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Der Israelit · 1879-12-31 · Heft 53 (31.12.1879) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 53 (31.12.1879)
Date
1879-12-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1404 überliefert, damit ich einen Theil meiner Schuld schon in diesem Leben sühne. Seit Jahren suche ich meine unglückliche Nichte, um ihr das Erbe ihres Vaters zu übergeben. Wie hatte ich es mir so schön ausgemalt, die arme Laura, an der ich so viel verbrochen, froh und glücklich zu machen! Jetzt ist auch diese Hoffnung dahin. Nicht einen Augenblick lang habe ich die Früchte meines Verbrechens genossen. Die Hand Gottes lag schwer auf dem reuigen Sünder, Frau und Kinder wurden dahingerafft. O, Sie Fremder, der Sie jetzt hingehen werden, um mich bei dem Gerichte zu verklagen, Sie können nicht beurtheilen, wie schwer ich gelitten, welche entsetzliche Qualen mir das eigene Gewissen bereitet hat, mir, dem einsamen Manne, in diesem großen menschenleeren Hause, auf meiner Lagerstätte in langen schlaflosen Nächten! Meine einzige Freude war, wieder gut zu machen und das Geraubte zurückzuerstatten. Haus und Hof, Geld und Gut kann ich wiedergeben, aber Unschuld, Gesundheit und Frohsinn nicht. O, ich Unglücklicher!" Und wiederum begann er zu weinen und zu jammern. Stöhnend und ächzend lief er im Zimmer auf und ab, bis er erschöpft auf einen Stuhl sank. Da stand Rüben auf, stellte sich vor ihn hin, ergriff seine Hand und sagte: „Beruhigen Sie sich, alter Mann; Gott verwirft den reuigen Sünder nicht. Gebet, Buße, und Wohlthun umwandeln das strenge Gericht in Liebe und Erbarmen. Ich habe Ihnen nur geschildert, was aus Leah hätte werden können, aber Gottes Barmherzigkeit hat es anders gefügt. — Als Dalberger und seine Frau gestorben waren, und die hartherzigen Bewohner von A. das hilflose Kind von ihren Thüren wiesen, da gab mir Gott Mitleid in's Herz. Obwohl ein armer jüdischer Lehrer, der mit seinem kärglichen Einkommen auch seine kranke Mutter zu ernähren hatte, sorgte ich für das Kind, führte es meiner Mutter zu, gab ihm Kleidung. Nahrung und Unterricht, und als meine Mutter starb, da heirathete ich das unterdessen zu einer holden Jungfrau herangeblühte Mädchen. Aber man jagte mich um dessentwillen aus meiner Stelle. Ohne Hilsmittel, aber Gottvertrauen im Herzen, wanderte ich mit meiner jungen Frau in die weite Welt, bis uns Gottes gnädige Fügung in dieses Haus führte und uns das Geheimniß der Herkunft meines Weibes entdeckte." »Und" fragte Mangold gespannt, „ist Laura auch hier?" Da ging Rüben an die Thüre, öffnete sie und rief hinaus: „Liebe Sarah, führen Sie doch meine Frau herein." „Mann, schrie PhilippIMangold. „Sie sind ein Betrüger, Sie wollen die Kunde von meinem Verbrechen ausnutzen, um sich meines Vermögens zu bemächtigen!" In diesem Augenblicke erschien Leah in der offenen Thüre. „Judith," rief Mangold, „Judith, Schwägerin, sind Sie vom Tode erstanden?" „Es ist Laura," sagte Rüben. „Ja , es ist Laura," rief Mangold , , sie ist das leibhaftige Ebenbild ihrer Mutter!" Und Rüben erfaßte Leah's Hand, und sagte: „Leah, meine Theure, dieser alte Mann ist Dein Oheim, der Bruder Deines Vaters!" Wir haben wenig mehr hinzuzufügen; Philipp Mangold übergab das ganze, von ihm widerrechtlich in Besitz genommene Vermögen durch einen Schenkungs-Akt der wiedergefundenen Tochter seines Bruders. Dadurch wurden alle Weitläufigkeiten, alle Beweise der Jndentität der Person, welche einst Laura hieß und nunmehr Leah genannt wurde, überflüssig. Kurze Zeit nachher starb Philipp Mangold, ruhig und beglückt durch das Bewußtsein, sein Verbrechen gesühnt zu haben. Rüben bezog als verheiratheter Student die Universität, um seine unterbrochenen Studien fortzusetzen. Die alte, treue Sarah wurde von dem jungen Ehepaare in die Universitätsstadt mitgenommen. Rüben wnrde ein geschickter und vielgesuchter Arzt. Doch war es namentlich die Armen- Praxis, welche er mit Vorliebe cultivirte. Er ist vor wenigen Wochen als ein hochbetagter, allgemein geachteter Greis, umgeben von zahlreichen Kindern und Enkeln, aus diesem Leben geschieden. Seine Gattin ist ihm drei Monate zuvor zur ewigen Ruhe vorangegangen. Beider Andenken wird gesegnet von Allen, die das Glück hatten, ihnen im Leben nahe zu stehen.

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