Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1879)
- Date
- 1879-10-22
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1160 Wird, den Dank aus für fein aufopferndes, thatiges Wirken. Wir wünschen im Interesse der guten Sache, dem israelitischen Speiseverein auch ferneres Ge» Leihen. Möge er sich stetig fortentwickeln, den Bedürftigen zum Segen! H. Breslau, 13. Oct. Der „Breslauer Zeitung" wird von hier geschrieben: In der Haupt- und Pfarrkirche hielt Herr Kirchen-Jnspeetor, Pastor prim. vr. Späth, die Sonntags'Amtspredigt über das Evangelium Matthäus, Kapitel 22, Vers 34, über die vornehmsten Gebote: „Du sollst Gott lieben Deinen Herrn, und Du sollst Deinen Nächsten lieben als Dich selbst." Hierbei nahm der geehrte Redner Gelegenheit über die gegenwärtigen scandalösen Agitationen gegen unsere jüdischen Mitbürger zu sprechen. Er äußerte sich ungefähr wie folgt: „Leider feien die Menschen zu jeder Zeit geneigt gewesen, zu trennen, was Gott nach seiner heiligen Ordnung unzertrennlich verbunden habe. So sei es auch mit der Liebe zu Gott und zum Nächsten. Es habe zu keiner Zeit, so lange dieses Doppelgebot bestehe, an Leuten gefehlt, welche es wagten, sich der Liebe zu Gott zu rühmen, während ste doch um das Wohl und Wehe ihrer Mitmenschen sich wenig oder nicht kümmerten, wohl gar sich nicht scheuten, dieselben zu hassen und ihnen wehe zu thun, ja selbst sie zu verfolgen, als thäten sie Gott einen Dienst damit. Wie viel Schmach sei doch auf die christliche Kirche von ihren eigenen Bekennern durch solches Verhalten gewälzt worden! Man möge sich nur erinnern an jene Unmenschlichkeiten, welcher sich einst nach der Eroberung Mexico's die glaubensstolzen Spanier schuldig gemacht haben, natürlich zur Ehre Gottes und zum Besten seines Reiches, oder an jene Frevel, welche in den Zeiten des Mittelalters auch auf deutschem Boden an den Juden verübt wurden. Noch in den letzten Jahren mußten wir erröthen über die Judenhetzen an der unteren Donau, und es scheine, daß ähnliche ärgerliche Auftritte auch im deutschen Volke, auch in unserer Stadt im Anzuge seien. Gewisse Blätter werden nicht müde' in der gehäßigsten und kränkendsten Weise unsere jüdischen Mitbürger der öffentlichen Verachtung preiszugeben, und durch Nährung der Abgunst und des Haffes darauf hinzuwirken, daß denselben die bürgerliche Gleichberechtigung wieder entrissen werde. Die bübische Zerstörung, welche in den letzten Tagen in der Nähe der Synagoge verübt wurde, zeige hinlänglich, welche Früchte durch solche Agitationen gezeitigt werden. Ob etwa Jemand glauben könne, daß ein derartiges Treiben sich mit dem Geist und Wort und Vorbilde des Stifters der chr. Religion vereinen lasse? So lange solche Dinge unter uns geschehen, sei unser Ruhm nicht fein. Es gelte sich mit Ernst dagegen zu erheben." Diese beherzigenswerthen, kräftigen Worte verfehlten nicht, auf die in großer Anzahl erschienenen andächtigen Zuhörer den sichtlichsten Eindruck zu machen. Ehre dem braven Geistlichen, der von der Kanzel herab dem unchristlichen Treiben einer gewissen Partei gegenüber durch seine mannhaften Worte entgegengetreten. ANZE Für den folgenden Theil ist die Krunkeupflegeriu gesucht. Der Israel, neugegründete Frauenverein zu Stuttgart, der sich zur Aufgabe gemacht hat, bei Kranken- und Todesfällen hilfreiche Hand zu bieten , sucht auf sofort eine Krankenpflegerin gegen sehr gute Belohnung. Ein gut beleumundetes Mädchen oder junge kinderlose Wittwe, die sich einem solchen edlen Berufe widmen können, wollen sich bei Frau Nanette Berolzheim in Stuttgart, Lindenstraße 25, sofort melden. s3100 I 6 E N. Redaction nicht verantwortlich. /Am fungirender Theologe (vr., Wittwer), mit einer gegenwärtigen festen Einahme von 1500 Thlrn. excl. derAccidentien, der vier Kinder, von denen drei schulpflichtig sind, zu ernähren hat, wünscht sich mit einer alleinstehenden standesgemä ßen Wittwe oder einem Mädchen im Alter von 28—34 Jahren, mit einer Mitgift von 4—5000, Thlrn., wieder zu verheirathen. Geneigte Zuschriften (Vermittler auSgefchlos-I sen) nimmt entgegen Hudolf IFIosse, Leip ziß! sub Y. 4087. [3092