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Der Israelit · 1879-09-17 · Heft 39 (17.9.1879) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 39 (17.9.1879)
Date
1879-09-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XX. Jahrgang. Erste Beilage zu Ar. 39 des Zsraelit. L eilender Artikel. Keologe Anschauungen äßet Hottes Wort. (Schluß.) Herr A. spricht ferner mit großer Emphase von „moderner" Moral. Wenn wir die große Anzahl der Moralphilosophen betrachten, die alle über den Ursprung und das Wesen unsrer Sittlichkeitsbegriffe verschiedener Ansicht sind; wenn wir sehen, wie die Einen, die der sog. intuitiven Schule angehören, behaupten, daß vermöge der Beschaffenheit unserer Natur, der Begriff des Rechts ein Gefühl der Verbindlichkeit mit sich führt, während die Andern, die Utilitarier, lehren, daß nur die Erwägung den Handlungen den Stempel als gut oder böse aufdrückt, ob sie die Glückseligkeit des Menschen vergrößern, oder feine Leiden vermehren; wenn wir die lange Reihe neuerer Denker, die alle ihre Lehrsätze, alle ihre Schüler haben, beobachten, so wird es uns vollständig unverständlich , was Hr. A. mit seiner „modernen Moral" meint. Es gibt nur ein ewig unvergängliches Sittengesetz, die Lehre, die Mose am Sinai gegeben ward, die uns ein unverbrüchliches Erbtheil ist für alle Zeiten. — Und von jedem Dogma frei, soll nach Herrn A. die jüdische Moral sein? Heißt nicht das erste ausschließende Dogma: Sch'ma JiSroel rc Sagt es uns nicht, daß die Basis aller Sittlichkeit im Glauben an den Einzigen, in der Liebe zu Ihm ruhen soll? Weiterhin findet Hr. Aftrnc die Grundlage der jüdischen Moral in dem Wort: „Ihr sollt heilig sein." „Das heißt", führt er aus, „zugleich Gott lieben und sich selbst achten." Unserer Ansicht nach, will das noch etwas mehr sagen; es heißt, sämmtliche Gebote Gottes treu befolgen, nur Glück und Befriedigung suchen in Seinem Wort, zur Vervollkommnung unausgesetzt streben und im Gedanken an die Heiligkeit Gottes Seinen Namen durch fleckenlosen Wandel heiligen. Den Gipfel der Arroganz erreicht jedoch der Herr Grandrabbin, indem er über den Verkauf der Erstgeburt durch Esau spricht. Er findet es unzweifelhaft, daß die Bibel, indem sie uns von den Thränen Esaus berichtet, nur kindliche Ehrfurcht uns einfchärfen wolle. — In der ganzen Erzählung erscheint ihm das Weinen des wilden Waidmanns als das rührendste Moment, und Jakobs Handlungsweise charakterisirt er als unehrenhaft (actiou äesüouuete). — Hunderttausende von Juden sprechen täglich ihr Gebet voller Andacht zum upy' Yitw, verehren den Erzvater seines gottgefälligen Handelns, seines Glaubensmuths und seiner 'Glaubenstreue wegen, wir alle nennen unS nach ihm ’ju, wir rufen täglich uns zu, daß wir Jacobs Kinder sind, der von Gott geliebt ward, weil er ihm nachgefolgt, und Herr A. nennt sein Thun unehrenhaft! H Falls der gelehrte Grand- Rabbin sich zum Richter geeignet hält über des Erzvaters Thun — und bei den Proben von außerordentlicher Bescheidenheit, die wir in vorliegendem Artikel finden, nimmt uns das nicht Wunder — so sollte ihn neben der Rücksicht auf das Gefühl von Hunderttausenden von Juden noch der Gedanke von der Veröffentlichung seines VerdictS abhalten, welches Testimonium ein Rabbiner, der berufen ist, die Lehre des Gottes Jakobs zu verbreiten, sich ausstellt, wenn er angesichts eines großen Leserkreises Jakob als unehrenhaften Menschen behandelt und die Thora als Moral desMoseS betrachtet! — Zuletzt bemüht sich Herr Astruc noch nachzuweisen, daß in der jüd. Religion die Moral- Gesetze größere Wichtigkeit hätten als die Ceremonialgesetze. — Unserer Ansicht nach ist eine derartige Untersuchung vollständig gegenstandslos, da beide ja nie miteinander in Conflict kommen. Ein wirklich religiöser Israelit wird neben der getreuen Erfüllung der Ceremonialgesetze auch die Befolgung der Sittengesetze sich zur Aufgabe stellen, und jene wie diese halten. Daß es selbstverständlich ist, daß eine äußerliche Beobachtung des ceremoniellen Theils nicht Indemnität bringt für unmoralischen Lebenswandel, braucht nicht erst betont zu werden. Nach einem ganz confufen Beweisesversuch für seine Ansichten fährt Herr Astruc fort: „Höhergestellt als der Cultus, ist die Moral geradezu die Grundlage des mosaischen Dogma's." Soll das etwa sagend, daß ein moralisch lebender Israelit sich von den übrigen Gesetzesvorschriften, als z. B. Sadbatheiligung, Milah, Enthaltung von gewissen Speisen rc. dispensiren könne? für uns besteht die

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