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Der Israelit · 1881-04-27 · Heft 17 (27.4.1881) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 17 (27.4.1881)
Date
1881-04-27
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XXII. Jahrgang. Zweite Beilage jit Ar. 17 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., 8. April, Die diesjährige öffentliche Prüfung der Realschule der israelitischen Neligiousgesellschaft fand vom dritten bis sechsten dieses 'Monats statt. Aus der Einladungsschrift entnehmen wir, daß die Schule von 281 Knaben und 196 Mädcken, zusammen also von 477 Zöglingen besucht war. Die für die verschiedenen Klassen eingegangenen Geschenke waren wiederum bedeutend. Es gingen ein für die Wittwen- und Waisen-Klasfe Mk 2752.94, für den Pensionsfond Mk. 1207, für die Schulgeldkafse für Unbemittelte Mk. 248, für die Talmud- Thora-Kasse Mk. 3032.14, wovon Mk. 2057.14 Legat des sel. Freiherrn A. 21t. v. Rothschild. Die Jahresbeträge der Mitglieder für die laufende Schulkasse betrugen Mk. 12704. Der aus diesen beiden letzteren Kassen zu bestreitende Jahresaufwand beträgt über Mk 80000, wovon kaum 60 % durch die Schulgelder gedeckt wurden. Es hat daher die Religionsgesellfchaft, abgesehen von den bereits erwähnten direkten Beiträgen ihrer Mitglieder an die Schulkasse noch eine bedeutende Summe zuzuschießen, wozu ihr die Ueberschüsse der verschiedenen Cultusanstalten die Mittel liefern; die Schule wird daher von diesen Anstalten mitgenagen. Daß die Schule ihrer Aufgabe pN vn oy min auch nachkömmt und die erlangten Resultate der gebrachten materiellen Opfer wohl werth sind, dafür hat die nun zu Ende gegangene Prüfung Zeugniß abgelegt. Die ganze Prima, aus neun Schülern bestehend, konnte mit dem Zeugnisse der Reife, welches zum einjährigfretwilligen Militairdienste berechtigt, entlassen werden. Wer die gesteigerten Anforderungen der Staatsregierung kennt und weiß, wie scharf darauf gesehen wird, daß diesen Anforderungen auch entsprochen wird, wird es zu schätzen wissen, daß sämmtliche Primaner das Ziel erreicht haben. Daß einer jüdisch orthodoxen Schule das Recht zur Ausstellung solcher Zeugnisse seitens der Staatsregierung eingeräumt ist, ist ein großes Vertrauen, das gerechtfertigt werden muß, das aber anderseits den Eltern die Sicherheit gibt, daß ihre Kinder etwas Tüchtiges lernen. In dem gleichen Verhältnisse, wie die Prima, waren auch die Leistungen der anderen Klassen, und darf auch bei diesen ein Aufrücken nur stattfinden, wenn das Klassenziel erreicht ist, indem nur dadurch der normale Gang der Schule gesichert ist. Besonders anregend war der Schlußakt. In Ermanglung einer Aula, waren mehrere Klassenzimmer vereinigt, welche von den Angehörigen der Schüler und sonstigen Freunden des Jugendunterrichtes dicht besetzt waren, Kops an Kopf. Gesänge in deutscher und französischer Sprache, mit welchen die Feier eingeleitet wurde, zeigten von tief innigem Verständniß der großen Dichter und vollständiger Beherrschung der Sprache, was in der jetzigen Zeit für den orthodoxen Juden um so größeren Werth hat, als man so gern das Odium eines geringen Bildungsgrades auf ihn wälzt. Hierauf hielt der Direktor, tief erregt, eine Ansprache, in welcher er anknüpfend an den Schlußkoral „Gelobt sei Gott in Ewigkeit" einen Rückblick auf das abgelaufene iL-chuljahr, auf die gemeinsame Mühe, Sorge und Jahresarbeit warf, Gott für die errungenen Erfolge dankte und um weiteren Segen bat. Den Abschluß des Schuljahres mit Beendigung eines Abschnitts der mm vergleichend, rief er Lehrern und Schülern pni pnimi zu, sie auffordernd in dem Erreichten nur den Lporu zu weiteren Anstrengungen, zu weiterem Streben und gemeinschaftlichen Fortschritten zu erblicken. Die Ntzilostunde des Schuljahres sollte nicht allein den Abschluß, sondern auch den Beginn einer gedeihlichen Thätigkeit bilden, namentlich die austretenden Schüler und Schülerinnen sollten die Ideen, die sie in der Schule gepflegt mit hinüber in's Leben nehmen und den in der Schule empfangenen Lehren treu bleiben, auch ihnen rufe er daher pmnZi pm zu. Er wies darauf hin, daß diese Feier der Schluß aller ähnlichen in diesem Schullokale sei, mit welchem eine ganze Generation mit bestem Erfolge zu treuer jüdischer Pflichterfüllung herangebildet worden sei, daß die nächste Prüfung s. G. w. in einem neuen prächtigen Schullokale stattfinden werde, daß der Segen Gottes, der so sichtbar auf diesen Räumen geruht, der Schule auch in die neuen Räumlichkeiten folgen und der Ausspruch ptnnj) pin sich bewahrheiten möge. Diese Rede verfehlte nicht, einen tiefen Eindruck auf die Versammlung zu machen. Wir kommen nun noch auf den der Talmudprüfung gewidmeten ersten Prüfungstag und haben die Besprechung dieses Theiles der Prüfung absichtlich bis zuletzt verschoben, um von vornherein jedem Verdachte die Spitze abzubrechen, als würden die andern Dis-

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