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Der Israelit · 1879-12-03 · Heft 49 (3.12.1879) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 49 (3.12.1879)
Date
1879-12-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1310 gezeigt, daß auch zur damaligen Zeit der Rabbiner mehr durch sein Beispiel zu wirken vermag, als durch bloße Worte. — Seine strenge Rechtlichkeit und Uneigennützigkeit, sein glühender Eifer ^für Religion und Judenthum, seine ungeheuchelte Menschenliebe, verschafften ihm sehr bald allgemeine Anerkennung. — Es dauerte nicht lange, uno sein Name wurde von den Juden ganz Europas mit Ehrfurcht genannt. — Aber auch bei den christlichen Mitbürgern erwarb sich dieser große Mann die höchste Achtung und ebenso bei der Vorgesetzten Königlichen Regierung und nicht minder bei allen Civil- und Militair-Beamten, mit denen er in Ausübung seiner oft von ihm selbst sich auferlegten Thätigkeit in Berührung gekommen. Im Jahre 1864 erhielt Herr Bamberger sel. vom Sekretariat Seiner Majestät des Königs im Allerhöchsten Aufträge ein Anerkennungsschreiben, eines desgleichen von der verwittweten Königin Marie; ferner im Jahre 1868 ein erneuertes Anerkennungsschreiben Allerhöchsten Ortes, und es hätte nur seiner Einwillung bedurft, so wäre er durch Verleihung eines Ordens ausgezeichnet worden. — Dies sind allgemein anerkannte Thatsachen, woran jetzt k in Mensch mehr zweifelt, und somit dürfte auch der unumstößliche Beweis geliefert sein, daß Rednertalent allein, keineswegs zum wahren Rabbiner stempelt. — Ich fordere alle Neologen auf, von ihren großen Rednern nur einen einzigen zu nennen, der nur annährende Resultate aufzuwetsen hätte, wie der sel. Herr Rabbiner Bamberger. — Welche Remltate haben die so gut besoldeten Rabbiner zu München, Augsburg, und Nürnberg durch ihre Vorträge erzielt? Etwa diese, daß selbst am rot? kaum j’JO die Synagoge besucht? Oder welches Resultat hat der Rabbiner der Hauptgemeinde zu Frankfurt a. M. mit einem Gehalte von etwa 10,00u Mark erzielt? Die Hauplgemeinde war genöthigt noch ein n eigenen uno zwar orthodoxen Rabbinen auszunehmen, da der fungirende neologe Rabbiner trotz der eingesührten Orgel und neuen Gebete nicht im Stande war, selbst am Samstage die gehörige Zahl Andächtiger in seinem Tempel zu versammeln; der gute Mann ist nun genöthigt, in rabbinischen Angelegenheiten fast unthätig zu sein und hat nur noch als Rabbiner seinen Gehalt zu verzehren. — Die Neologie hat schon vollständig Fiasko gemacdt, und dre Reformer erschrecken selbst über die Religionslvst.,keit, die sie geschaffen haben. Hüten wir uns daher davo , durch schöne Predigten allein uns bestimmen z lassen. — Es soll aber hiermit keineswegs gc ^gt sein, daß der Rabbiner nicht im Stande sein solle, einen guten: Vortrag zu halten. — Der sel. Rabbiner, Herr Bamberger, hat auch hierin ersprießliche Beweise geliefert, daß Worte,- die dem Herzen entspringen, auch Wege zum Herzen finden. — Sowie das Leben dieses großen Rabbiners nur der Religion und seinem Nebenmenschen geweihet war, so daß kaum ein einziger Trg verging . an dem er nicht segenbringend für die Menschheit gearbeitet hat wie dieses in dem Nachrufe theilweise in diesen Bläitern besprochen wurde, so war auch sein Tod ein ganz eigenthümlicher. — Mitten in seiner Gemeinde, die er trotz mancher Anfeindung so sehr liebte, auf demselben Platze, wo er täglich für das Wohlergehen seiner sämmtlichen Gemeinden inbrünstige Gebete zum Himmel emporsteigen ließ, beim Verlesen der heiligen Thora, in welcher er Tag und Nacht studirte und gerade beim Verlesen des Abschnittes über den heiligen Versöhnungslag, stieg seine reine Seele zum himmlischen Vater empor, ohne Kamps und ohne Schmerz, und kein Augenblick seiner Zeit in dieser Welt ging unbenützl vorüber. — Ich bin überzeugt, daß wenn sogleich eine Rabbinerwahl hätte stattftnd.'n können, ein r seiner Sohne, schon aus Dankbarkeit allein gewählt worden wäre, aber auch jetzt, nachdem diese Stelle über ein Jahr durch dessen Sohn, Herrn Nathan Bamberger, provisorisch verwaltet wurde, dürfte diese Dankbarkeit nicht erkaltet sein. Herr Nathan Bamberger, weicher die letzten 10 Jahre beständig ' die Rabdinatsgeschäfte bei seinem sel. Vater mitbesorgte, somit theoretisch und praktisch vollständig eingrweiht wurde, hat in dieser Zeit thatsächlich bewiesen, daß er befähigt und gewillt sei, genau in den Wegen seines großen Vaters fortzuwandeln. Daß es ihm auch gelingen wird, dafür sprechen seine bisherigen Leistungen ganz deutlich. Denn nachdem derselbe von Königlicher Regierung Vorstand der von seinem sel. Vater in's Leben gerufenen Ledrerb.ldungsanftalt ernannt wurde, ist es auch ihm gelungen die freiwilligen Gaden zur Bestreitung der Kosten dieser Anstalt auizubringen, so daß nach diesjährigem Rechenschaftsbericht, die sich auf 1.l000 M. belaufenden Ausgaben gedeckt wurden. — Ebenso hat er für un>ere armen und norhleivenden Glaubensbrüder in Jerusalem 250üU M. gesammelt; auch hat Herr Na'han Bamberger bei verichiedcnen Veranlassungen oft mit großem Beifall öffentliche Vorträge gehalten, so daß auch in dieser Beziehung jedes Bedenken gegen seine definitive Wahl wegfallen dürfte. — Aber nicht allein die Dankbarkeit fordert uns zu dieser Wahl auf, sondern sogar religiöse Pflicht, denn nach unserm Religionsgesetz hat

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