Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1879)
- Date
- 1879-09-10
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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XX. Jahrgang. Zweite Beilage ju Nr. 37 des Israelit. Leitender Artikel. Literarischer Bericht. TÜD Gottesdienstliche Vortrnge von Salomon Lcngsfclder, Rabbiner in Reichenau bei Wildenschwert (Böhmen.) II. Heft. Selbstverlag 1879. Dem ersten Heft der vorliegenden Predigten, das an dieser Stelle bereits die verdiente Änerkennung^gefunden, reiht sich die nunmehr erschienene zweite Serie würdig an. Der Verfasser betont in einem kurzen Vorwort, daß er nicht beabsichtige M u st e r p r e d i g t e n zu bieten. Bei der Abfassung der Predigten habe deren Veröffentlichung durch den Druck, durchaus nicht in der Absicht des Verfassers gelegen. Der Theoretiker, welcher formvollendete Reden in dem vorliegenden Hefte sucht, und sich nur mit Predigten befreunden kann, die von Anfang bis zum Ende nach einer schulgerechten Disposition gearbeitet sind, wird die hier gebotenen Vorträge allerdings nicht nach seinem Geschmacke finden. Dagegen wird der praktische, den thatsächlichen Verhältnissen Rechnung tragende Redner, in der Veröffentlichung dieser Vorträge, die Befriedigung eines längst gefühlten Bedürfnisses freudig begrüßen, und dem Verfasser zustimmen, wenn er sagt: „In den Landgemeinden aber, wenn man den Zweck der Predigt: Belehrung, vor Augen hat und die Aufmerksamkeit der Zuhörer fesseln will, darf die Rede nicht so salonmä^ig, nicht von Aroma feinwürziger Gedanken durchduftet sein, kann sich auch nicht streng an die Form binden; woher sollen die Musterprcdigten kommen, wenn man sie nicht besonders fabriciir?" Die schablonermäßige Rhetorik wird daher in Liesen Vorrrägen Manches unpassend und trivial finden, was sich in der Praxis gerade als ein origineller Vorzug erweist. Die überraschte Fülle geistvoller Gedanken, Redewendungen, trefflich gewählter Bilder und Vergleiche, die sinnigen Erklärungen schwieriger Sätze unserer schriftlichen und mündlichr-n Lehre, werden auch sicher selbst Denjenigen hinlänglich befriedigen, der sich mit der Form nicht befreunden kann. Wir unsererseits haben jedoch bereits bei der Besprechung des ersten Heftes darauf hingewiesen, wie gerade das nicht so sorgfältige Festhalten an der äußeren Form, einen Fortschritt bedeutet, für dessen Anbahnung dem Verfasser besondere Anerkennung gebührt. —n. Rischutz oder Judenidiosynkrasie. Eine Zeitstudie von Di-. A. Sulzbach. Loebau. (Westpr.) Druck u. Verlag von Rich. Skrzeczek's. 1879. Preis 60 Pfennige. Die vorliegende Arbeit ist den Lesern des „Israelit" bereits bekannt?; sie enthält die Reihe von Artikeln, welche kürzlich unter dieser Aufschrift in diesen Blättern erschienen sind, und allenthalben so freudig begrüßt wurde, in zusammenhängender Buchform. Obwohl daher der Inhalt dieser Schrift noch manchen Lesern des „Israeli!" im Gedächtniß sein dürfte, so verlohnt es sich dennoch, die Arbeit in ihrem Ensemble vor sich zu haben, und so den Genuß zu empfinden, den eine wohldurchdachte, sorgfältig ausgearbeitete Abfertigung des Judenhasses jedem vorurtheilsfreien Leser bereiten muß. Statt jeder besonderen Empfehlung lassen wir hier folgende Sätze aus dem Vorworte folgen: „Reger als je macht sich eine judenfeindliche Bewegung in Wort und Rede bemerkbar, daß es wohl der Mühe werth ist, auf die Bewegung im Zusammenhang hinzuweisen, und nicht, Zeit und Recht durch vereinzelte Abwehr einzelner Angriffe zu zersplittern. Es ist nicht das Judenthum, das angegriffen wird, es ist der Jude, der es verstanden, allen Angriffen Widerstand zu leisten, der ungeschwächt über alle die Widerwärtigkeiten hinweggekommen ist, die man ihm in den Weg gelegt, der nicht im Elende verkommen ist, das man ihm so vielfach bereitet, den eine freie Zeit als freien Mann fand mit offenem Sinn für alles, was die höchsten Interessen der Menschheit fordern und mil rüstiger Tharkraft für dieselben einzutr-.ten. Und der Jude hat Erfolge auszuweifen, er hat sich eine Stellung errungen und erobert, und darum schaut auf ihn die ohnmächtige Energielosigkeit mit Neid und Mißgunst und erboste darüber, daß der „Fremde", der „Geduldete" es so weit gebracht. sucht sie seinen Namen zu beschmutzen,