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Der Israelit · 1879-10-22 · Heft 43 (22.10.1879) · page 25

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 43 (22.10.1879)
Date
1879-10-22
Page
– (sequence 25)
Language
German
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XX. Jahrgang. °) Dritte Leilage;n Ar. 43 -es Israelit. Zeitungsnachrichten Jif Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, 19. October. Heute besuchte UNS auf der Rückreise nach seiner Heimath der Schriftsteller Herr A. M. Luncz aus Jerusalem, bekannt durch sein vor vier Jahren erschienenes D’Ttt'n’i p'L nn^nj, welches Werk von 15 Zeitschriften Europa's und Amerikas lobend besprochen wurde. Herr L. war eines Augenleidens wegen nach Europa gereist und hatte sich in Wien einer mehrmonatlichen abes leider erfolglosen Kur unterj worfen, denn derselbe ist fast ganz erblindet. Um seine Thätigkeit als Schriftsteller selbständig und mit Erfolg fortsetzen zu können, hat er im Wiener Blindeninstitut nach Art der Blinden schreiben und lesen gelernt. Herr Luncz, der sich seit Jahren sp. ciell mit der Topographie Palästinas beschäftigt, beabsichtigt von nun an ein Jahrbuch nebst Kalender herauszugeben, welches vieles Wissenswerthe für jeden Juden, speciell aber über den Zustand des heiligen Landes und seiner Bewohner enthalten soll. Der Kalender und der wesentliche Theil des Jahrbuches sollen in gewählter deutscher Sprache, einzelne Aufsätze in hebräischer Sprache erscheinen. Hervorragende jüdische Gelehrte haben dem Verfasser ihre Mitarbeiterschaft zugesagt. Das uns vorliegende Programm verspricht einen reichhaltigen interessanten Inhalt. Dem Verfasser fehlen aber die Mittel zur Drucklegung seines Werkes, von dessen Ertrag er sich und seine Familie zu ernähren hofft. Der unglückliche und schwerheimgesuchte Mann verdient nicht blos wegen seiner literarischen Wirksamkeit, sondern auch schon um seines traurigen Geschickes willen ein theilnehmendes Wohlwollen. Wir glauben, daß es nur dieses Hinweises bedarf, um die Freunde der jüdischen Literatur und wohlthätige Glaubensgenossen zu veranlassen, Herrn Luncz behufs Herausgabe seines Jahrbuches kräftig zu unterstützen. Die Expedition des „Israelit" ist gerne bereit, Gaben für den Verfasser in Empfang zu nehmen. Berlin. Nach hiesigen Zeitungen hat betreffs des Auftretens des HofpredigerS Stöcker die Repräsentantenverfammlung der hiesigen iSr. Gemeinde sich dahin schlüssig gemacht, durch den! Mund eines hochangesehenen, auch in der städtischen Verwaltung verdienstvollen Vorstandsmitgliedes in persönlicher Audienz dem Kaiser die Sachlage vorzustellen und von dieser Stelle die Jnhibirung dieser den Frieden der Bevölkerungsklassen gefährdenden Agitationen, die sich am wenigsten für einen Hofprediger geziemen, zu erbitten. Frankfurt a. M., 19. October. In der verflossenen Nacht wurde ein Mann ans diesem Leben abberufen, der es verdient, daß ihm in diesen Blättern ein Nachruf gewidmet werde. Herr vr. Adolph Ionas ist nicht mehr! Der Heimgegangene entstammte einer durch Reichthum und Bildung hervorragenden, jüdischen Familie zu Berlin, die aber der Beobachtung der jüdischen Religionsgesetze vollständig entfremdet war. In Folge dessen erhielt der Knabe eine durchaus unjüdische Erziehung. Umsomehr ist es anzuerkennen, daß der Verewigte als Mann, nachdem er auf Gymnasien und Universitäten — er war juris utriusque doetor — eine umfassende Bildung erworben, ein treuer Anhänger des Judenthumr wurde und Gottes heilige Gesetze sorgfältig beobachtete. Herr Or. I. hat sich niemals um eine Advocatur oder ein Richter-Amt beworben. Seine reichen Mittel erlaubten ihm, unabhängig zu leben und durch große Reisen seine Bildungstriebe zu genügen. Auf diesen Reisen, auf welchen ihn seine edle, durch Geist, Schönheit und Tugend hervorragende Gemahlin 'r.a? begleitet, und die ihn manchmal in Gegenden führten, in welchen keine Juden leben, hat er häufig dem jüdischen-ReligionSgesetze große Opfer gebracht, was umsomehr hervorzuheben ist, da er doch von.Jugend auf daran gewöhnt gewesen, unjüdische Speisen zu genießen. Wir wollen auch hinzufügen, daß der Verewigte stets eine offene Hand für die Armuth hatte, und daß er mitleidsvoll bemüht war, die Thränen der Bedrängten zu trocknen. Ein liebevoller, zärtlicher Gatte, ein sorgsamer, aufopfernder Vater, liebte er, nachdem ihn Gott nach anfangs langer kinderloser Ehe Vaterfreuden geschenkt, fast ausschließlich seine Familie, und suchte seinen Kindern eine religiöse Erziehung zu geben. — Möge der allgütige Gott die trauernde Wittwe und die vaterlosen Waisen trösten! .W'sV'p.

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