Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-09-03 · Heft 36 (3.9.1879) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 36 (3.9.1879)
Date
1879-09-03
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447833--16624-2472616
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

XX. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ar. 36 -es Israelit. Leitender Artikel. Die Hutachten über das Ireslauer Kabbinerjeminar. Von 1?. (Schluß aus Nr. 35.) Wir würden diesen Umstand als selbstverständlich nicht weiter betont haben, wenn nicht ein Blatt, das die Interessen des Breslauer Seminars und seiner Rabbiner vertritt, neulich das Dr. Hildes» heimer'sche Gutachten deshalb benörgelt hätte, weil es den betr. Rabbinen weiter keinen Vorwurf als die erwähnten, zu machen hat. Der wenig würdige Ton, in dem dies geschehen ist, verhüllt nur schlecht den berechtigten Aerger, den dieses Gutachten in den Reihen dieser das rabbinische Gesetz höhnenden Rabbiner, hervorgerufen hat Diese galgenhumoristische Kniffigkeit täuscht Niemanden. Die Erfahrung, die das Dr. Hildesheimer'sche Gutachten ferner zur Sprache bringt, daß die Zöglinge des Breslauer Seminars selbst in den neuerungssüchtigen Gemeinden Stellen annehmen, und um des sogenannten „lieben Friedens" willen die Aenderungen der geheiligtesten Anordnungen und Reformen geschehen lassen, dürfte auch die vollendetste Schönfärberei, nicht zu beseitigen vermögen. Dieser Punkt verdiente in der That eine ganz gesonderte Darstellung, die nicht gerade von einer rabbinischen Capacität ausgehen müßte. Es ist ja nicht nur die Elasticität des religiösen Gewissens, sondern vor Allem die Wandelungsfähigkeit dessen, was man kurzhin „Charakter" nennt, die hier zur Sprache zu bringen wäre, und da böte sich denn in der That noch ein ganz weitschichtiges Material, von nicht zu unterschätzender Bedeutung zur richtigen Würdigung dieser Herren Rabbinen. Die Aufregung, die in Folge dieser Gutachten sich der Herren Breslauer bemächtigt hat, ist zu solchen Charakterstudien besonders geeignet; 'DJQ3 im Zorn offenbart sich der Charakter ja bekanntlich am offenkundigsten. Diesem Zorn mögen die Herren, in ihrem wackeren Organ, erst die Zügel fernerhin schießen lassen; wir werden dann ein wenig resumiren. Eine Aufwallung des Aergers r.ird aber; das Leiborgan für Stellensuchende Breslauer Rab-; binatscanditaten unterdrücken, weßhalb wir diesen , Verdruß hier zum Schluß noch erwähnen wollen.! Es ist das der Aerger darüber, daß den i Gutachten der Herren Rabbiner Hirsch und Hilj desheimer. noch dasjenige des Herrn Rabbiner Dr. , Lehmann beigegeben ist. — Wie hat das genannte Blatt, gerade letzteren als Ausbund alles Fana- I tismus und Muckerthum hingestellt, wie hat es | erst kürzlich, Hirsch und Hildesheimer gegen Leh-; mann angerufen, sie sollten dem Lehmann'schen Zelotismus und Fanatismus ein ano8 ego entgegendonnern; und nun ist all diese Liebesmüh umsonst! i Einer ist so fanatisch wie der andere, einer hält von den Breslauern, was der andere davon hält, sie sind alle drei einig, und das Breslauer Seminar und seine Zöglinge sind die Veranlassung, diese Einigkeit vor aller Welt in ostensibelster Weise zu documentiren. Das mag hart sein — für die Breslauer; für die Anhänger des einzigen, wahren Judenthums liegt dagegen in dieser Einmüthigkeit die Garantie für die Wahrhaftigkeit dessen, was feine, seit Decennien erpropten und bewährten Wortführer vertreten, und für die Schädlichkeit dessen, was sie mit solchem Freimuth bekämpfen. .pnJ' nnnoa Dinm Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Frankreich. Paris, 24. August. Ein Berichterstatter des „Globe" hat den rumänischen Minister des Aeußeren, Herrn Boerescu im Hotel du Louvre ausgesucht und über den Zweck und die bisherigen Resultate der von ihm unternommen, diplomatischen Rundreise ausgefragt. In ersterer Hinsicht wiederholte der rumänische Minister die bekannten Redensarten: seine Regierung sei bereit, dem Artikel 44 des Berliner Vertrags gerecht zu werden und die Juden in Rumänien zu emanzipiren; nur sollte man ihr gestatten, dabei mit der nöthigen Behutsamkeit und also nur stufenweise vorzugehen. Auf die Frage, ob er mit dem Erfolge seines Busuches in St. Petersburg, Wien

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.