Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1879)
- Date
- 1879-11-26
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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1273 Einkommen zu verschaffen, daß sie ex oficio quasi zu D^mo sich ernannten! Und so wurde denn auf die falsche Angabe hin, daß bei des Laien Beschneiden nicht selten Unglücksfälle passiren, par Odre de Mufti das Verbot erlassen, daß die sonst wohl eingeübten oPmo nur bei Assistenz eines Arztes die Operation vornehmen dürfen, was aber trotzdem vielleicht nicht überall geschieht. ... Da indessen den betreffenden Aerzten hiermit nicht gedient ist, und das Publikum keine besondere Sympathien den ärztlichen Operateuren entgegenbrachte — so wurde so lange intriguirt, bis die Frage zu einer brennenden gemacht wurde und nun der Regierung zur Entscheidung vorliegt, ob es auch fernerhin Laien gestattet sein soll, die Operation zu vollziehen, oder nur Aerzten. Unser Gemeindevorstand verwahrte sich gegen die diesbezügliche Einmischung der Regierung. Wir lieben und loben es allerdings, daß unsere Regierung für unsere Kleinen schon so besorgt thut und finden es allerdings auch gerechtfertigt und nothwendig, daß eine Regierung überhaupt über das Wohl und Wehe ihrer Angehörigen in jeder Weise wache; aber da eS statistisch nachgewiesen, daß die Sterblichkeit bei den Kindern der jüdischerseits — zum Leidwesen der Jstöczi's und Consorten — größeren Fruchtbarkeit, viel geringer als bei andern Nationalitäten und Confessionen, und da es ferner bekannt ist, daß die jüdischen Eltern durchaus nicht gefühllos gegen ihre Kinder ... so dürfte unsere Regierung vollkommen und ohne jeden Scrupel den alten Usus schon gelten lassen .... Müßte und sollte aber auch diesbezüglich regiert werden, so würden wir Vorschlägen, daß von nun ab Keiner, der sich dieser Beschäftigung widmen will, diese Function eher beginne, bis er nicht einen dreimonatlichen Cours, der freilich hiefür erst geschaffen werden müßte, gehört, und hierüber erst, etwa gleich den Hebammen, diplomirt würde. Bis dahin aber möge es beim Alten bleiben, denn so wenig als die hohe Regierung der Kirche vorschreibt, wie viel Grad Wärme das Weihwasser habe, womit die zartesten Kinder getauft werden (bei den Wallachen werden dieselben ganz in kaltes Wasser, selbst bei dem härtesten Frost, gesteckt), so wenig möge sie vorläufig für unsere internen Angelegenheiten besorgt sein, weil — wir schon selber wissen, was uns noth thut! Uebrigens dürfte es vielleicht angezeigt sein, daß das Rabbinat sich der Sache annehme, wenn eS nöthig sein sollte. (Ung. Jsr.) R u w ä n i e n. Bukarest, 13. Nov. Die rumänischen Behörden machen den Israeliten bei der Ausfertigung der zur Erlangung des Jndigenats nöthigen Do-! cumente solche Schwierigkeiten und Chicane, daß ' selbst rumänische Zeitungen, wie „La Romania libera" und „Le Romanulu" darüber Klage führen. Man erzählt sich, daß manche Israeliten in Folge dieser überaus großen Hindernisse sich deßhalb veranlaßt sehen, gar nicht um die individuelle Naturalisation einzukommen. (Arch. isr.) Bukarest. Der Banquier Herr Abraham Halfon wurde zum türkischen Generalkonsul in Rumänien ernannt. Der Fürst von Rumänien hat diese Ernennung bereits bestätigt. Frankreich. Paris4 Vor Kurzem wurde dahier eine neue wohlthatige Stiftung in's Leben gerufen. Man hat nämlich eine sogenannte „Heimathstätte" für unvermögende israel. Studenten und Arbeiter gegründet. In derselben wird diesen jungen Leuten ein Bett in einem gesonderten Zimmer zu einem ganz mäßigen Preis gestellt. Außerdem ist ein großer Saal, mit einer Bibliothek versehen, vorhanden, in welchem jedem der Beneficianten der Aufenthalt gestattet ist. (Arch. Jsr.) Oesterreichisch-Ungarische Monarchie. Aus GaNzieu. Kurz vor dem Schluffe des Jahres 5639 hat die Gemeinde Tarnopol und mit ihr das Gesammtjudentham einen schweren Verlust erlitten. Der berühmte Rabbiner jener Gemeinde pon pitn 'ino n"t£0 pmion jiwn mn ist am 1. Selichottage im 43. Lebensjahre dem Erdenleben entrückt, um in den reinen Höhen, wie der Größten und Erleuchtesten Einer, zu weilen. Der Verblichene hatte trotz seines jugendlichen Alters es doch bereits zu einer autoritativen Stellung gebracht und zu den ersten Rabbinen Gal. gehört. Sein tiefdenkender genialer Geist erstreckte sich schöpferisch zuerst über die weiten Gebiete beider Talmuds und die damit verbundenen gutachtlichen Novellen, auf viele rituelle Anfragen, aber auch auf die ethischen und metaphysischen Probleme, die er in seinen eingehenden Vorträgen behandelte wie publizistisch und schriftstellerisch wunderbar classischer hebräischer Diction weiteren Kreisen zuführte. Bereits edirt