Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-03-23 · Heft 12 (23.3.1881) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 12 (23.3.1881)
Date
1881-03-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447862--17384-2473403
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XXII. Jahrgang. Zweite Beilage zu Nr. 12 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. , Mainz, 21. März. Die Israel. Gemeinde zu Mainz hat das Hinscheiden eines ihrer ehrenwerthesten Mitglieder zu beklagen. Gestern verschied im hohen Alter von 78 Jahren Herr Dr. Hermann Aei nach, ein Mann, der sich während seines langen Lebens die Liebe und Achtung sämmtlicher Bewohner unserer Stadt im hohen Maße erworben. Herr Dr. Hermann Reinach entstammte einer' Familie, welche seit Jahrhunderten an den Geschicken der Israel. Genleinoe zu Mainz beu hervorragendsten Antheil genommen, wie aus den Legateu-Verzeichnissen sämmtlicher hier existirenden wohlthätigen Vereine genügend hervorgeht. — Der Verewigte widmete sich in seiner Jugend dem Studium der Jurisprudenz und erlangte das Recht zur Ausübung der Advokatur, welches er jedoch nie praktisch verwerthete; er verwendete seine juridischen Kenntnisse lediglich zur Verwaltung seines eigenen großen Vermögens und seiner ausgedehnten Besitzthumer. — Daß ein solcher Mann seine ausgebreiteten Kenntnisse und seine bedeutende Kraft im Dienste der Vaterstadt und der isr. Gemeinde verwerthete, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Eine lange Reihe von Jahren hatte er seinen Sitz im Stadtrathe und in dem Vorstande der isr. Gemeinde. Als vor bald 30 Jahren die milcht nach Einführung unjüdischer, sogenannter Reformen eine Spaltung in der isr. Gemeinde hervorrief und zur Gründung der orthodoxen Religionsgesellschaft führte, war es Herr Dr. Reinach, welcher mit Energie und Eifer die Rechte der altgläubigen Israeliten vertrat und sie vor Vergewaltigung zu schützen suchte. Er hatte schon damals den Plan, welcher ein Vierteljahrhundert später in Frankfurt am Main — freilich zu spät — zur Ausführung gelangte; er wollte nämlich, daß die Gemeinde für deren orthodoxe Mitglieder Synagoge, Rabbiner und alle Institutionen beschaffe. Damals war die Reform noch fanatisch, und der gerechte, charaktervolle und überzeugungstrcue Mann konnte seine edlen Absichten nicht verwirklichen. Trotzdem er sich nun in Opposition gegen seine Collegen im Vorstande und! den damaligen Rabbiner Dr. Aub befand, harrte er! doch, um der Religionsgesellschaft so viel als möglich j zu nützen, in seiner schwierigen Stellung viele Jahre lang unentwegt aus und blieb seinem Principe treu.! Bei den großen und schweren Kämpfen, die damals! ausgekämpft werden nmßten und über welche die Entscheidung der hohen Regierung zustand, kam sein Minoritätsvotum, welches stets zu Gunsten der Religionsgesellschaft lautete, dieser nicht wenig zu statten. Vergebens suchten ihn die Gegner aus dem Vorstande zu verdrängen; er besaß das Vertrauen der Gemeinde in so hohem Grade, daß er immer wieder gewählt wurde, solange, bis vorgeschrittenes Alter ihn veranlaßte, von allen seinen Ehrenämtern zurückzutreten. Der Heimgegangene stand in Bezug auf Wohlthätigkeit seinen großen Ahnen nicht nach; wo immer es galt, Gutes zu thun, das Elend zu lindern, Wittwen und Waisen zu unterstützen, fand man ihn in den ersten Reihen. Alle, die das Glück hatten, ihn näher zu kennen, werden sein Andenken segnen. Mainz, 22. März. Der entsetzliche Mord, welcher von verabscheuungswürdigen Verbrecherhänden an dem hochherzigen Kaiser Al ex and er II. vollbracht wurde, hat die Gemüther aller edlen und guten Menschen mit dem tiefsten Schmerze erfüllt; namentlich ist die Trauer unsrer Glaubensgenossen in Rußland eben so tief wie allgemein; denn auch ihnen war der verewigte Kaiser ein gütiger Herrscher, ein liebevoller Vater, unter dessen huldreicher Regierung die politische und sociale Lage derselben wesentliche Verbesserungen erfahren hat. Möge der neue Kaiser auf diesem Wege sortfahren; er hat in seinem großen Reiche keine treueren Unterthanen als unsre Glaubens- und Stammesgenossen. Es ist uns die Nr. 62 der berüchtigten Zeitschrift „Das Bayerische Vaterland" zugeschickt worden. In derselben wird — man höre und staune! — die Pariser „Alliance Jsratzlite" für den Kaisermord in Petersburg verantwortlich gemacht!! Es werden keine Gründe angegeben; es wird nur mit unerhörter Frechheit diese wahnsinnige Behauptung aufgestellt, um die unwissenden und bornirten Leser jenes Blattes zum Judenhasse zu reizen. „„Die„All. Isr." und der Nihilismus,"" meint Herr Sigl, „ „seien nur verschiedene Formen eines Gedankens."" Die „All. Isr. Univ." ist ein Wohlthätigkeits- Verein, dessen Hauptaugenmerk darauf gerichtet ist, im Orient Schulen zu gründen und dadurch die Lage der dortigen Israeliten allmählich zu verbessern. Alles, was dieser Verein thut undHwirkt, wird der größtmöglichen Oeffentlichkeit zugeführt; seine Versammlungen sind öffentlich; allmonatlich erscheint ein Bericht über seine Thätigkeit, und trotzdem nennt ihn Herr Sigl einen Geheimenbund! Zu welch un-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.