Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 9 (2.3.1881)
- Date
- 1881-03-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXII. Jahrgang. Zweite Beilage zu tlr. 9 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen« D e n t s ch l a n d. Aus Unterfranken. Herr Direktor Stern hot in Nr. 7 d. gesch. Bl. seine Ansicht geäußert, aus welche Weise die Nabbinerbildungssrage gelöst werden könnte, und den Wunsch angefügt, man 'möge seinen Vorschlag diskntiren. Ich erlaube mir daher, Folgendes entgcgenzuhalten. 1) Wenn ein Rabbiner es auch nur zur Mittelmäßigkeit in seinem Hauptsache bringen soll, so müssen schon in frühester Jugend die Hauptstunden aus das Thorastndinm verwendet werden, während in den Nebenstnnden den profanen Wissenschaften obzuliegen ist. Wenn das Kind die zum Srudinm geeignetste Tageszeit in der Lateinschule znbringt und erst, wenn es ermüdet und sein Herz mit der Sorge für gehörige Ausarbeitung seiner Hausaufgaben erfüllt ist, zum Thorannterrichte kömmt, kann das erwünschte Ziel unmöglich erreicht werden Diejenigen Lchülcr, lvelche die israel. Lehrerbildungsanstalt besuchen wollen, müssen ja auch in jüdischen Vorbereitungsschulen, die derartig organisirt sind, daß die Hauptstunden dem Thoraunterrichte gewidmet sind, ihre Vorbildung erhalten. 2) Die religiösen Bedenken, die ich cntgegenzuhalten habe, sind anderer Art, als Herr Direktor ^tern vermuthete. Es ist nämlich für jeden wahren Jehudi herzzerreißend, wahrnehmen zu müssen, wie sehr die jüdischen Zöglinge der Real- und Lateinschulen dem jüdischen Leben dadurch entfremdet weri den, daß es ihnen unmöglich ist, den Gottesdienst regelinäßig zu besuchen, sowie die Sabbat-, Fest- und Faststage vorschriftsgemäß und würdig zu feiern. Es würde hier zu weit führen, wollte ich all' die Hindernisse aufzählen, welche dem jüdischen Besucher solcher Anstalten theils durch die thatsächlichen Verhältnisse, vielfach aber durch die Unduldsamkeit der Rektoren und Professoren in den Weg gelegt werden, seiner Religion g mäß zu leben. Wie sollte nun gar etwas Gutes zu erwarten sein, wenn der zukünftige Rabbiner in seiner frühesten Jugend an einer echt jüdischen Lebensweise gehindert ist? Nach meiner unmaßgeblichen Meinung kann diese hochwichtige Angelegenheit nur unter der Voraussetzung gelöst werden, daß besondere Anstalten errichtet werden, an denen y~h yn dj; m:n gelehrt wird. Um dies mit verhältnißmäßig wenig Kosten zu erreichen, dürfte der von Herrn St. angeregte Gedanke die Knaben an solchen Plätzen unterzubringen, wo sich ein Rabbiner und wo Schulen befinden, deren Lehrkräfte benützt werden könnten, einer näheren Erwähnung unterzogen werden. Schlüchtern, 18. Febr. Die „Kinzig-Ztg." theilt mit, daß hier die Antisemitenpetition colportirt wird, wobei ein noch nicht volljähriger Schreiberlehrling einer Behörde den Strohmann abgibt. Auch soll im Geheimen eine zweite Petition im Umlauf sein, um eine Ausschließung der Judenkinder ans der allgemeinen Volksschule zu bewirken. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. Pesth, 16. Febr. Universitätsstudenten versuchten gestern Abend die Abhaltung einer antisemitischen Versammlung trotz des polizeilichen Verbots. Bei der Eröffnung lösten die Polizeiorgane die Versammlung ans. R u m ä n i e n. Bukarest, 13. Febr. Die von rumänischen Ministern den Signatarmächten des Berliner Vertrags gegenüber abgegebenen Versprechungen, die Bestimmungen des Vertrags betreffend die Emancipation der rumänischen Inden, ehrlich und aufrichtig zur Geltung bringen zu wollen, erweisen sich als eitel Lng und Trug. In der diesjährigen Session sind alle vorgelegten Jndigenationsgesuche rumänischer Juden abschlägig beschieden worden. Einer der größten und angesehensten Bangniers der Moldau, Herr von Nenschotz, ein Mann, dessen humanitäres Wirken sich nicht auf seine Glaubensgenossen allein beschränkt, wurde mit seinem Ansuchen um Naturalisation abgewiesen, obgleich der Ministerpräsident für den Petenten eintrat und obgleich die vornehmsten Jassyer Bürger die schriftliche Erklärung abgaben, daß von Nenschotz der Aufnahme in den rumänischen Staatsverband vollkommen würdig sei. Unter Anderen wurde auch ein Arzt, dessen Familie seit Generationen im Lande ansässig ist, in feinem diesbezüglichen Begehren zurückgcwiesen. Die unverkennbare Absicht der Volksvertreter, Nichtchristen nach Möglichkeit von dem Genüsse der politischen Rechte