Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 5 (2.2.1881)
- Date
- 1881-02-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XXII. Jahrgang. Iweite Beilage zu tlr. 5 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 26. Jinuar. Von befreundeter Seite wird uns mitgetheilt, daß in der deutschen Literaturgeschichte von Robert König, 9te Anfl., in Bezug auf Lessings Nathan, Seite 395, zu lesen sei: „Die Zeitschrift „Der Israelit" fügt hinzu: „Es sei Lessings Fehler gewesen, daß er das Judenthum noch nicht als die höchste Stufe erkannt habe! Vortrefflich habe er aber in dem Klosterbruder und in seiner frommen Beschränktheit das Ehristenthum dargestellt." Es ist dies wiederum eine der vielen Unwahrheiten, welche sich die Antisemiten ausdenken, um daraus Waffen für ihren Judenhaß zu schmieden. Etwas Derartiges hat iin „Israelit" niemals gestanden. Wir haben die acht Aufsätze, welche wir im Jahre 1878*) über Lessings Nathan veröffentlicht haben, wieder gelesen und haben keine Spur von dem Citate des Herrn Robert König gefunden. Außer den erwähnten Aufsätzen ist Lessings Nathan niemals im „Israelit" besprochen worden. — Herr Robert König ist, wie uns unser Freund mittheilt, der Nedacteur der Zeitschrift „Daheim", welcher vor einigen Monaten in Leipzig in einem öffentlichen Lokale einen antisemitischen Skandal hervorrief. Berlin, 28. Jan. Der „Post" zufolge verurtheilte der Disciplinargerichtshof des Provinzialschulcollegiums die Lehrer Förster und Jungfer wegen des bekannten Vorgangs in der Pferdebahn heute zu einem in milder Form gehaltenen Verweis und erkannte außerdem gegen Förster wegen agitatorischer Thätigkeit in der Judenfrage auf eine Geldbuße von 90 Mark. Berlin, 29. Jan. Gegen das Urtheil des Disciplinargerichtshofs des Provinzialschulcollegiums gegen vr. Förster auf Verweis und 90 Mark Geldstrafe hat der Staatsanwalt Berufung angemeldet, weil gegen Förster nicht auf Dienstentlassung erkannt worden sei. Frankfurt a. M. Zu der in Nr. 4 gebrachten Notiz über eine dahier begangene Flegelei mache Ihnen die Mittheilung, daß es sich später ergeben hat, daß der Mißhandelte gar kein Jude war und die Roheit, welche freilich dadurch nicht geringer wird, nur seinem Aeußern zu verdanken hatte. , *J Nr. 29—36.! | Feuilleton. I Aus dem Hagebuche eines Aezirks-! Aabbiuers. x. Hattenfels, im October 1880. Wenn über Saul der böse Geist kam, mußte ihn Davids Musik bannen. Die Reformgemeiuden haben dasselbe Mittel versucht, aber ohne Erfolg. Ob die heraufbeschworenen bösen Geister der letzteren tiefer sitzen, als derjenige von Saul, oder ob sich der Einfluß der Synagogenorgelpfeifen füglich doch nicht mit der Macht der Davidischen Harfenklänge messen mag, nach der Entscheidung von Fachkenuern überlassen bleiben. Die Kirchenmusik in der Synagoge wird die bösen Geister der Andachtslosigkeit, Gleichgiltigkeit und Langweiligkeit deshalb nickt bannen, weil ihre Einführung und Nachäffung selbst eine Ausgeburt des bösen Geistes des Abfalls ist. Diese Musik verjagt daher die bösen Geister nicht-nur nicht, sondern sie lockt sie erst hervor und macht den Zuschauer erst recht auf ihre tollen Sprünge aufmerksam. Daß man es in Hattenfels noch nicht zu einer Orgel gebracht hat, ist bereits erwähnt worden. Aber dafür haben sie einen gemischten Chor, der dem unbefangenen Zuhörer den Kopf fast eben so gründlich verwirren kann, wie eine verstimmte, heisere Orgel. — Aber sie singen mit einer Andacht, die um so anerkennenswerther ist, als die Ehoriften und Ehoristinnen absolut nichts von dem verstehen, was sie mit ihrem und 'w eigentlich sagen oder singen wollen. — Aber das schadet auch nichts, da der Eindruck auf die christlichen Besucher, welche ab und zu die Hattenfelser „Judenschule" besuchen, nicht dadurch beeinträchtigt wird, und das ist die Hauptsache. Daß man in Hattenfels die zur Thora Aufzurufenden nicht mit ihren ehrlichen, Mischen Namen, sondern wie in Zuchthäusern als Nummern aufruft, fand ich so selbstverständlich, daß ich mich gar nicht daran gestoßen hätte, wenn mir nicht der Singsang noch nachgetönt wäre, mit dem sie die Freude über ihr Judenthum eben noch hinausgejubelt haben, während sie sich wenige Minuten hernach ihres Judenthums nicht nur, sondern der bloßen jüdischen Namen schämen, die sie an ihre Eigenschaft als Juden erinnerte. — Gewundert habe ich mich immer, daß die Gemeinden, welche ihre Mitglieder auf diese Weise