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Der Israelit · 1879-12-24 · Heft 52 (24.12.1879) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 52 (24.12.1879)
Date
1879-12-24
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Feuilleton. Dor hundert Jahren. 1780, fast hundert Jahre sind es her, da starb die große Kaiserin Maria Theresia, am 28. November 1780, die noch jetzt im Herzen ihrer Völker lebt, als die erste Reformatorin verotteter Zustände und zahlloser UebelsLLo.de! Doch wie kein Licht ohne Schatten, so wurden auch ihre hohen Herrschertugen ien durch die eine Schattenseite verdunkelt, daß die sonst so hochherzige Regentin, so oft blindem Borurtheit und bösen Rüthschlägen gegen ihre jüdischen Unterthanen nur za willig Gehör gab. Erflossen doch noch immer die schwache vollen Edicte zur Vertreibung der Juden aus Mähren, aus Böhmen, und sogar aus der Hauptstadt Wien sollten die Juden hinausgehetzt werden! Daß das Herz der großen Kaiserin den Bitten und Klagen ihrer jüdischen Unterthanen sich trotzdem nicht verschloß, beweist, daß die Juden in Mähren, in Böhmen, und auch in Wien blieben. Wie nun Letzteres zuging, dürfte wohl nicht allgemein bekannt sein, und will ich es den Lesern hier so erzählen, wie ich es i.; einem alten Manuskript gelesen habe. Leider ift weder Jahr noch Datum, wohl aber das Factum genau beschrieben. Nachdem also das Edict zur Vertreibung der Juden auS Wien erfloffen, begaben sich die Aeltesten und Vorsteher der Gemeinde zu der Kaiserin und baten um eine Audienz, die ihnen auch gewährt wurde. Vergebens flehten sie um Rück' Nähme dieses furchtbaren Edictes, vergebens waren alle Bitten und Vorstellungen, der sonst so milde Sinn der hohen Frau blieb diesmal unbeugsam, unerbittlich! „So bitte ich denn nur noch um eine Gnade" — bat der Führer der Deputation, der erste Vorsteher der Gemeinde, Samson Wertheimer — „bevor wir Haus und Hof verlassen und unsere geliebte Vaterstadt, bevor wir hinauswandern müssen, in die lieblose Fremde, die uns arme Juden ja nur dann mit offenen Armen aufnimmt, wenn sie unS in ihren Armen erdrücken kann — möge uns Ihre Majestät, die unterthanigste Bitte gewähren, vor unserer Auswanderung ein Schauspiel im kaiserlichen Hoftheater aufführen zu dürfen, das Sie, in Begleitung des Hofstaates und mit den Rathen der Krone, mit dero allerhöchsten Gegenwart, beehren wolle!" Verwundert über diesen etwas sonderbaren Wunsch, und weil der Bittsteller stets in besonderer Gunst bei der Kaiserin stand, willfahrte die 1386 Monarchin und erschien am festgesetzten Tage, zur festgesetzten Stunde im kaiserlichen Schauspielhause, mit ihrem Hofstaat, um dem Schauspiele beizuwohnen, das die Judenschaft Wiens aufführen wollte. Der Vorhang wird aufgerollt, die Scene stellt einen Marktplatz dar, auf dem ein Jahrmarkt abgehalten werden fffU! Wenigstens bezeugt dies der Kalender und die ausgestellten Buden. Auch Käufer finden sich ein. Warten doch die Landleute gewöhnlich mit dem Ankauf ihres Bedarfs bis zum Jahrmarkt?. Es fehlte also an Kauflustigen nicht, doch o Wunder — an Verkäufern! Es fehlten die Juden, damals die ausschließlichen Besitzer des Kleinhandels r Verblüfft standen sie nun da, der Bauer, der sein Getreide verkauft hatte, um für seine Kinder den Sonntagsstaat einzukaufen, der arme Taglöhnsr. der für seine mühsam > ersparten Gulden, für Weib und Kind, warme Kleider für den Winter anschaffen wollte, der Bettler, der frierend und hungernd für die erbettelten Kreuzer so gerne ferne geringen Einkäufe besorgt hätte, und die ganze Schaar von Weibern j und Kindern, die sich so sehr auf den Jahrmarkt gefreut hatten! Denn beim Landvolks, ist der Jahrmarkt auch jetzt noch gleichbedeutend mit einem Feste! Wo waren sie denn nur hingekommen, all die Inhaber der Buden, die Krämer, die sonst die j Käufer gewaltsam in ihre Buden rissen? Wo | sind sie denn nur hingekommen, die Juden, die es ' schon so genau wußten, wieviel Ellen Zeug wir zu einem Gewände nöthig hatten? Wahrlich, ein trübseliges Bild von einem Jahrmärkte! Viele! versuchten es nun, sich an die großen Geschäfte,; an die Fabrikanten zu wenden; da kamen sie aber j schön an mit ihrer geringen Baarschaft! „Hier I wird nur en gros verkauft" — hieß es da „und! solch ordinäres Zeug führen wir nicht", schnarrt ein hochnäsiger Jüngling. Schlußtableau: Schaaren von Betrunkenen, die ihren Unmuth. ihren getäuschten Hoffnungen, in den Wirthshausern ersäuften! sj Und abermals geht der Vorhang in die Höhe! ij Wieder ist's ein Jahrmarkt, der sich den Blicken fi der Zuschauer darstellt! Doch welch ein Contrast! zum Vorigen! Welch ein Leven und Treiben, welch' s ein reger Verkehr herrscht da! Ein Feilschen und j Bieten, ein Anpreisen der Waare, ein Rufen und! Schreien, Scherzen und Lachen, mitunter auch j Zank und Streit! Und doch endet Alles zur Zu-ii friedenheit Aller! Und sie ziehen wohlgemuth, be- J laden mit ihren Päcken und Päckchen heim, und V freuen sich» daß fte wieder da sind, die Träger de- D Handels, und der Industrie, die Juden! Ge-A spielt wurde vortrefflich! Spielten sie doch um Gut 1

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