Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1879)
- Date
- 1879-11-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XX. Iah & Zw eilagt;» Ur. 46 -es Israelit. & Citcnbet Artikel per cSrfofg der Hutachten über das Wreslauer AaMner-Seminar. Von r. iv. Besonders verhängnisvoll wird der Erfolg dieser Gutachten sich in der fernem Frequenz des Seminars zeigen. Unter seinen Hörern, die sich schon beute größtentheils aus Russen, Polen und Utu;arn recrutiren, wird das deutsche Element immer spärlicher und spärlicher werden. Die Ungarn, die in Pesth nunmehr eine zweite Auflage des Breslauer Rabliinerjeminurs besitzen, haben ohnedies nicht mehr nöthig, iu'ä Ausland zu gehen, um Reformrabbiner zn werden. Sie können dies leichter und billiger tlu Harr.e haben, da das Pesther Rabbiner.Seminar wenigstens materiell gut gestellt ist. Die Russen und Polen, die vielleicht von Hause aus noch etwas jüdische Wissenschaft mit° bringen, werden sich hüten, sie fernerhin an einem Seminar zu vergessen, das nunmehr in einen solchen Verruf gerathen ist. Ihr in solchen Sächen sicherer Jnsiinct läßt sie leicht herausfühlen, daß sie dabei ihre Rechnung nicht finden. Deutsche Jünglinge aber, die leider in der Regel nur selten Gelegenheit haben, eine genügende jüdisch-wissenschaftliche Vorbildung mit in's Seminar zu bringen, denen also das Breslauer Rabbiner- Seminar oft noch die ersten Rudimente derKenntniß der rabbinischen Literatur beizubringen hat, deutsche Jünglinge, die aus innerem Antrieb und religiöser Begeisterung den dornenvollen Rabbiner- Beruf wählen, deutsche Jünglinge, die wirklich für diesen Beruf begeistert sind, können nicht für eine Pflanzstätte jüdischer Wissenschaft begeistert sein, wie sie in dem Gutachten dargesiellt wird. Was sollten auch deutsche Jünglinge, die m?n lernen wollen, an einer Anstalt, die es trotz allen Lauirens und Verhandelns nicht fertig gebracht hat, einen Mann zu finden, der diesen ersten unerläßlichsten Unterricht ertheilt! Was sollten auch von der Wahrheit und Göttlichkeit der Thora durchdrungene Jünglinge an einer Anllalt, deren Gründer und deren noch gegenKär-! tiger Leiter die Verbindlichkeit und Göttlichkeit der I Thora durch Wort und That, durch ihre Lehre i und ihr Beispiel leugnen! Diese Leugnung ist heute doch leider so allgemein , daß man nicht erst ein Seminar zu besu-; chen braucht, um ne sich anzueigncn. Daß eine Anstalt zur Heranwlkung von Rabbinen von sol- : chen Principren getragen sein soll, wie es bei dem Bresst.uer Seminar der Fall ist, ist ja an und für sich?o widersinnig, daß es nur einmal unverblümt : ausgesprochen zu werden brauchte, um den Stab über diese zum Princip erhobene Principienlongkeit zu brechen. So lange ein Frankel an der Spitze; dieser Richtung stand, mochte der Klang dieses! Namens genügen, um diesen von ihm intonirten j Mißton zu übertönen. Der Gedankenlosigkeit we- . nigsuns genügte diese Flagge, um die Eont ebande S un'.ca. standet ein schmuggeln zu lassen, welche sie j deckte. j Aber heute, wo man Frankel's religiöse Ge-! sinnung nach seinen Schülern zu beurtheilen in der j Lage ist, hat die Täuschung ihr Ende erreicht.! Man müßte eben blind sein, um sich durch das! u-y Vip über die nry’T hinwegzusetzen. Der von I Haus aus dünne Mantel des Frcmkel'schen Conj servatiemus ist bei den Jüngern so fadenscheinig j geworden. daß der Schalk aus allen Ecken und! Enden heraussieht. Aus einer solchen Anstalt als; Rabbiner bervorgegangen zu sein, ist sicherlich kein I so großes Unrecht als überhaupt hingegangen zu; sein. Es wäre immerhin möglich, wenn auch nicht; wahrscheinlich, daß ein junger Mann, der sich schon vorher das nöthige Maaß von jüdischem Wissen; und jüdischer Gesinnung angeeignet, seiner Ueberzeugung selbst in einer solchen Anstalt treu bliebe, und sie y:sn yw ^3 verlasse. Aber unverantwortlich bliebe ein so gewagtes Spiel immer, auch beim glücklieststen Ausgange. Ein junger Mann, der seine heiligsten religiösen Ueberzeugungen solcher; Gefahr aus setzt, konnte bis jetzt immer noch als Entschuldigung für diese frevle Wagniß anführen, daß er die Gefahr in ihrer ganzen Größe vorher i nicht gekannt und sie deßhalb auch nicht gemieden habe. Heute wo durch die Gutachten das Breslauer Semurac in seiner wahren Gestalt in öffentlichster j Oefsentlichkeit gezeichnet ist, wird kein junger