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Der Israelit · 1881-01-05 · Heft 1 (5.1.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 1 (5.1.1881)
Date
1881-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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3 Jedenfalls war die ägyptische „Judenhetze" eine sehr gründliche. Womit motivirte man die Verfolgung und Unterdrückung der Juden? Waren es religiöse Motive? Hatten sie sich gegen die Ordnung des Staates aufgelehnt? Zeichneten sie sich durch Unredlichkeit im Handel und Verkehr aus? Standen sie nicht auf der Höhe ägyptischer Cultur und Bildung? Nichts von dem Allem. „Das Judenvolk ist zu zahlreich und mächtig für uns" — das ist die einzige Anklage, der einzige Vorwurf, welcher gegen sie erhoben wurden. Wenn das so fortgeht, so überwuchert das semitische Element in unserm schönen Aegypten; wir sind den Israeliten nicht gewachsen; wie lange wird es dauern, so ist Aegypten ein semitischer Staat! 'v ncannj nan. Dieser Gefahr gegenüber galt es die ganze Kunst der Staatsweisheit aufzubieteu. Die „Jndenfrage" in Aegypten wurde als die „brennende des Tages" angesehen, als eine sehr ernste Angelegenheit, welcher sich die Reichspolitiker nicht entziehen durften. Die ägyptische Staatskunst war berühmt; sie bewährte sich auch hierin. Die Bene-Jisrael, in ihrer Freiheit und gleichen Stellung mit den übrigen Staatsangehörigen eine Gefahr für des Landes Wohlfahrt, würden sehr wesentliche Dienste im allgemeinen Interesse leisten, wenn man sie in ihren Rechten beschränkt, wenn man ihren Fleiß, ihre Nüchternheit, ihre Betriebsamkeit — Tugenden, welche man ihnen nicht absprechen will — sür das Land gehörig auszubeuten versteht. Der Druck, welchem man sie unterwirft, wird auch die Vermehrungsfähigkeit dieses fremden, aus dem Osten eingewanderten und erst seit ein Paar Jahrhunderten im Lande ansäßigen Stammes hemmen. So fanden sich die Juden zu des ägyptischen Reiches Knechten degradirt, über welche besondere Beamte gesetzt wurden , und sie führten unter der. Peitsche dieser Judenvögte die gewaltigen königlichen Bauwerke auf, deren Ruinen noch heute die Bewunderung der Nachwelt erregen. myzij nsy njne 'Ban um n» ■}*». Aber die Fürsten Zoans erwiesen sich als Thoren, und der Beschluß der Pharaonischen Weisen und Staatsräthe war unklug" (Jejajah 19, 11), denn ps' pi na-v* p im ujp, wie sie die Juden auch immer bedrückten, sie vermehrten sich doch und breiteten sich aus. Die statistischen Nachweisungen zeigten stets eine erschreckende Progression des semitischen Stammes. '^2 »j$o mp". Die Aegypter empfanden einen Ekel wegen der Israeliten O.i'j'pa j’on rnar OM'pa die Juden waren ihnen überall ein „Dorn m Auge" und vergällten ihnen das Leben; isconJtp ono nwop-ip »roi nw'tro 'na, denn, von Staats¬ und Communalämtern und allen „autoritativen" Stellungen ausgeschlossen, besuchten die Semiten die Theater und Circusse und trübten den Aegyptern den Augenblick des Vergnügens — „überall Juden!" „Man kann auch nirgends hingehen ohne auf Juden zu stoßen!!" Die den Juden auferlegten Bedrückungen hatten bis jetzt ihren Zweck verfehlt; die Zügel mußten noch straffer angezogen werden, und man muß es den Aegyptern lassen: sie verstanden sich auf die Unterjochung einer Nation und scheuten sich nicht, mit eiserner Consequenz das sich vorgesteckte Ziel zu erreichen. In dieser Beziehung steht die ägyptische Staatskunst als Muster da und hat zu allen Zeiten große Verehrer und Bewunderer gefunden — bis auf den heutigen Tag. -psa btnv' »ja n« Dnso nojn. Die Semiten wurden nunmehr als Sclaven erklärt und man behandelte diese Selavenkaste in weisem Vorbedacht pra, d. h. npiro D'jnoi tj?naeo, mit einer Härte, welche die Kraft des Leibes zu brechen, den Lebensnerv zu ertödten geeignet ist. Die Israeliten standen von jetzt ab nicht mehr in dem ausschließlichen Dienste des Staats, für welchen sie zu frohnen hätten, sondern einem jeden Aegypter waren sie unterthan. Zu der Furcht und dem Hasse häufte man die Verachtung; der Jude ward zu einem macht- und rechtlosen Wesen. Aber die unverwüstliche Lebenskraft der Hebräer widerstand auch dem härtesten Sclavenloose: a-m ind iQLp'i Dyn, „das Volk vermehrte sich dennoch und wurde außerordentlich kraftvoll." Die ägyptischen Staatslenker ermüdeten jedoch nicht in dem Verkümmerungsversuche des jüdischen Stammes. Sie schreckten vor dem Aeußersten nicht zurück. Ein königlicher Erlaß erging an das ganze ägyptische Volk des berühmten Inhalts: jeden semitischen Knaben, wo man einen solchen träfe, in's Wasser zu werfen! Hiermit war allerdings wohl die Regierungsweisheit auf dem höchsten Punkt angelangt. Wirksamer und kräftiger kann man wohl der Vermehrung einer Menschenfamilie nicht entgegentreten. So zeigt die erste, die ägyptische Judenhetze sich in der vollen Entfaltung ihrer Gewalt. — Hat sie ihre Absicht erreicht?? — Von der ehemaligen, gepriesenen, ägyptischen Macht und Kultur zeugen nur noch Riesenschutthaufen und Gräber, halbverwitterte Steininschriften, und Papyrusrollen — Aegypten ist todt, seine Dynastie erloschen, und nur als Mumien treten die alten Aegypter in die Gegenwart. — Die Bene-Jisrael, die Jbrer, aber leben noch heute ihr unsterbliches Dasein und dokumentiren

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