Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1879)
- Date
- 1879-10-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1114 uns die Mittel zu den qeiden erstgenannten, von uns auf je ca- 1000 Mk. veranschlagten Specialilaten von je einem edlen Glaubensgenossen zur Verfügung gestellt worden, tonnten die ferner eingegangenen nicht unerheblichen Spenden zu Neubauten berwendet werden. Da wir nun dazu noch ein Saldo aus der für die Armenwohnungen vorgenommenen Agitationsreise des Herrn R. M. Malko aus Jerusalem zur Verfügung hatten, und wir außerdem durch Vereinbarung mit dem Comitä apjp no in Altona-Hamburg dessen ganze Baarschaft von ca. 9000 Mk. erhielten; so nahmen wir nach annähernder Schätzung möglicher Ausführung ein großes Gebäude in Angriff, dessen untere wie obere Etage je drei gewöhnliche und eine kleine Wohnung enthalten sollte. Jndeß ist jeder Calkül bei Häuserbauten in Jerusalem im engsten Sinne des Wortes „auf Sand gebaut", weshalb auch kein Baumeister einen Bau in Accord nimmt, weil man niemals vorher wissen kann, welche große, ja sehr oft unüberwindliche Schwierigkeiten und natürlich damit zusammenhängende Größe des Kostenpunktes die Erdarbeiten bieten. Gelingt's in geringer Tiefe aus feste Unterlage zu stoßen; so könnte allenfalls der Voranschlag eingehalten werden; aber das ist jedesmal ein besonderes Glück, dessen wir uns auch schon hin und wieder, namentlich bei den ersten Bauten, erfreuten. Aber „in's Innere der Natur dringt gewiß keines Menschen Geist" und keines Calculators Sicherheit. Oft gräbt man Häuser ^ief, ehe man auf einen festen Grund stößt, ja oft ist dieser gar nicht zu erreichen, und daS Unternehmen muß nach Anwendung großer Kosten entweder ganz aufgegeben oder auf künstlichen Grundlagen (Fässern u. dergl.) ausgeführt werden. Aber auch abgesehen von diesen Elememarschwierigkeiten läßt auch das oft höchst rapide Steigen und Fallen des Preises für Materialien und Arbeitslöhne jede Vorausberechnung ganz illusorisch erscheinen. Ab und zu entwickelt sich nämlich, mehr oder weniger unvorhergesehen, eine so große Concurrenz von Bauten seitens Regierungen oder Privaten, daß sowohl Baumaterial wie Arbeitslohn zu weit größerer Höhe hinaufgetrieben werden. Alle diese Faktoren wirkten unglückseliger Weise bei dem von uns in Angriff genommenen großen Bau mit, und hatten zur traurigen Folge, daß der untere Trakt allein alle für den ganzen Bau für ausreichend gehaltenen Mittel verschlang, und wir genöthigt waren, denselben durch ein Nothdach zu schützen, bis der himmlische Vater sich dieses Baues erbarmen werde, was, wie wir weiter unten sehen werden, nach dreijähriger Sistirung auf ganz unerwartete Weise geschah. In chronologischer Reihenfolge berichten wir von dem Umfassüngskanal zum Hinwegschaffen von Excrementen und Abfällen aller Art aus den Wohnungen, daß derselbe in ca. einem Jahre beendet wurde. Beim Graben desselben stießen die Arbeiter an einigen Stellen auf feste Monumente von großen, wahrscheinlich uralten Bauten; die möglicherweise, wenigstens zum Theil, von bedeutendem archäologischen und geschichtlichenWerthe sind, und die wir im Interesse der Wissenschaft weiter hätten verfolgen lassen, wenn wir nicht bei den so beschränkten uns zu Gebote stehenden Mitteln ausschließlich an unsere praktischen Specialzwecke gewiesen wären. Der mitunterzeichnete Dr. Hildesheimer wendete sich daher als Mitglied des inzwischen gebildeten „deutschen Palästina- Vereins" an den geschäftSführenden Ausschuß desselben in Leipzig mit dem Vorschläge, daß dieser Verein bei solchen Gelegenheiten den Privaten, die ja in der Regel über ihre praktische Bautendenz nicht hinausgehen dürfen, eventuell die Mittel zur weitern wissenschaftlichen Verfolzuag und Verwerthung dieser unterirdischen Fundgruben und steinernen Lettern der antiken und mittelalterlichen Geschichte zur Verfügung stellen möge. Auch dieser erst im Entstehen'begriffene Verein konnte jedoch zur Zeit diese Mittel noch nicht votiren, äußerte sich jedoch sehr sympathisch zum Vorschläge und sagt darüber in dem neusten Quartalshefte (Bd. II, Heft 1 und 2. S. VI): „Da der Ausschuß damals über die Höhe der Einnahmen des ersten Jahres und daher über die zu einer solchen Unternehmung verwendbaren Geldmittel noch durchaus im Ungewissen war; so sah er sich leider genöthigt, Herrn Dr. Hildesheimer zu erklären, daß er von seinem dankenswerthen Anerbieten vorläufig keinen Gebrauch machen könnte. Immerhin mußte der Ausschuß in dem Vorschläge nicht nur ein Zeichen von lebhaftem, keine Gelegenheit außer Acht lassendem Interesse für die Palästinakunde erblicken, sondern zugleich ein Beispiel für die rechte Art und Weise, wie Beobachtung einzelner Personen oder kleinerer Kreise für die wissenschaftliche Erforschung Palästina's .... verweigert und nutzbar gemacht werden könne," Auch die gründliche Reparatur der Wohnungen wurde mit großem Kassenaufwande (leider!, wie wir sogleich erzählen werden, theilweise sehr bald darauf von unbändigen Elementarverwüstungen wieder zerstört), beendet, und dazu ein wesentlicher auch ziemlich kostspieliger Schutz der Woh. nungen hinzugefügt. Die vielen mit der Vorderfront, rcfp den Fenstern der Straße zugewendeten Häuser waren nämlich bis dahin fortgesetzt den Verunreinigungen, Beschädigungen rc. aufgesetzt, indem die böswilligen, ungeschlachten, dort vorübergehenden Mohamedaner die geschlossenen Fenster