Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1879)
- Date
- 1879-10-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1142 3) ob eS wahr sei, daß die Schüler der Ackerbauschule gezwungen werden, den Sabbath zu entweihen, sowohl durch ro^o-ODi roten} mteno }iö^d als auch durch Arbeiten auf dem Felde. Der Direktor verweigerte zunächst jede weitere Auskunft. Er sei, sagte er, Niemandem Rechenschaft schuldig als den Vorstehern der All. Jsr. Univ. Erst nach dringendem Zureden der Deputirten verstand er sich dazu, Folgendes zu erklären : 1) Er habe die Knaben nicht zurückgehaltcn vom Gebete überhaupt, er habe nur das gemeinsame öffentliche Gebet, welches zu viel Zeit beanspruche, ans zweimal wöchentlich, Montags und Donnerstags, beschränkt. 2) Was die Priesterheben und Zehnten betrifft, so sei das eine Geldfrage, über welche die Alliance zu entscheiden habe. 3) Er habe die Knaben nie gezwungen, den Sabbath zu entweihen; — er habe sie nur während der Ernte - Zeit auf das Feld geschickt, um die Ernte zu hüten, nicht aber, um irgend eine Arbeit zu verrichten. Dagegen läugne er nicht, daß er den Knaben befehle, an Sabbath zu tragen n"V'a"i roten} mteno. Was in Folge eines Erub gestattet sei, das müsse auch ohne einen solchen erlaubt sein; denn was sollen die zwei Stangen und der darüber gespannte Draht nutzen; das sei nur ein Versuch, Gott zu täuschen. Hierauf entgegneten die Deputirten, daß es dem Herrn Dirctor Hirsch ebensowenig wie irgend einem andern Menschen zustehe, ein so abfälliges Urtheil über irgend eine Vorschrift unserer heiligen Religion zu fällen, daß schon im Talmud erklärt wird, daß O'Oiip'E« «in anjn mio uw '0, daß Derjenige, wclcher die Einrichtung des Erub als nicht bindend erachte, zu den Abtrünnigen zu zählen sei, daß hierauf sich das göttliche Gebet beziehe: „Du sollst nicht abweichen von Allem, was sie Dich lehren werden." Ferner sei es sehr unrecht, daß der Herr Direktor das öffentliche gemeinsame Gebet auf zweimal wöchentlich beschränkt habe, denn abgesehen von der großen Wichtigkeit und Heiligkeit des öffentlichen und gemeinsamen Gebets handle es sich hier um Knaben und Jünglinge; da genüge es nicht, daß man dieselbe nicht vom Gebete abhalte, man müsse sie vielmehr dazu anhalten, und ein Drängen auk Zeit'Ersparrnß komme unter diesen Verhältnissen einem Verbote fast gleich. Ferner sei das Absondern der Priesterhebe und der Zehnten keine bloße Geldfrage, sondern eine religiöse Angelegenheit, deren Ausführung von der größten Wichtigkeit sei. In Bezug auf den öffentlichen Gottesdienst versprach Herr Direktor Hirsch nachzugeben und die Knaben zum Besuche desselben anhalten zu lassen; auch versprach er dieselben nicht mehr am Samstag auf das Feld zu schicken. In Bezug auf die anderen Dinge jedoch blieb er bei seiner Ansicht. Während der Zeit ihres Aufenthaltes in der Ackerbauschule zu Jaffa nahmen die Deputirten Gelegenheit, sich von den Institutionen derselben nähere Kennlniß zu verschaffen. Die Nachrichten darüber lauten sehr betrübend. Die Speisen werden von Nichtjuden bereitet; — der Aufseher über die Küche ist ein nichtsnutziger Mensch, dem es Freude macht, die Gesetze Gottes zu übertreten und der sich Mühe gibt, den Knaben verbotene Speisen vorzusetzen. Der religiöse Unterricht der Knaben ist einem Manne anvertraut, der zwar brav und fromm ist. dem aber alle Eigenschaften eines Lehrers fehlen. Die Schüler hören nicht auf ihn, lernen nichts bei ihm. Alles, was die Knaben von unserer heiligen Thora erfahren, beschränkt sich auf eine allsabbathliche Vorlesung des Directers aus einem ged uckten französischen Buche. Von den übrigen Angestellten der Ackerbauschule ist der Eine ein harter genußsüchtiger Mensch — der Andere gleich dem Chameleon, das seine Farbe wechselt; als Jude geboren, ließ er sich taufen und wurde Protestant, — dann ging er, als er seinen Bortheil dabei fand, zum Katholicismus über, und jetzt ist er. um eine Anstellung an der Ackerbauschule zu erhalten, wieder Jude geworden. Und dieser Mens i. hat die Aufsicht über Kaschruß und die Pflicht, das Fleisch zu porschen!!! Ist es erhört, daß im Heiligen Lande in einer jüdischen Anstalt solche Dinge Vorkommen? Was die weltlichen.Dinge betrifft, so -sind sämmtliche Einrichtungen ganz vorzüglich. Die Knaben werden im Ackerbau, in der Gärtnerei, in der französischen Sprache sehr gut unterrichtet. Aber in religiöser Beziehung ist Alles verkehrt und schlecht. Die Anstalt gleicht einer wohlbesetzten Tafel, auf welcher sich Confitüren und Delikatessen in reichem Maaße befinden, an der man jedoch vergebens Brod und Fleisch sucht. Soweit der Bericht der Deputirten. Schon vor vielen Jahren haben der unvergeßliche Distrikts-Rabbiner von Würzburg }"p Vb"t und der Herausgeber dieser Blätter a"n o no} an die All. Jsr. Univ. das Ersuchen gestellt, einen vertrauungswürdigen und energischen Talmid Chacham mit der Beaufsichtigung der Anstalt in Bezug auf alle religiöse Dinge zu betrauen. Zu unserem Bedauern hat damals die Alliance unsrer Bitte nicht Folge gegeben. Jetzt nun haben die Rabbiner undVorsteher der israelitischen Gemeinden