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Der Israelit · 1881-02-09 · Heft 6 (9.2.1881) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 6 (9.2.1881)
Date
1881-02-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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141 habe. Gottbewahre! nichts gegen den Charakter des jungen Mannes, aber ich bitte Sie, wie lange ist es her, hat sein Vater noch mit alten Kleidern am Mühlendamm gehandelt?" „Ihr erstes Loosebureau ist, so viel ich weiß, auch nicht „Unter den Linden" gewesen," entgegnete Posener etwas piguirt, setzte aber gleich beschwichtigend hinzu: „Sie wissen doch am besten, daß man ein hochgeachteter Ehrenmann sein kann, wenn man auch sehr klein angefangen hat." „Weil ich klein angefangen' habe, soll meine Tochter groß anfangen; sie wird einen neuen Namen tragen müssen, der Name soll was Großes sein. Wenn Sie mir noch mit einer alten Berliner Familie kommen würden, so würde ich es der Mühe werth halten, darüber nachzudenken, aber mit dem Mühlendamm — nichts, nichts! Ein Mädchen, wie meine Tochter verdient einen Grafen, wenigstens einen Baron; wenn Sie so etwas wüßten. Sie könnten Ihre 5000 Thälerchen und vielleicht was mehr dabei verdienen." „Ja, die jüdischen Grafen oder Barone liegen so auf der Straße!" „Muß es denn ein jüdischer Baron sein?" „Wie? was? Sie wollen Ihre Tochter taufen lassen?" „Das ist heute nicht mehr nöthig, es kann ja auch eine Mischehe sein." „Das wollen Sie?" „Warum nicht? Sie wissen, ich bin aufgeklärt, ich gehöre zur Röform. Die Confusion ist bei mir kein Hinderungsgrund." ,^Jch will Ihnen über das Recht oder Unrecht eitler solchen Gesinnung nichts sagen, auch nicht darüber, ob solche Ehen wohl glücklich werden können; ich glaub's nicht, namentlich, wenn das Geld dabei die Hauptrolle gespielt hat. Aber das will ich Ihnen doch sagen, daß sich wohl die christlichen Grafen und Barone nicht eilen werden, ein Judenmädchen zuheirathcn. Wer kann aber wissen, ich will mal zum Grafen Redern gehen und ihn fragen, ob er einen Sohn vorräthig hat, vielleicht thut's auch der Fürst Radziwill, man kann nicht wissen." „Spotten Sie nur; wenn Sie wüßten, wer um meine Tochter schon angehalten hat, Sie würden anders sprechen." „Mag sein, aber das will ich Ihnen doch als alter Freund sagen: wenn so ein hochwohlgeborener Herr daher kommt und Ihre Tochter bis in den siebenten Himmel hebt und ganz verzückt ist von ihrer, ich mein', von Ihrer Tochter Schönheit, und Sie dann fragt, ob Sie sein Schwiegerpapa weroen wollen, dann fragen Sie nur ja nicht, wieviel Vermögen der junge Mann hat, das könnte gleich die ganze Geschichte umwerfen. Denken Sie nur, von Geld sprechen, wenn Einer mit Liebe kommt. Also sprechen Sie nicht von Geld, das heißt, nicht von dem Geld des jungen Mannes, von Ihrem dürfen Sie schon sprechen, das löscht die Liebe nicht aus. Wollen Sie aber doch etwas von dem Vermögen des jungen Mannes erwähnen, dann sprechen Sie von seinem Soll-Conto. „Junger Mann," sagen Sie dann, nur dreistheraus, wieviel sind Sie schuldig? Kommt auf ein paar Tausende nicht an, ich kann Alles zahlen!" Da sollen Sie einmal sehen, wie derSchidduch schnell fertig ist, und damit — Gott befohlen! Leben Sie wohl!" Posener griff nach seinem Stock und Hut, um zu gehen, doch Reicherssohn hielt ihn zurück: „Nur nicht gleich so hitzig! Hier, setzen Sie sich noch einen Augenblick. Sie sollen nicht von mir gehen und mich für einen Narren mit hochfliegenden Plänen galten, an denen nichts ist. Wenn ich etwas sage, so steckt etwas dahinter. Nun, so hören Sie, Sie sind ein verschwiegener Mann, ich darf Ihnen als altem Freund etwas anvertrauen. Sie kennen doch den russischen Grafen v. Roterskoff?" „Ich? nein, woher?" „Jeden Mittag präcise 12 Uhr verläßt er das Hotel de Rome, fährt in einem Cabriolet in den Thiergarten und kommt um 1 Uhr wieder zurück. Eine wunderbare Pünktlichkeit! Daß Sie ihn nicht kennen, noch nicht einmal von ihm gehört haben! Die ganze Welt spricht von ihm, von seinen Brillanten, von seinen schönen Pferden, von der prachtvollen Uniform seines Leibjägers. Beim russischen Gesandten ist er oft zu Tisch, beim französischen war er es auch schon, bei v.d. Heydt war er neulich zum Souper; natürlich Hab' ich ihn auch eingeladen, er hat mich beehrt und denken Sie, er ist in meine Tochter sterbensverliebt." „Und Sie? haben Sie schon zngesagt?" „So schnell schießen die Preußen nicht! Ich Hab' ihm gesagt, ich müsse erst meine Tochter vorbereiten, muß erst mit dieser sprechen u. s. w. Ich will mal erst seben, ob sich die Liebe nicht abkühlt; er ist auch heute Abend wieder bei mir eingeladen, ich will ihn beobachten, sehe«ich, daß er's wirklich ernst meint, dann mag er sie haben!" „Und was wird Ihre Fräulein Tochter dazu sagen? Man erzählt doch, daß Ihre Tochter Ihrer Frau nachschlaye, und Ihre Frau selbst, wird die eine Heirath mit einem Christen zugeben?" „Papperlapapp, ich bin der Herr im Hause, und glauben Sie nicht, daß die Diamanten auch bei Frauen etwas durchsetzen können?" „Ich denke nicht so niedrig von den Frauen, was geht es aber mich an. Aber seien Sie vorsichtig bei so einem russischen Grafen, der gleich auf die erste Einladung bei Ihnen zu Tisch kommt."

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