Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-12-24 · Heft 52 (24.12.1879) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 52 (24.12.1879)
Date
1879-12-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447848--17027-2473034
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1370 gewissenhafte Beachtung noch heute, ja gerade heute von jedem Juden fordert? Welche große sittliche That begeht doch der Jude, der mitten in einer dem Dornen- und Distelfluch verfallenen Welt, welche die Dransetzung des ganzen Wesens so sehr verlangt, um das nackte Dasein zu fristen, daß der weiseste Sterbliche schon vor fast drei Jahrtausenden alle Arbeit und Sorge im Dienste des — Mundes erblickt, wenn in einer solchen Welt der Jude der Einzige ist, der sich dieser zwingenden Sorge freiwillig entschtägt, sich Fasttage stiftet, um einer Idee voll und ganz sich hingeben zu können! Jeder fastende Jude ist t och ein unwiderstehlicher Protest der realistischen oder gar materialistischen Gesinnung, die ihm seine Feinde insinuiren. Dieser Ernst der Hingebung an eine blaße Idee ist doch so etwas specifisch Jüdisches, allen außerjüdischen Kreisen so gänzlich Fremdes, daß diese Eigenart, seine religiöse Ueberzeugung zu bekunden allein, alle verwandten Geister und Herzen trotz der räumlichen Zerklüftung verbindet und so unsere Fasttage zu niois geistigen Sammelpunkten macht*). Ein Weh durchzuckt alle, alle belebt eine Hoffnung, alle beklagen sie das thränenreiche Schicksal, das am zehnten des zehnten Monats seinen verhängnißvollen ersten Anfang genommen und an dessen Folgen wir nun schon länger als achtzehn hundert Jahre in einer Zerstreuung und Verkennung sonder Gleichen leiden. Aber indem die Zerstreuten ihrem Schmerze auf eine und dieselbe herzerhebende Weise Ausdruck geben, indem sie fastend die Tage ihres nationalen Unglückes begehen, haben sie bereits ein mächtiges geistiges Band um alle Schicksalsgenossen geschlungen. Von ihrer Kraft, die sie freiwillig herabmindern, erwarten sie nichts. Sie blicken hoffend zu ihrem himmlischen Vater empor, dem Einzigen, der ihren Schmerz versteht, daß er, wenn er jede Menschenthräne trocknet, auch die Schmach von seinem Volke nehmen möge, und harren fastend der Zeit, in welcher die Fasttage des vierten und fünften, des siebenten und zehnten Monats dem Hause Juda's Tage der Freude und Wonne werden. Wie aber im jüdischen Pfiichtleben jede äußere Handlung von dem sie erläuternden, lebendigen Worte begleitet ist, so hat auch der sinnige Brauch der Väter Sinn und Bedeutung der einzelnen Fasttage in wunderbar ergreifenden Worten dargestellt und sie mit dem täglichen Gebete verwoben. ES ist die Anfangsstrophe einer solchen Darstellung, 1) Man vergl. p"?? unter otitis und das rabbinsche ’7\p nnti. welche wir an die Spitze dieser Zeilen gestellt, weil sie so recht der treue Dolmetsch alles dessen ist, waS Geist und Gemüth des fastenden Juden bewegt, wenn er sein und seines Volkes Geschick am zehnten Teweth durchdenkt. Seiner Väter Gedächtniß ist das Erste, was dreimal täglich in seinem Gebete und besonders an diesem Tage über seine Lippen geht. Der Gedanke an ihre Väter macht die spätesten Enkel noch zu Brüdern und schlingt die zarten Bande der Bruderliebe um so inniger um jeden Einzelnen des verlassenen Bruderstammes, je mehr die nichtjüdische Welt mit ihrer Menschenliebe knickert, und sie gerade den ältesten Priestern der Humanität hartnäckig versagt. Ein Blick auf ihre Väter, deren Geschick und die Art und Weise wie sie es ertrugen, feit noch die spätesten Enkel, gegen alle Unbill und Böswilligkeit, die ihr Schicksal sie auf ihrem Lebenswege finden läßt. Nicht geringschätzig denkt der Jude von der Vergangenheit seines Volkes und deren Trägern, seinen Vätern. Die Pietät, mit welcher er zu ihnen aufblickt, ist ebenfalls ein specifisch jüdisches Characteristicon, das man vergebens in anderen Kreisen suchen dürfte. Seine Ideale liegen in der Vergangenheit und seine Hoffnung, die er an die Zukunft hat. faßt er in die Bitte cnpD u’O’ tcnn, diese Vergangenheit wieder neu zu beleben. Sein Abraham, Jizchak und Jacob sind ihm keine mythischen Gestalten, trotz der Jahrtausende, Die zwischen ihnen und der Gegenwart liegen. Aus der Geschichte dieser seiner Väter hat er Gottes Waltung kennen lernen, wie sie sich in dem Leben eines jeden Einzelnen als d.-tük 'pvr-r npjn ’pbvVi pns* bekundete, wie mmon in in nmn das Leben der Väter die greifbarste Offenbarung des göttlichen Eingreifens in menschliche Geschicke zum Ausdrucke bringt, weil eben feine Väter jeden Schritt ihres prüfungreichen Lebens von Gottes Willen beherrschen ließen. Sie vertrauten keiner Zeit und fürchteten keine Zeit, sie fürchteten und vertrauten Gott. Diese unbedingte Unterstellung seines ganzen Lebens, diesen fortgesetzten Gottesdienst hebt einen Abraham berghoch über das Niveau seiner Zeit, läßt einen Jizchak freudig die Jsolirung von einer ganzen Umgebung ertragen und in Gottes freier Naturwelt die Anregung zu seinem Gottesdienst finden, läßt einen Jakob sich auf den Kreis seines Hauses beschränken, wenn er Gottes Herrlichkeit schauen und verehren will, (rvu spv’ ,rm pna’ ,nn i*np onnn«). Wenn wir daher vor unseren himmlischen Vater treten, und betend das Wort wpbtt sich aus unserem Herzen zu ihm emporringt, so ist der 'k ution, dem wir uns unterstellen, wie es die Väter gethan Beispi Denkei huldig bekürw den L den u auch r wir w der di Hernie bei, zi zu er die sie zu ®: zum <£ S je her den Q Ierinne zu sei trauer Gott festen iunterr! <§ Gedä< Gott stock (Ps. * im 21 glichei soll, ,verpfl seine rael! stock f das e Väter berge j falle, j mich;!j die 2 Abrah er sof fiel h und v raels, keine er dei hatte: heißt erbarr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.