Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1879)
- Date
- 1879-10-22
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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1166 Aus Hessen-Darmsta-t, 8. Oft. Im Frühd. I. wurde den Abiturienten der israelitischen Konfession an den Präparandcnanstalten zu Lich und Wöllstein eröffnet, daß ihrem Eintritte in ein Schullehrer- Seminar zwar nichts im Wege stehe, daß sie zur Zeit aber israelitischen Religionsunterricht im Seminar nickt erhalten und auf Verwendung im öffentlichen Schuldienste nach ihrer Entlassung nicht mit Sicherheit rechnen könnten. Diese öffentlich bekannt gewordene und Aufsehen erregende Erklärung veranlaßte den Abgeordneten Otto Wolsökehl zu einer Interpellation in der zweiten Kammer, welche von der Regierung dahin beantwortet wurde: Israelitischer Religionsunterricht laßt sich blos an dem projektirten Seminar in Alzev durch den dortigen Rabbiner erinöglichen. Bis jetzt war eS nicht möglich, sammtliche israelitischen Schulamtsaspiranten im öffentlichen Schuldienst zu verwenden, da blos drei israelitische Konsessionsschulen bestehen; der verschwindend kleine Bruchtheil israelitischer Schüler an ^»imultanschulen ermöglichte es nur in wenig größeren Orten., israelitische Lehrer zu verwenden. Nach dem Volksschulgesetz ist nämlich bei der Wahl der Lehrer auf die Größe der einzelnen Konfessionsgemeinden wesentliche Rücksicht zu nehmen. Da hiernach durch die vorhandenen Lehrkräfte der Bedarf voraussichtlich aus eine längere Reihe von Jahren gedeckt ist, so galt cs die jüngeren, Leute vor der entscheidenden Wahl des Lebensberuss aus die geringen Chancen im Schuldienste aufmerksam zu machen. Für die Israeliten sind damit die wachgewordenen Befürchtungen beseitigt. Oesterr. - Ungarische Monarchie. Wien, 2. Oct. Das „Extrablatt" schreibt: Das Studium der Klassiker, so behauptet man, macht die Menschen aufgeklärter. Eine Thatsache, die wir aus einem Gymnasium im ersten Bezirke Wiens erfahren, ist nicht geeignet, die Richtigkeit dieses Satzes zu erweisen. Bekanntlich feierten die Israeliten am letzten Samstag den langen Tag und die Besucher mosaischer Konfession des beregteu Gymnasiums blieben, wie natürlich, an diesem Tage dem Unterrichte fern. Als nun diese Kinder am nächsten Schultage sich in den Lehrsälen einfanden, stellte einer der Lehrer dieselben nicht nur wegen ihres Ausbleibens an jenem Tage zur Rede, sondern erklärte denselben auch, daß sie eine Prüfung ablegen müßten über jene Gegenstände, die er am Versöhnungstage vorgetragen habe. Natürlich konnten die Kinder diese Prüfung nicht bestehen und der seltsame Pädagoge beeilte sich, denselben schlechte Noten anzusetzen. Konfessionelle Engherzigkeit nimmt sich niemals gut aus, ganz besonders aber in diesem Falle nicht, wo es sich um eine Lehranstalt handelt, deren Schülerlade erst vor ganz Kurzem von den israelitischen Herren Baron Königswarter und Ritter v. Gutmann Spenden im Betrage von 2000 fl. resp. 1500 fl. zugewiesen wurden. Die Direktion des in Rede stehenden Gymnasiums sollte sich mit dieser Angelegenheit beschäftigen. Frankreich. — Paris. Der-diplomatische Agent Rumäniens, Herr Callimaki Catorgi, hat als Antwort auf den bereits mitgetheilten Brief von Cremieux wegen den rumänischen Israeliten ein Schreiben an den „Temps" gerichtet, welchem wir folgende Stelle entnehmen: Es ist nicht möglich, die leidenschaftliche Kritik, welche Herr Cremieux in einem vorgestern veröffentlichten Briefe an den jüngsten Vorgängen in Rumänien übt und denen das Ansehen und die hohe Stellung des Verfassers ein besonderes Gewicht verleiht, unwiderlegt zu lassen. Schon lange führt Herr Cremieux gegen Rumänien einen Feldzug. dessen Ende noch nicht nahe scheint. Vielleicht muß man sogar gestehen, daß diese Haltung des Präsidenten der Alliance Jsralit« nicht wenig dazu beigetragen hat, die Schwierigkeiten der in Rede stehenden Frage zu vermehren; denn einer der stärksten Vorwürfe, welchen die Rumänen den Juden machen, ist der, daß sie sich von einer! derjenigen des Landes feindlichen Autorität leiten lassen. Sie machen ihnen ferner den nicht minder begründeten Vorwurf, in der Darlegung der zahlreichen Beschwerden, welche sie über ihre Lage in Rumänien Vorbringen, der Wahrheit zu nahe zu treten. So allein erklären sich offenbar auch die Jrrthümer in der langen Liste der gesetzlichen Beschränkungen, denen die Glaubensgenossen des Herrn Cremieux, wie er behauptet, bei uns unterliegen. Ich bin bereit, im Widerspruch mit den ohne Zweifel auf nicht kontrolirten Berichten beruhenden Angaben des Herrn Präsidenten der Alliance zu beweisen, daß die Israeliten auf dem flachen Lande permanentes Wohnungsrecht haben, vielen Grund und Boden als Pächter bewirthfchasten, in vielen Gemeinden auch den Octroi gepachtet haben, überall WirthShäuser und Branntwemschenken führen, in den meisten Städten der Moldau über die Hälfte der Häuser und sonstigen Grundstücke besitzen, an den öffentlichen Feilbietungen theilnehmen, Professoren, Aerzte, Apotheker sind und von anderen Gewerben alle diejenigen üben, die ihnen erlaubt, und selbst diejenigen, welche ihnen nicht erlaubt sind. Wahr ist nur (!), daß sie bisher keinen ländlichen Besitz und ferner auch nicht die staatsbürgerlichen Rechte erwerben können.