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Der Israelit · 1881-03-23 · Heft 12 (23.3.1881) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 12 (23.3.1881)
Date
1881-03-23
Page
– (sequence 18)
Language
German
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294 geheuerlichen Behauptungen versteigen sich doch die Judenfeinde! Glücklicherweise ist die russische Regierung in Bezug auf die Alliance Jsraslite Universelle sehr wohl informirt und braucht ans dem Sigl'schen Vaterland keine Belehrung zu schöpfen. Wiewohl das genannte Blatt seinen Preußenhaß auch in der uns vorliegenden Nummer nicht verleugnet, erzählt es doch mit Behagen, dasz die Antisemiten- Petition in München 5386 Unterschriften gefunden. In ihrem Hasse gegen die Juden sind die Bösen immer einig, mögen sie sonst auch noch so weit anseinandergehen, wie Heurici und Sigl; Amalek bleibt eben Amalek. LiHa (Posen), 10. Mürz. Soeben von Rawitsch zurückgekehrt, wohin mich wöchentlich mehrcmal geschäftliche Interessen rufen, kann ich nicht umhin, die religiösen Eindrücke, die ich dort empfangen, zur Sprache zu bringen und das freudige Gefühl zu äußern, das mir neuerdings wiederum daselbst eingeflößt worden ist, durch eigene Wahrnehmungen und fremde Berichte über die dortigen religiösen Zustände; es erregen mich um so freudiger solche Beobachtungen, als sie mir Ersatz bieten' für die ungünstigen Erfahrungen, die ich Hierselbst, in meiner Heimath, die von jeher eine 7«->L"2 ow Ty war, leider mit jedem Tage mache. Worin der Grund liegt dieser trüben Erscheinungen? Nun, die Schuld trägt hier eigentlich Keiner, oder man kann ebenso sagen, daß sie von Allen getragen wird. Die Lauen werden immer kälter und die Anhänger des Alten sind unthätig, schüchtern, scheu, und wenn ein Wort der Ermahnung fällt, wird es übel gedeutet, es verfehlt den Zweck oder bewirkt das Gegentheil. Es bedarf dazu einer ganz besonders abgehärteten Natur, um alle die Ausfälle für ein Wort der Rüge ertragen zu können. Man kann ein sehr guter Mensch, man kann ein sehr warmer Jude, man kann ein großer Gelehrter sein, aber die Thatkraft gebricht und die heutige Zeit bedarf vor Allem Männer der That. Und eines solchen Mannes hat sich unsere Nachbargemeinde Rawitsch zu erfreuen. Da gehören religiöse Ausschreitungen, wie sie hier an der Tagesordnung sind, zu den Seltenheiten, und wenn sie Vorkommen, so scheuen sie das Tageslicht; öffentliche, religiöse Uebertretungen sind dort unbekannt. Und woher rührt dieses Beharren beim Alten, diese Scheu vor öffentlichen, unreligiösen Kundgebungen? Es ist das begeisterte, rücksichtlose Wort ihres Rabbiners, der in seinem Tadel keinen Unterschied der Person kennt, der vielmehr weniger tadelt als belehrt und es ist ja bekannt jo o'Djrjn anm; nur seine Kraftworte sind cs, die der Gemeinde Liebe zur Religion einflößen, sie an ihr festhalten lassen und entgegengesetzten Bestrebungen Fesseln auflegen. Und diese seine religiösen Belehrungen und Vermahnungen hat er nicht auf die Synagoge allein ausgedehnt, nein, auch das Beth-Hamidrasch hat er sich als Feld gewählt, auf welchem er seine Tätigkeit entfaltet urtb in welchem er zwei Mal wöchentlich, insbesondere im Winter, religiöse Borträge hält, die meistens viele Zuhörer herauziehen. Es ist aber auch kern Wunder, das; cs in einer größeren Gemeinde wie R. nicht auch Elemente gibt, die dem Rabbiner unhold sind, denen seine Richtung mißliebig ist, die seine Eonsequenz verurtheilen, und die darum das ihrige dazu beitragen, um ihn zu verdächtigen, und ihn zu verleumden, allein der unparteiische, strenge Beobachter weiß solche Auslassungen ins rechte Licht zu setzen und ihre Beweggründe zu erkennen. Die Gemeinde R. ist dafür bekannt, daß sie in ihren Ausgaben sehr zurückhaltend ist, und dafür mag sie ihre 'berechtigten Gründe haben. Nichtsdestoweniger hat der Herr Rabbiner in jedem Jahre seinen Antrag erneuert, einen Ofen für Mazzobäckerei, den es dort nicht gibt, einzurichtcn, und obwohl er stets abweisenden Bescheid erhalten hat, hat er es dennoch nickt unterlassen in jedem Jahre den Antrag zu wiederholen, und schon im vorigen Jahre hat seine Bemühung es zu Stande gebracht, daß die Mazzosbäckerci daselbst vorgenommen werden konnte. Dieses Mal aber ist es ihm gelungen, daß daselbst durch die Mnnificenz eines ehrbaren Gemeindcmitgliedcs ein solcher Ofen vollständig hergerichtct worden ist, so daß es den dortigen Gemeindemitgliedern möglich sein wird, das Backen ihrer Mazzos selbst zu beaufsichtigen. Ein nicht geringeres Interesse bezeugt .Herr Rabbiner Dr. Köref der dortigen Religionsschule. Obwohl er aber, wie mir glaubwürdig mitgetheilt worden ist, sein Interesse für diese Anstalt unverkennbar mit aller Hingebung beweist, gibt es auch in dieser Beziehung Murrende, die aus oppositionellen Gelüsten sein Verdienst nicht allein schmälern, sondern auch größere Erfolge von der Anstalt wünschend, es ganz herabwürdigen, ohne zu bedenken, daß bei der Erziehung und dem Unterrichte, der doch nicht obligatorisch und der in Beziehung auf die Teilnahme an demselben und dem Verhalten zu demselben ganz von dem Willen der Kinder abhängig ist, das Haus mit der Schule Hand in Hand gehen muß. Obwohl nun sein Wirken und seine Unerschrockenheit, wie gesagt, ihm viele Verdrießlichkeiten Anziehen, obwohl er sich dem insolenten Gespräche Mißvergnügter aussetzt, so ermüdet er dennoch nicht, und unbeirrt durch jene Anfeindungen fährt er in seinem heiligen Thun fort und erträgt geduldig die Kränkungen *

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