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Der Israelit · 1879-11-12 · Heft 46 (12.11.1879) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 46 (12.11.1879)
Date
1879-11-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1228 gegenbringen, oder sollten Sie mich kennen? ich bitte mir dies ganz offen zu sagen." „Ich wüßte nicht wie dies möglich sein sollte", entgegnete Bollwitz, den das etwas allzuselbstbewußte Auftreten des jungen Patrimonialbeamten doch verletzte, „ich habe Sie ja nie gesehen; wir verkehrten wohl jeder in einem andern Kreise." „Das glaube ich selbst", lautete die Antwort und eine ernste Falte auf der Stirne des jungen Marines bewies, daß auch ihm die aristokratischen Allüren des Fähnrichs mißfielen; aber jetzt bemerkte er plötzlich, daß Bollwitz nur einen Arm besaß, und mit warmer Theilnahme und in völlig verändertem Tone sprach er: „Pardon, ich sehe, Sie haben gedient, für das Vaterland geblutet, diesem ein großes Ovfcr gebracht, — darf ich um Ihren Namen bitten?" Die lebhafte Ansprache machte auf den Fähnrich einen versöhnenden, freundlichen Eindruck und er erwiderte: „Theodor Ritter von Bollwitz, Fähnrich außer Dienst." „Ich setze voraus, Sie haben Ihren Arm auf dem Vchlachifelde verloren, darf ich vielleicht erfahren. wo das geschah?!" „Mein lieber Herr Graf", entgegnete der Fähnrich lächelnd, „ich hoffe, wir werden später noch so oft zufammevkommen, daß sich daun schon Gelegenheit finden wird. Ihnen das Gewünschte ausführlich mitzutheilen! Sie mögen wohl einen Verwandten bei der Armee haben, daß Sie sich so lebhaft für derartige Dinge Lntc-ressiren; — aber Sie flößen mir in der Tbat Sympathie ein — sans phrascs — welchen Grund hätte icü auch zu solchen? — und da würde ich Ihnen doch ratben die Geduld meines Vetters auf leine gar allzuharte Probe zu stellen., und nun nicht länger zu zögern, sich ihm mit gebührender Entschuldigung vorzustellen." Der neue Oberamtmann schien eine höchst leichtsinnige Natur zu besitzen, Dollwitz Worte blieben cindrucklos, und ein leichtes Lächeln huschte über seine Züge als er sagte: „Zu dieser Vorstellung komme ich noch immer zeitig genug, und ich bitte Sie vollkommen überzeugt zu sein, daß ich jede Verantwortung für mein spätes Erscheinen mit voller Beruhigung übernehme. Sie können versichert sein, daß mich Ihr Bericht bei Weitem mehr interessirt und ich bitte Sie nochmals dringend, mir mitzutheilen, wo Sie Ihren Arm verloren haben." „Ich werde mich, um Ihren zu so unpassender Zeit ausgesprochenen Wunsche zu willfahren, so kurz als möglich fassen", entgegnete Bollwitz ungeduldig. „Es war am 18. Juni 1757 in der Schlacht bei Kollin, ich stand als Fähnrich bei de Iü§ne-Drag onern. Feldmarsch all Daun hatte zu unserem Negimente, meistens junge Leute und Neuangeworbene, die das Erstemal im Feuer standen, kein Vertrauen, und hatte uns zur Unthätig-- keit verurtheilt. Das Feldherrntalent und der Scharfblick unseres großen Gegners König Friedrich hatte sich auch diesmal bewährt, trotz Wunder der Tapferkeit, die unsere Infanterieregimenter verrichteten, hatte er diese doch nach mehrfachen Angriffen zum Weichen gebracht, und einen Augenblick schien es, als wenn die Schlacht verloren wäre; in diesem kritischen Momente näherte sich unser Obrist dem FeGmarschall und bat dringend um die Erlanbrüß mit seinem Negimente arrgreifen zu dürfen. Ah — vous avcc vö3 bec blancs J) hatte der Feldmarschall achfrlzuckeud geantwortet, aber doch die erbetene Erlaubniß ertheilt. Der Obrist hielt nun eine kurze feuri.:e Anrede an uns und mit dem Schlachteurufe für „Kaiserin und Vaterland!" stürmten wir dem Feind entgegen, — daß unser Angriff gelang und -.vir über den größten Helden Europa's einen vollständigen Sieg errangen, ist bekannt!" „Aber Ihr Arm?" frag der junge Mann lakonisch. „Ich trug die Fahne voran, im Wildesten Handgemenge wollte mir -.-in preußischer Kürassier dieselbe entreißen, ich deckte sie mit meinem linken Arme, er hieb mir L!m ab; — aber die Fahne harte ich doch gerettet!" „Sehr brav, sehr schon — was un.vbe Ihnen für Ihre Heldcnthat! haben Sie den Maria Theresiaorden erhallen? der wurde ja zu Ehren dieses glorreichen Sieges gestiftet." Bollwitz seufzte. ,/iHatt fand, daß ich zum Dienste untauglich sei; — ich wurde mir einer kleinen Pension entlassen; — ich danke es nur der Güte meines Vetters, Ihres Patrons, Laß ich hier im Schlosse sorgenlos leben kann." „Ihnen ist Unrecht geschehen — haben Sie sich denn nicht an den Hosgerichtsrath, oder direkt an die Kaiserin gewendet?" „Ich habe ja nur meine Pflicht erfüllt, und wir Huben bei Kollin trotz des glänzenden Sieges große Verluste erlitten, neuntausend Mann verloren — ich bin ja nicht der Einzige, ich habe viele Leidensgefährten." Voll! ihm wird um e veral wonr denn sage, und Ihne soll - also die b Distc UNd der £ Rose einer Gras bei Z soll glaub Glock wenn mir c nun.:, Herr 1) Sie mit Ihren Getbsebnäbeln! — das Regiment, dessen Inhaber noch in demselben Jahre der Feldmarschall Tann wurde, behielt von dein Tage an, das sonderbare Privilegium, dah Niemand in demselben einen Schnurrbart trug! Jetzt führt es für ewige Zeiten den 'Namen Fürst Windischgrätz-Dragoner. kosche dere i zu ha 3192]

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