der betreffende Berichterstatter auch begeben hatte, meldet derselbe Folgendes: „Am 27., Mittags zwischen 3 und 4 Uhr, begannen dort zahlreiche abgesonderte Hansen von 40 bis 100 Menschen überall zu gleicher Zeit ihr Vernichtungswerk. Jeder Hansen ward von Leuten angeführt, die mit den Orts- und sonstigen Verhältnissen auf's genaueste bekannt waren. In großen dreistöckigen Gebäuden zerstreute sich die Rotte durch alle Zimmer und warf Möbel, Klaviere, Bücher und Küchengeräthe durcheinander; die Betten wurden vollständig zerhackt und zerschnitten, die Bilder aus den Rahmen gerissen und zu den Fenstern hinausgeworfen. Die rothen Sammtmobel liegen noch heute zerschlagen auf den Straßen herum. Wer sich von den Juden finden ließ, der ward jämmerlich zugerichtet, aber auch hier wußten die Juden sich gut zu verstecken. Uebrigens Men in der Svnagvge versteckte Inden ans dem Bempel hinaus auf die Volksmenge geschossen haben, wobei ein Weib lobt l blieb; mehrfache Verwundungen haben stattgesnnden;

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