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Der Israelit · 1879-12-10 · Heft 50 (10.12.1879) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 50 (10.12.1879)
Date
1879-12-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erste öeilage zu tlr. 50 des Israelit. Leitender Artikel. „Unsere Aussichten*'. 8. DaS neueste soeben erschienene Heft der non Treitschke herausgegeben „ Preußischen Jahrbücher" enthält unter obigem Titel eme Abhandlung des genannten Herausgebers, in welcher derselbe die Weltlage, und was Deutschland von den gegenwärtigen Verhältnissen zu erwarten habe, einer nähereu Betrachtung unterzieht. Zum Schluß zieht er auch die „Judenfrage" in die Diskussion, und es scheint, als ob es ihm nur darum zu thun sei, feinen vielberufenen Ausspruch von den Schattenseiten der jüdischen Race, den er im verwichenen Sommer seinen Hörern vom Katheder herab zum Besten gab, zu commentiren. Treitschke gesteht zu, daß in den Bandbroschüren , die gegen das Judenthum geschleudert werden, genug des „Schmutzes und der Robeit" sei, fügt jedoch hinzu. daß man sich des Ekels nicht erwehren könne, wenn man bemerkt, „daß manche jener Bandschriften offenbar aus jüdischen Federn stamm n", da ja bekanntlich seit Pfefferkorn und Eisenmenger die geborenen Juden unter den fanatischen Judenfressern immer stark vertreten gewesen seien. Wir wollen es dem Herrn Professor durchaus nicht bestreiten, daß verkommene Subjekte, welche das Ebriftenthum mit offenen Armen ausgenommen hat, zur großen Freude derjenigen, die sie als ihre neuen, erleuchteten Glaubensgenossen begrüßt, und unter deren Protektorat die Feder gegen ihre einstigen Stammesbrüder geführt haben; ob aber in dem gegenwärtigen Streite nicht lauter urgermanische Hände den Todesstoß gegen die Juden versuchen, dürfte wohl nicht bezweifelt werden. Und wenn auch nicht, nun warum vergeudet die Mission so viel Zeit um einige erbärmliche Wichte zu fangen, die ihre Niedertracht ja recht deutlich dnrch Befeindung ihrer ehemaligen Glaubensbrüder beweisen? Wenn Herr Treitschke hier auch Eisenmengers erwähnt, so scheint er zu glauben. daß dieses Urbild aller Stöcker auch ein getaufter Jude gewesen sei, — als Geschichtsprofessor sollte Herr T. aber doch wissen, daß derselbe christlicher Protestant von reinstem Wasser gewesen. Man würde sich aber irren, meint Herr Treitschke, wenn man hinter der gegenwärtigen Bewegung gegen die Juden nur Pöbelroheit und Geschäftsneid suchen wollte. „Nein, der Instinkt der Massen hat in der That eine schwere Gefahr, einen hochbedenklichen Schaden des neuen deutschen Lebens richtig erkannt; eS ist keine leere Redensart, wenn man heute von einer deutschen Judenfrage spricht." Wenn wir nun fragen, worin denn die schwere Gefahr bestehe, die dem deutschen Volke von Seiten der Juden droht? so weiß Herr Treitschke nichts anderes vorzubringen, als was schon hundert Mal gesagt und mehr als hundert Mal widerlegt worden ist: er kommt so wenig über Marr hinaus, als dieser über diejenigen, die er copirt hat. Für einen Professor eine etwas zweideutige Ehre. Man dürfe aber — das ist etwas Neues — uns nicht mit Frankreich und England vergleichen, wo man mit einiger Geringschätzung von dem Vorurtheile der Deutschen gegen die Juden rede, in den dortigen Staaten lebe man in glücklichen Verhältnissen, die das Aufkommen der „Vorurtheile" unmöglich machen. Dort seien der Juden nicht so viele daß sie einen fühlbaren Einfluß auf die nationale Gesittung ausüben könnten. außerdem gehörten jene Juden zumeist dem spanischen Judenstamme an, der auf eine „vergleichsweise stolze Geschichte zurückblicke" , während die Deutschen an der Einwanderung der polnischen Juden zu leiden hätten. Jahr für Jahr dringe aus der unerschöpflichen polnischen Wiege eine Schaar „strebsamer hosenverkaufender Jünglinge" herein, deren Kinder und Kindeskinder dereinst Deutschlands Börsen und Zeitungen beherrschen sollen. Während nun die englischen, französischen und italienischen Juden in ihrer großen Mehrzahl gute Franzosen, Italiener und Engländer geworden seien, haben es die Deutschen mit dem polnischen Judenthum zu thun, „dem die Narben vielhundertjähriger christlicher Tyrannei tief eingeprägt sind; er steht erfahrungsgemäß dem europäischen und namentlich dem germanischen Wesen ungleich fremder gegenüber". Von einem Professor der Geschichte sollte man doch wenigstens Geschtchtskenntniß erwarten und nicht eine so bodenlose Uwissenheit, wie sie hier zu Tage gefördert wird. Der Herr Professor hätte wissen müssen, daß die italienischen Juden sehr

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