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Der Israelit · 1879-11-26 · Heft 48 (26.11.1879) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 48 (26.11.1879)
Date
1879-11-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1271 einen treuen Gatten und liebevollen Vater, seine Nebenmenschen einen theilnehmenden Berather und Heller. Möge der Vater der Wittwen und Waisen Trost senden in die Herzen der tiefdetrübten Wittwe und trauernden Kinder. I. R. Mannheim, 27. Oct. Gestern hielt, wie die „N. B. L. Z." berichtet. Prediger Karl Scholl von Heidelberg vor der hi-sigen freien Gemeinde einen Vortrag Über die „Weltmission des Juden- Ihums". Redner hatte gerade jetzt dieses Th.ma zum Gegenstand seines Vortrags gewählt, wo die unsinnigsten Angriffe in Wort und Schrift gegen das Judenthum gerichtet werden. und da hier in Mannheim so viele Israeliten schon seit Jahrzehnten mit ihren Mitbürgern anderer Confessionen brüderlich zusammen gewohnt und gewirkt hätten, könne man gerade hier diese Hetzereien nicht stillschweigend über sich ergehen lassen. Jetzt, wo sich sogar ein königlicher Hofprediger in Berlin an die Spitze der Hetzer stelle, wo eine „Antisemiienliga" gebildet worden sei, halte er es für Pflicht, sich eingehend über diese Frage auszusprechen. Die Borwürfe, welche man den Juden jetzt hauptsächlich mache, Schacher - und Wuchergeist, schwindelhafte Spekulationen, Großthun und Zuschautragcn von Reichthum, Anmaßung und Frechheit, dieses finde sich bei den einzelnen Andersgläubigen ebenso wie bei den einzelnen Juden und öfters roch in hervorragenderer Weise als bei diesen. Ferner sei der weitere Vorwurf, daß die in den Händen von Juden befindlichen Zeitungen feil und bestechlich seien, ebenso zutreffend für die Reptilienpresse; doch auch hier könne man nur von Ausnahmen reden, welche leider nicht wegzuleugnen seien. Daß die Juden von jeher sich mehr den Handels- und Geldgeschäften zugewendet hätten und nur selten in neuerer Zeit die Landwirthschast, den Ackerbau und bürgerliche Gewerbe ergriffen, habe seinen historischen Hintergrund und datire aus jenen Zeiten, deren Abschluß gar nicht so fern liege, wo man die Juden unterdrückt und an der Ergreifung von bürgerlichen Gewerben gehindert habe, wodurch sie naturgemäß auf Handelsgeschäfte angewiesen gewesen seien. Das traurigste Zeichen, welches bei den heutigen Hetzereien zu Tage trete, fei aber das, daß der Beweggrund zu denselben nicht in den den Juden zum Vorwurf gemachten schlechten Eigenschaften zu suchen sei, sondern in relrgiösem Vorurtheil und gemeinem Neid und Mißgunst. Wie wenig aber die Juden ein derartiges Vorgehen, abgesehen von der Schändlichkeit dieser Hetzereien, verdienten, gehe aus dem weltgeschichtlichen Verdienst hervor, welchesich die Juden nicht nur durch Hebung von Handel und Verkehr, sondern vor Allem in religiöser Beziehung erworben hätten. Wegen der Kürze der Zeit bedauert Redner, nicht auch die Verdienste der Juden um die Culturent- Wickelung, besonderin Deutschland, ferner daS bei den Juden so heilig gehaltene Familienleben, den Einfluß derselben auf den großen Weltverkehr und weitere Vorzüge näher schildern zu können, und richtet schließlich an die jüdischen Mitbürger die Bitte, die schmählichen Hetzereien nur als vorübergehend zu betrachten, da eine solch mittelalterliche, verächtliche Bewegung in unserer aufgeklärten Zeit rasch wieder verschwinden müsse. Er schließt mit dem Wunsche, daß bald die Zeit kommen möge, wo die Anhänger verschiebener Confessionen alle unter dem gemeinsamen Banner der Brüderlichkeit, Menschenliebe und Humanität vereinigt würden. Hamburg, den 21. Novembrr. Ein schreckliches Brandunglück ereignete sich gestern Nachmittag in der Wexstraße 21, dem leider mehrere Menschenleben zum Opfer fielen. Nachdem gegen 5 Uhr die Nachbarn und Vorübergehenden einen dumpfen Knall vernommen hatten, stand bald darauf das Innere des Hauses in hellen Flammen. Im Hinterzimmer des Pelzwaarenlagers von Augner soll eine Petroleumlampe explodirt und hierdurch eine Gasexplosion veranlaßt worden sein. Vom Parterre, welches sofort in Flammen gerieth, theilte sich das Feuer mit rasender Schnelligkeit durch das Treppenhaus sämmtlichen Etagen mit. Als die Bewohner die Treppen in Brand sahen, entstand eine große Verwirrung. Mehrere stürzten sich aus dem Fenster Hinab, Viele wurde» gerettet, doch sind dieselben meistens verletzt. Im Ganzen werden 10 Personen vermißt: nämlich Wittwe Levy und 2 Kinnder. eine Nichte oder Tochter des Schlächters Windheim, die dort zum Besuch war, ein Kind des Weinhändlers Bube, welches sich bei Bewohnern der zweiten Etage zum Besuche befand, drei Mädchen von H. I. BehrenS, ein Dienstmädchen und eine Frau, welche in geschäftlichen Angelegenheiten bei den Bewohnern der dritten Etage war. Die aufgefundenen Leichen sind völlig unkenntlich. Das Haus ist vollständig ausgebrannt, auch Nebenhäuser sind theilweise erheblich beschädigt. Gegen zehn Uhr war jede Gefahr beseitigt. Leipzig. Die Verlagsbuchhandlung von Otto Schulze versendet eine Einladung zur Subscription auf eine Bibliotheca rabbinica, eine Sammlung der ältesten Midraschim zum ersten Male in

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