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Der Israelit · 1879-10-29 · Heft 44 (29.10.1879) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 44 (29.10.1879)
Date
1879-10-29
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1186 Alts Sachsen, 21. Oktober. Stöcker's Weizen beginnt auch bei uns zu blühen. Dresden macht den Anfang. Dort, wo die jüdische „Einwanderung", seitdem man den Israeliten die Gleichberechtigung ertheilt, besonders stark ist, hat sich unter der Aegide des Blumenfabrikanten Pinkert ein „Deutscher Reformverein" gebildet, der sich an das Programm der Berlinischen „Anti-Semiten- Liga" anlehnt, aber wesentlich radikaler als diese sich geberdet. Der grimmige Blumene-zeuger, dessen Judenhaß, wie man munkelt, sehr p osaischen, um nicht zu sagen, egoistischen Motiven entsprungen sein soll, verlangt, daß den Juden sämmtliche Rechte genommen werden, die sie besitzen, und daß Deutschland das Land Palästina erwerbe oder erobere, um die Juden dorthin zu treiben. Vielleicht treten die wohlhabenden Juden Dresdens zusammen und vermitteln dem genialen Judenvertilger eine Freistelle auf dem Sonnenstein, der ja schon manchem kranken Gemüth Heilung gebracht hat. Schweiz. Basels, 20. Oktober. Während in Deutschland ein Hofprediger Stock r von der Kanzel herab seine Judenhetze in Bewegung setzt und man dort dem semitischen Element den Krieg erklären will, huldigt die Schweiz, wo früher die Juden viel zu dulden hatten, der reinsten Toleranz. — So wirken an den Universitäten und Academien in Bern, Genf, Zürich und Neuchatel eine Anzahl von Juden als hochangesehene und anerkannte Professoren. — Der hohe schroeiz. Bundesrath betraute erst jüngsthin einen Juden, Herrn Jaques Dreifuß, mit einem der wichtigsten Vertrauensämter beim hohen eibgenössigen Handels- und Ackerbaudepartement. — In Biel, wo früher kein Jude wohnen durfte, ist nun ein Glaubensgenosse, Herr Max Guggenheim, als erster Stadtrath gewählt worden. Als vor einigen Tagen in Luzern im „Grand Hotel National" eine große Versammlung der hervorragendsten schweizerischen 'Industriellen, Kaufleute, Magistrate re. zur Besprechung einer Zoll- und Handelsconvention mit Frankreich tagten, bei der auch der berühmte Nanonalökonom Graf de Molinart sich betheiligte, da war es ein Jude, Herr Emil Dreyfuß aus Zürich (Sohn des um das schweizerische Judenthum viel verdienten Marcus Dreyfuß , der mit dem Präsidium beehrt wurde und die distinguirte Versammlung trefflich und zur allgemeinen Befriedigung der Anwesenden leitete. Die Versammlung, die sich als Verein zur Beförderung des schweizerisch-französischen Handels zu constituiren beschloß, wählte unter ersten Industriellen, wie Rieter-Tenner, vom Hause Riet?r & Comp, in Winterthur, Oberst Weber-Disteli in Luzern, Nationalrath Bücher, Georg Kiefer in Basel, I. Spörry (großes Haus in Seidenstoffen), auch zwei Juden, nämlich Herrn Emil Dreifuß (der die Notiz führte) und Charles Dreyfuß in Zürich. R u w ä n i e n. Bukarest, 25. October. In der heutigen gemeinsamen Sitzung beider Kammern verlas der Minister Cogolniceanu eine Boschaft des Fürsten, durch welche die Revisionskammern in gewöhnliche legislative Kammern umgewandelt werden. Im Senate brachte darauf der Kriegsminister einen von einer Namensliste begleiteten Antrag ein, wonach gemäß dem Revisionsgesetze das Jndigenat en bloc allen Israeliten zuerkannt werden soll, welche an dem Unabhängigkeitskriege theilgenommen haben. Dadurch erlangt das neue Gesetz die erste Ausführung. Nachdem die Dringlichkeit beschlossen worden, zogen sich die Sectionen desSenats zur Berathung zurück. Heute Abend wird die Sitzung wieder ausgenommen werden. Seit Votirung des Revisions- Gesetzes durch die Kammer gehen verschiedene Naturalisationsgesuche ein. Die hervorragendsten in Rumänien wohnenden Israeliten sollen j die ersten sein, welche sich den Verpflichtungen des neuen Gesetzes unterwerfen. Bukarest, 25. October. Nach der heute Abend erfolgten Wiederaufnahme der Senatssitzung gelangte der Bericht über den Entwurf der Gewährnng der Naturalisation an alle Israeliten, welche bei den Fahnen gedient, zur Verlesung und wurde hieraus der Entwurf ohne Debatte mit 33 gegen 3 Stimmen angenommen. Zwei Senatoren enthielten sich der Abstimmung. Die Liste umfaßt alle Israeliten, welche in der Liste des ursprünglichen Regierungs- Entwurfes figurirten, mit Ausnahme von zweien. Das gegenwärtige Gesetz befreit die neuen Bürger von der Zahlung der 200 Francs betragenden Taxe des Naturalisatlonsdiploms. Die Deputirtenkammer war nicht beschlußfähig.! r (i r < s Z C i b 1 f

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