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Der Israelit · 1881-04-13 · Heft 15-16 (13.4.1881) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 15-16 (13.4.1881)
Date
1881-04-13
Page
– (sequence 21)
Language
German
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373 Herzen nicht erloschen, im Gegentheil der Anblick des Leidenden, dem Tode nahe scheinenden Freundes hatte die Flamme wieder hell angefacht und jeden Vorwurf zum Schweigen gebracht, den Hulda vielleicht im Stillen dem von ihr geliebten Arno über sein unverständliches Benehmen gemacht hatte. Mit demselben Sanitätstrain, mit welchem Hulda eingetroffen war, war auch ettt Arzt gekommen, der bisher in der Umgebung von Paris thätig gewesen war. Man hielt es besonders für nothwendig, diesen Arzt, dem der Ruf eines tüchtigen Augenarztes voranging, an Arno's Bett zu führen, da man sich überzeugen wollte, ob auch des Kranken Auge keine Verletzung erlitten habe, das er seit der Operation nicht geöffnet hatte. „Arno!" mußte Kohn, denn dieser war der Arzt, unwillkürlich ausrufen, als er den leidenden Jugendfreund erblickte. Ueberrafchung und Schmerz malten sich auf seinem Gesichte, aber zugleich doch ein Zug der Befriedigung, denn hier konnte er helfen und seinem Freunde nützen. Der Kranke selbst lag ruhig, scheinbar bewußtlos da. Das Seelenleben schien jedoch nicht gänzlich von der Außenwelt abgeschlossen zu sein, denn bei dem Rufe, den Heinrich hören ließ, hatte der Kranke versucht, das eine Auge zu öffnen, was Kohn durchaus nicht entgangen war, und er als ein günstiges Symptom betrachtete. Heute war Heinrich noch zu sehr von den ersten Eindrücken des Wiedersehens erfüllt, als daß er irgendwie den Eindruck hätte bemerken können, den seine Anordnungen und seine Aussprüche über den Kranken auf die junge Wärterin übte. Mit einer ungewöhnlichen Aufmerksamkeit lauschte sie auf jedes Wort des Arztes, sie merkte auf, wie derjenige, der aus dem Munde eines Richters sein Urtheil erwartet, das ihm entweder dem Tode überliefere oder dem Leben erhalten soll. Und wie sie dann die leinenen Tücher für die Umschläge zurechtlegte, es war das mehr als die gewöhnliche Sorgfalt und Pünktlichkeit der Wärterinnen, sie arbeitete nicht nur mit den Händen — ihr Herz war mit thätig. Aber für das Alles hatte Kohn heute kein Auge, er war zu sehr mit feinem Freunde in Gedanken beschäftigt. Eine Unruhe machte sich auf einmal im Saale bemerkbar. Der mit dem Officier eingebrachte Kranke war in Paroxismen gerathen; da augenblicklich kein anderer Arzt als Kohn zugegen war, ersuchte man diesen, den Patienten, der von zwei starken Wärtern gehalten werden mußte, anzusehen. Der Arzt wartete einige Minuten, und der heftige Ausbruch des Kranken machte einer Lethargie Platz. Der Verband schien Kohn nicht gut genug gelegt zu sein, die Wärterin gestand, diese Art des Verbindens noch nicht gut genug zu verstehen und Kohn versprach ihr, ihr die Wärterin des Officiers zu schicken, um ihr zu zeigen, wie dieser Verband angelegt werden müsse. Hulda war gern dazu bereit, zumal Kohn versicherte, er wolle so lange für sie die Wache über den Patienten führen. „Um Gottes Willen, Herr Doctor! Der Wärterin ist es schlecht geworden, helfen Sie!" Mit diesen Worten wurde Kohn an das Bett, das er soeben verlassen, znrückgerufen. Dort fand er Hulda bleich. „Was ist Ihnen?" fragte der Arzt. „Nichts, Herr Doctor, es wird sich schon geben; der Anblick dieses Menschen hat mich ein wenig entsetzt. Es ist schon wieder besser." „Aber Sie sprechen in Rüthseln." „Heute Abend, wenn die Kranken besorgt sind, will ich Ihnen Aufschluß geben. Wenn ich Ihnen sage, daß dieser Mensch Edgar v. Botho heißt, so werden Sie niich begreifen." (Fortsetzung folgt.) AiVZUIGESr. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. DE" Inseraten - Annahme für Frankfurt a. M. bei I. Kanffmann, Buchhandlung; für Hamburg bei A. Goldschmidt, Buchhandlung, Kohlhöfen 35; für Cöln bei Leo Frank, Steinfeldergaffe 7. —- WM"" Den zum 1. April neueintretendcu Abonnenten werden die 13 Hummern (seit Beginn des Jahrgangs), in welchen sich die Ansänge der beiden Erzählungen, „Akiba und „Die Jugendfreunde", befinden um den Preis von 1 Mark franco znge- Die Expedition des „Israelit". Töchter-Pensionat und Lehrerinrierr-Bildurrgs-Anftalt unter Lchuz-, und Empfehlung erster Schnl- Antoritäten, größter Pädagogen Berlins, ist das Institut das einzige derartige israelitische in Deutschland. Prospekte u Näheres durch die Vorsteherin Frau Therese Gronau, Berlin, In den Zelten 12. (1176 /£§ wird eine Stelle als Verkäuferin gesucht für ein Mädchen, welches bis jetzt als solche im Geschäfte seiner nunmehr verstorbenen Eltern thätig war. Es wird mehr auf angemessene Behandlung, als auf hohes Salair reflectirt. Dorchen Lilienfeld, 1119) Dickschied, Amt Langenschwalbach.

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