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Der Israelit · 1879-12-10 · Heft 50 (10.12.1879) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 50 (10.12.1879)
Date
1879-12-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1330 wenig mit dem „spanischen Judenstamm" zu thun haben, noch weniger aber die französischen, daß dieser zumeist, soweit er nicht zur höheren Ehre Gottes hingemordet worden und dem Elend preisgegeben durch Huager verkommen ist, nach der Türkei und dem nördlichen Afrika sich gewendet und nur zum kleinsten Theil in Holland, Hamburg. Altona und England sich weiter erhalten hat. Er hätte aber auch wissen müssen, daß die ..hosenverkaufenden" Jünglinge Polens schon längst in England sich ansässig machen konnten — ein Gang durch Londons Straßen wird Jeden überzeugen —, ehe Deutschland auch nur im Traume daran dachte, einem Fremden gastlich sein Land zu öffnen. In Frankreich und England herrscht aber deßhalb das Vorurtheil gegen die Juden nicht, weil es eben Franzosen und Engländer sind, die diese Länder bewohnen, nnd in Deutschland wäre das Vorurtheil längst geschwunden, wenn es in diesem Lande keine Professoren ü la Treitschke gäbe. Die Juden sollen Deutsche werden, sich schlicht und recht als Deutsche fühlen, „unbeschadet ihres Glaubens und ihrer alten heiligen Erinnerungen" — das, meint Herr Treitschke, könne man von ihnen verlangen. Sie sind dies aber nach des Herrn Professors Meinung nicht, sie sind vielmehr ein „nationales Unglück". Alle Opfer, die die Juden freudig und gern für das deutsche Vaterland bringen, schlägt der Herr Professor nicht an; sie sind Fremde und bleiben Fremde, sie fühlen es nicht, daß alle Unbill, die ihnen früher geschehen, längst gesühnt dadurch ist, daß das deutsch : Volk „ihnen die Rechte des Menschen und Bürgers geschenkt (!!) hat. Wollte der Jude überhaupt an die Unbill (mehr als sub rosa gesprochen) denken, die ihm zugefügt worden, um demnach sein Verhalten gegen sein Vaterland zu regeln, daun sähe es wahrhaftig traurig aus. Gott sei Dank! daß der Jude zu seiner eigenen Ehre die V rgangenheit begraben fein läßt, und auch nicht einmal in seinem Herzen die Gegenwart verantwortlich macht für das, was die Vergangenheit verbrochen hat. Es könnte Mancher in dieser Beziehung etwas von den Juden lernen. Treitschke klagt über Ueberhebung der Juden. Er weist auf Grätz hin, der mit fanatischer Wuth gegen das Christenthum losziehe, einen „Todhaß" zeige „gerade wider die reinsten und mächtigsten Vertreter germanischen Wesens, von Luther bis herab auf Göthe und Fichte". Trotz der vielen achtbaren Firmen jüdischer Handlungshäuser, meint der Patriarch, wollte sagen, Herr Treitschke, „hat aber unbestreitbar das Sernitenthum an dem Lug uud Trug, an der frechen Gier des Gründer- Unwesens einen großen Antheil, eine schwere Mitschuld an jenem schnöden Materialismus unserer! Tage, der jede Arbeit nur noch als Geschäft be-! trachtet und die alte gemüthliche Arbeitsfreudig- > keit unseres Volkes zu ersticken droht; in tausenden deutscher Dörfer sitzt der Jude, der seine Nachbarn wuchernd auskauft. Unter den führenden Männern der Kunst und Wissenschaft ist die Zahl der Juden nicht sehr groß; um so stärker die betriebsame Schaar der semitischen Talente 1 ritten Ranges". In der Tagespresse hätten die Juden das Uebergewicht; der kleine Mann glaube daher, nur Juden schreiben Zeitungen und glaubte ihnen deßhalb nichts. Börne habe zuerst den eigenthümlich schamlosen Ton in die Journalistik eingeführt, „der über das Vaterland so von außen her ohne jede Ehrfurcht abspricht, als gehöre man selber gar nicht mit dazu, als schnitte der Hohn gegen Deutschland nicht jedem einzelnen Deutschen in's tiefste Herz". Ueberall müsse der Jude dabei sein. Jüdische Journalisten witzelten gegen das Christenthum; kaum war die Emancipation errungen, so habe man auf seinen „Schein" bestanden; „man forderte die buch« stäbliche Parität in Allem und Jedem und wollte nicht mehr sehen, daß wir Deutschen denn doch ein christliches Volk sind und die Juden nur eine Minderheit unter uus: wir haben erlebt, daß die Beseitigung christlicher Bilder, ja die Einführung der Sabbatfeirr in gewissen Schulen verlangt wurde". Verlohnt es sich wirklich der Mühe, diese Gehässigkeiten zu widerlegen? Grätz schreibt über Luther, daß er gepfefferte Briefe von Judenhaß strotzend geschrieben, daß Göthe und Fichte über das Vorurtheil des Judenhasses nicht hinausgekommen sind, Thatsachen, die deren Schriften beweisen und das wird nun zu einem „Todhaß" gegen die reinsten uad mächtigsten Vertreter des germanischen Geschlechts aufgebauscht, den nicht nur ein einzelner Fanatiker, sondern der größte Theil der Juden „gegen die deutschen Gojim" hegt. Das Semitenthum hat einen großen Antheil an dem Lug und Trug des Gründer-Unwesens, — als ob man nicht mit demselben Rechte behaupten könnte, daß das christl. Germanenthum an diesem Schwindel betheiligt sei. Hat die jüdische Firma, die mit gegründet hat, mehr Unrecht begangen, weil der Träger derselben ein Jude ist, als jene fürstlichen und adeligen Herren urgermanischen Blutes, von welchen der Jude La-sker ein Stückchen zu erzählen wußte? Und nur Juden sind es, die wuchern? unter Christen gibt es solche Ungeheuer nicht, das sind lauter Tugendspiegel, die vor einem solch' unsaubern Gewerbe zurückschrecken? Börne habe den Ton eingeführt, über Deutschland höhnend zu sprechen? — kennt Herr Treitschke so schlecht die Ltteraiur jener Zeit, in welcher sich Jeder, der einen Funken von Freiheitsgefühl in sich hatte, sich über die Jämmerlichkeit des „heiligen römischen

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