Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1881)
- Date
- 1881-03-09
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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238 zu werden, hielt auch im Trauerhause, nachdem ein alter Jugendfreund dieses Hauses. d"i j^bich v-r'n' n"io 21 der Verblichenen einen wohlverdienten Nachruf gewidmet, eine ergreifende und alle Anwesende erschütternde Trauerrede, in welcher er der zahlreichen Verdienste dieser Frau, von deren besonderen Frömmigkeit er persönlich sich zu überzeugen Gelegenheit hatte, hervorhob. Am Grabe sprach auch Herr Rabbiner Fischmann, welcher an die Stelle nzny od'so nsw mp* r>’ 223 np-is anknüpfend, die darauf Bezug habende Erklärung der X3Q2, welche besagt: vin' m •rva ",?n3 nwi eitirte, welche sich bei dieser edelmüthigeu Verblichenen in vollkommener Weise bewahrheitet, indem selbe faktisch in ihrem Hanse verwaiste Kinder erzogen hat. In ergreifenden Worten schilderte Redner den unermeßlichen Verlust ob des Hinscheidens dieser wahrhaft seltenen, edlen und wohlthätigeil Frau, indem er ausrnft: nbfo ns?«* ’nMso. — Schließlich sprach noch der wnb-p-. p-is in Hr. M. Berger am Grabe. — Wir müssen noch erwähnen, daß die Verstorbene Präsidentin des dies, isr. Frauenvcreins und Ausschußdame der städtischen Volksküche gewesen und hat sie insbesondere den Frauenverein durch ihr unermüdliches Streben und Wohlthun zu einem lebenskräftigen gestaltet n'3V;'r. Oesterreich er. Pesth, 23. Febr. In FolgeAnfforderung des Unterrichtsministers verhörte der akademische Senat der hiesigen Universität gestern jene vier Studenten, welche jungst die antiseniitische Stndenten-Versammlung arrangiren wollten und daran durch die Polizei verhindert wurden. Ueber das Verhör veröffentlichen die' Journale widersprechende Versionen. In der Versammlung sollten drei Punkte verhandelt werden: .!. Die Judenfrage mit Rücksicht auf die akademische Bürgerschaft. 2. Bericht über den bisherigen Ilmfang der Agitation und Berathung über Vergrößerung derselben. 3. Wahl eines Exekutiv -Eomitäs. Die Vorgeladenen erklärten, daß sie nicht von Nacen- oder religiösem Haß geleitet seien, sondern nur darüber berathen wollten, wie der Ueberfluthung der Universität durch Juden entgegengearbeitet werden könnte. Lie hätten berechnet, daß in Ungarn auf 13 Milk. Einwohner nur 800,000 Juden kommen, also bei 0 Procent, während die Juden auf der Universität mit 26 Procent vertreten seien. Unter den Medicineru steige dieser Procentsay auf 36. Hinsichtlich der Verbreitung der Agitation hätten sie nicht das ganze Land, sondern blos die Universität verstanden. Ebenso hätte das Executiv-Eomitä nur innerhalb der Hochschule zu wirken gehabt. Die Studenten beriefen sich darauf, daß ihnen andere politische Demonstrationen gestattet gewesen, so zu Gunsten der Türken gegen die Slaven während des russisch-türkischen Krieges. Das „Neue Pester Journal" meldet weiteres: „Die Studenten thaten damit groß, daß sie von dem bekannten Agitator Dr. Henrici Briefe erhalten haben, in welchen er sie zum standhaften Ausharren „bei der heiligen Sache" aufmuntert. Ferner brachten sie dem Rektor zur Kenntniß, daß ein sehr reicher Ungar. Magnat sich anheischig gemacht hätte, den jungen Leuten Kapitalien zur Verfügung zu stellen, damit ihnen zur Jnscenirung der Agitation die hinreichenden materiellen Mittel nicht fehlen. Der Rektor redete den Vorgeladenen hierauf ernst ins Gewissen, schilderte ihnen die nachtherligeu Folgen ihrer Theilnahme an einer der Aufklärung des' Jahrhunderts hohnsprecheudeu Bewegung für den Ruf der Universität sowohl, wie ihrer eigenen Person, und der Rektor rieth ihnen schließlich, ernstlich von jeder ferneren Theilnahme an der Agitation mit dem Hinweise auf die härteste Strafe, welche die Universität verhängen könne, ab. Die väterlichen Worte machten auf die Studenten sichtlich Eindruck. Nachmittags fand eine Sitzung des Universitäts-Senats statt, in welcher dieser die Angelegenheit in Verhandlung zog. Rektor Dr. Berger setzte die Sachlage auseinander und trug die oben angeführten Erwägungen vor. Der Senat schloß sich einhellig den Ausführungen des Rektors au, bezeichnete das Vorgehen der Jnkriminirten als Ausschreitungen gegen die Disciplin und Ordnung der Universität und verurtheilte die Einberufer der erwähnten Versammlung und Leiter der Agitation unter den Universitätshörern zur Disziplinarstrafe zweiten Grades (der strengen Rüge durch den Rektor), verbunden mit der Warnung vor ferneren Ausschreitungen, welche die Ausschließung von der Universität nach sich ziehen würden. Sehr bemerkenswertst ist, daß Rector magnisicius Dr. Berger, welcher die Angelegenheit mit so viel Takt und Energie leitete, der katholischen theologischen Fakultät angehört und Priester ist" — „Eghe tertes" meldet, daß in einer Zuschrift, welche der Minister des Innern in dieser Sache an den Unterrichtsmmister richtete und welche Letzterer dem akademischen ^enat übersendete betont wird, daß der Minister des Innern schon wiederholt erklärt habe, die akademische Jugend dürfe in keinerlei politischen Fragen öffentlich Stellung nehmen, daher sei die begonnene Agitation einfach zu verbieten. Dasselbe Blatt meldet, daß für den Fall als der Minister des Innern das polizeiliche Verbot bestätigen sollte, Jstoczh im Reichstage darüber iuterpelliren wolle. Falls dann die Regierungspartei die Kenntnahme der Antwort des Ministers nicht für eine offene, sondern für eine Parteifrage erklärt, so werde Jstoczy aus der Regierungspartei austrcten.