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Der Israelit · 1879-09-10 · Heft 37 (10.9.1879) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 37 (10.9.1879)
Date
1879-09-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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XX. Jahrgang. Crste Leilage z« Ar. 37 des Israelit. Leitender Artikel» Iur Heschichte der Keformbewegung im Iudenlhum. (Fortsetzung.) 8. Ja, sie sollten aufhören, die alten Gemeinden mit ihren alten Institutionen, und dieses sollte das Ziel der Minirarbeit der Reform sein. Daß über kurz oder lang die Orthodoxie das Zeitliche segnen, daß es nach und nach in sich zerbröckeln würde, dessen glaubte G. sicher zu sein. Vorzüglich waren es die Rabbinerversammlungen, auf deren Thätigkeit G. große Hoffnungen setzte, darum hatte er, als er noch Rabbiner in Wiesbaden war, schon eine solche in Scene gesetzt, aber — „die Resultate befriedigten mich nicht", schreibt er an Auerbach unterm 22. 8. 37, „und im Grunde sind keine zum Vorscheine gekommen; es fehlte an Energie." Trotzdem sind seine Hoffnungen auf dergleichen Zusammenkünfte nicht herabgestimmt worden, nachdem aber die verschiedenen Versammlungen resultatlos verlaufen waren: die Frankfurter im Jahre 45 und die Breslauer im Jahre 46 klagt G. in dem oben erwähnten Briefe an Wechsler vom 31. 1. 49: „Das jüdische Vorparlament kam zu früh zusammen, und die jüdische Synode ist auch noch zu früh.da haben uns die Radikalen die Rabbiner-Versammlungen verdorben und damit fürs Erste eine jede Handhabe der Berathung." Man muß es den Reformern lassen, daß sie nichts versäumt haben, ihren Reformplan ins Werk zu setzen, sie haben es an nichts fehlen lassen, das orthod. Judenthumzu stürzen, ihre Lässigkeit hat es nicht verschuldet, daß die i Prophezeiungen G's. sich nicht erfüllt haben. Hingegen hat sich, die Geschichte spricht dieses Urtheil, in dem heiß entbrannten Kampfe die Kraft des alten Judenthums bewährt, und die Geschichte hat den Beweis geliefert, daß auf dem Boden des Judenthums nur ein Entweder-Oder möglich ist: entweder das alte überlieferte Judenthum oder ein vollständiges Aufgeben desselben, ein Pactiren gibt es nicht. Die Reform hat im Judenthum keine Basis, sie kann höchstens niederreißen ohne dafür j etwas Lebensfähiges ins Dasein zu rufen; wenn sie etwas schafft, so schafft sie den Jndifferentismus. Man entgegne nicht, die Reform setze ihre Hauptaufgabe darein, das Bestehende zu stürzen, sie wolle durchaus nicht etwas Neues an die Stelle des Alten setzen, es ist dies nicht der Fall, die Reform würde zu allererst einen Protest gegen eine solche Unterstellung erheben. Zuerst wollte man den Rabbinern eine Stellung erringen gleich der christlicher Geistlichen, genauer gleich der des Klerus in der katholischen Kirche; die gesetzgebende kirchliche Gewalt sollte in den Rabbinerversammlungen ihren Ausdruck finden, und als dieses Bestreben scheiterte, suchte man die Rabbinergewalt durch Hinzuziehung des „Laienelements" zu stärken, und man berief Synoden. Welch trauriges Fiasko die Augsburger Synode im Jahre 1872 gemacht, ist noch in aller Erinnerung. Unter diesen Umständen kann man sich eines Lächelns nicht erwehren, wenn der Herausgeber vorliegender Briefe in seinen einleitenden Bemerkungen (S. 275) von den „entschiedenen Beschlüssen besonders aus dem eherechtlichen Gebiete und über Sabbatgesetze" spricht, welche die Augsburger Synode Dank der geringeren Betheiligung als die Leipziger zu fassen im Stande war. Diese „Beschlüsse" erinnern uns an jenen Schulvorsteher, welcher dem Verfasser eines Lehrbuchs seine Anerkennung für dessen neuestes Werk ausdrückt und ihm auch bemerkt, daß er das betreffende Buch in seine Schule eingeführt habe. Auf die Frage des Autors, ob viele Exemplare in der Schule gebraucht werden? antwortet der Vorsteher ganz unbefangen: „Gebraucht wird gar keins, denn die Eltern schaffen es nicht an." Die „Beschlüsse" der Synode theilen mit dem erwähnten Lehrbuche das gleiche Schicksal. Eine andere Schöpfung der Reform, die Eonfirmation, fristet ein trauriges Dasein und die Beschneidung durch eine priesterliche Eeremonie zu ersetzen, ist nicht gelungen. Daß G. auch rie Abschaffung der Beschneidung in seinen Reformplan ausgenommen hatte, darüber finden wir jetzt in seinen Briefen die unumstößlichsten Beweise. In dem schon mehrfach erwähnten Briefe an Wechsler vom 2. 2. 49 schreibt er: „Der Fälle, da Knaben nicht beschnitten werden, kommen hier (in Breslau) allmählich, wenn auch langsam, mehrere vor, manche vielleicht auch, von denen ich Nichts erfahre. Es muß nun bald eine Form gefunden werden, welche

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