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Der Israelit · 1881-03-02 · Heft 9 (2.3.1881) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 9 (2.3.1881)
Date
1881-03-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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213 klarier Mensch fromm sein? Fromm, was so die altmodischen Juden fromm nennen. Ich glaub's nicht." „Was für Vortheil bringt es ihm denn? er könnte doch leben, wie er will, wenn er also fromm lebt, muß er es doch wohl ehrlich meinen?" „Vielleicht stellt er sich gerade Deinetwegen so; er weiß, daß Du die Frommen gern hast; so denkt er mit dem Frommenspielen sich Emilie zu verdienen." „Und wenn er sie dann hat, was dann?" „Dann macht er es so, wie er Lust hat, dann braucht er sich nicht mehr zu geniren." „Da müßtest Du einwilligen, ihm Emilie zu geben, denn nach der Hochzeit wird er doch ein Mann nach Deinem Wunsche sein, so recht aufgeklärt; ich lasse es daraus ankommen." „Und was Du auch sagst, cs geschieht nicht, und ich will cs nicht, und wenn ich merke, daß der Junge dem Mädchen den Kopf verdreht, so darf er mir nicht mehr in die Wohnung/' „Darüber kannst Du ruhig sein, der Junge ist viel zu brav, als daß er mit Emilie hinter unserm Rücken ein Verhältniß.anknüpfen sollte." Die Unterredung wurde durch den Eintritt Heinrichs unterbrochen, der nichts Eiligeres zu thuu hatte, als dem Onkel vorzndemonstriren, wie richtig er den ihm als Grafen Roterskoff vorgesielltcu Mann beurrheilt habe. Eben habe er sogar erfahren, wer dieser eigentlich wäre, es sei der richtige Raine durch ein im Koffer liegendes altes Billet verrathen worden. Er heiße nämlich Rothkops, sei von sehr ordentlichen Eltern, habe aus einer Universität Süddeutschlands studirt, die er plötzlich verlassen habe. Weiteres wisse mau nicht. Jetzt'wisse er, nämlich Heinrich, auch, wo er jenen Schwindler schon gesehen, auf der Universität, aber nur ein oder zwei Mal, nämlich bei Gelegenheit jener Affaire, da einst als Mitglied in die Harmonie ausgenommen zu werden sich beworben; und gerade jener Rothkops habe in seiner judengehässigen Gesinnung den Zwiespalt unter den Studenten hervorgerufen. „Hast Du Dich jetzt lange genug über mich lustig gemacht?" begann der Onkel, nachdem er den Neffen ruhig hatte aussprechen lassen, seinen Sermon; hatte sich ja genug Gallenstoff gegen Heinrich bet ihm angesammelt, warum sollte er nicht jetzt die Gelegenheit benutzen, diesen abzuladen? Es war ihm gar! kein Zweifel, daß Heinrich mit seiner Erzählung nur , den Onkel beschämen, ihm seine Vertrauensseligkeit i und Leichtgläubigkeit vorrückeu wollte, das sollte er j aber nicht ungestraft. > Der junge Mann hingegen wußte gar nicht, wie! ihm geschah, sein Stolz bäumte sich bei den unver-! dienten Verweisen seines Onkels, es kam zu Wideri reden und so entstand ein gehöriger Zank, den selbst j die Bemühungen der Tante nicht schlichten konnten, j Erst als Emilie eintrat, verließ Heinrich erregt das i Zimmer. Seines Bleibens konnte nicht länger in > Berlin sein, es wurde ihm dort unheimlich; noch! einige Wochen, da hatte er die Grüfe'sche Klinik ein i halbes Jahr besucht. Er schnürte sein Bündel, um! nach Wien und von da aus nach Paris zu gehen, :' wollte aber vorher erst die bedeutendsten Städte Süd-! deutschlands aufsuchen, lagen ja noch sechs volle; Wochen vor Beginn des neuen Semesters vor ihm.! Er wollte nicht in Groll voll seinem Ou' l scheiden,! verabschiedete sich daher von ihm; schwer aber wurde ihm dieser Abschied nicht. Schwerer jedoch schon, ' abgesehen von seiner Mutter, der von Emilie, sie konnten kein Wort der Trennung aussprecheu, — ein Händedruck, der mehr als Alles sagte — und ' Heinrich verließ das Haus, das für ihn so viel Schmerz gehabt und noch so viele Wonne barg, um der Heimath für einige Zeit fern zu bleiben. _ __(Fortsetzung folgt.) A Wj VI i u k *T. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. ist'. Elenrentarlehrer- und Borbeterstelle soll mit bem I. April d. wieder besetzt werden. Das Einkommen beträgt Dt. 840, außerdem freie Wohnung imb ansehnliches Nebeneiilkommen. Bewerber haben ihre Gesuche mit Zeugnisse zu richten an den Llinagogen-Aeltesten I. Rosenberg. Lichenroth (Kreis Gelnhausen). [8 *6 gesucht pr. 1. Mai c. für einen kleinen Haushalt in Hamburg ein tüchtiges religiöses Mädchen, welches alle Hausarbeit übernimmt und bestens empfohlen ist, gegen guten 2ohn. Offerten unter Nr. 631 bes. die Exped. d. Bl. gegenznrommen. haben wir den Preis der Erzählung „Rabbi Joselmann von Nosheim" aus 3 Mark, für beide Bände zusammen, ermäsngl und empfehlen dies schöne Werk als passendes Geschenk zum herannahenden Purimseste. Frankfurt a. M. 814 s I. Kauffmann's Buchhandlung. Leyrtingsgesuch. Für mein r'cdcrgeschäst « Damstaa geschlossen). A. Rödelheimcr 8181 Wiesbaden. i C>uv etn Madmen von 17 Pahren, von | 'iy anständiger Familie, wird in einem religiösen Hanse eine Dtellc zur Erlernung des Haushalts gestlcht. Gest. C sserten an; die Expedition d. Bl. unter Ehissre H. W- -Nr. 812. Religiöse Köchin gesucht. Disercen unter 'Nr. 810 an die Expedition d. Bt. sQin anständiges jüdisches Mädchen sofort gesucht. Dssenen unter Nr. 809 besorgt die Expedition d. Bl.

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