Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1879)
- Date
- 1879-09-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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967 n Pch befand, machte ihm Ruhe gradezu un- Fich. "y Und als sie nun endlich an Mrs. Goldsmith ^eite in sein Zimmer trat, die hohe, königliche Gestalt mit dem langherabwallenden wunderschönen, sich ringelnden Haar, da sprang er auf, um ihr entgegen zu eilen; aber die Kräfte versagten ihm, er taumelte und wäre zu Boden gestürzt , wären nicht James und Jakobine gleichzeitig herbeigeeilt, den Wankenden zu stützen. Sie geleiteten ihn zurück zu seinem Sessel. „Wollen Sie Mr. Greeri's Haupt einen Augenblick stützen, Miß Lenz", sagte Mr. Goldsmith, „ich möchte ein Polster hereinholen." Der Leidende wollte Einwendungen erheben, aber Jakobine hatte ihre Hand bereits unter das Haupt ihres Vaters gelegt und ein unaussprechlich glückliches Lächeln erhellte sein Angesicht. James zögerte absichtlich einige Minuten, um Mr. Green um so länger die Freude zu gewähren, auf den Arm seiner Tochter zu lehnen. Endlich brachte er es, und Jakobine schob es vorsichtig unter das Haupt ihres Vaters. „Dank!" flüsterte dieser, „ich habe Sie sehr belästigt. Miß." „Bitte, bitte Mr. Green. Wenn Sie wüßten, wie innig es mich frmt, Ihnen einen kleinen Dienst leisten zu können." „Freut Sie das wirklich, Miß? Nun, dann werden Sie mir auch wohl einen größeren Freundschaftsdienst erweisen wollen. Setzen Sie sich zu mir, nahe, recht nahe her zu mir — und erzählen Sie mir von daheim — von Ihren Kinderjahren — von Ihrem Onkel Benjamin — und" seine Stimme bebte, „von Ihrer Mutter." Er hatte bei diesen Worten ihre Hand ergriffen und hielt sie zwischen den seinen, während sie, seiner Bitte entsprechend, sich an seiner Seite niederließ und alle seine Fragen ausführlich beantwortete. Sie befand sich in einer eigenthümlichen Stimmung; außer ihrem Verlobten hatte sich noch nie ein Mann eine derartige Vertraulichkeit gegen sie erlaubt, und dennoch konnte sie ihm nicht zürnen, empfand auch keine Befangenheit. Lächelnd erwiederte sie Bcttis lächelnden Blick und beantwortete unbefangen die mannigfachen Fragen, die Mr. Green an sie richtete. „Haben Sie kein Bild von Ihrer Mutter, Miß?" „Leider nicht", erwiederte sie, „aber ihr liebes Bild habe ich stets vor Augen. Warten Sie einen Augenblick." Bevor er cs hindern konnte, hatte sie ihm ihre Hand entzogen und ein Blatt Papier, das auf dem Tische lag, herbeigezogen. Mr. Goldsmith errieth ihre Absicht und bot ihr einen Bleistift. In wenigen Minuten hatte sie einen Schattenriß entworfen und reichte ihn Mr. Green?" „Haben Sie meine Mutter persönlich gekannt, Mr. Green?" „Getroffen!" rief dieser, „wunderbar getroffen!" — Er drückte das Blatt an seine Lippen und eine Thräne füllte sein Auge. Ueberrafcht blickte Ja-- kobine auf ihn; James warf ihm einen mahnenden Blick zu. Es war am folgenden Tage. Mrs. Goldsmith und ihre Familie befanden sich in ihrem Salon, einige Freunde waren anwesend, unter ihnen Mr. Green, der sich von seinem gestrigen Unwohlsein bereits vollständig erholt hatte und nrn gekommen war, den Freunden zu danken und sich an dem Anblick seiner Tochter zu erfreuen. Betti hatte es so einznrichten gewußt, daß an Jakobinens Seite ein Platz frei ward, den ihr Vater sofort in Beschlag nahm; Beide befanden sich bald in traulichem .Gespräch. Inzwischen war ein junger Mann in's Zimmer getreten, der sich der Dame des Hauses als Mr. Rosenblüh vorstellte und nach Miß Lenz fragte, an die er einen Auftrag von ihrem Verlobten habe. Betti deutete auf Jakobine, die am andern Ende des Salons mit ihrem Vater plauderte. Langsamen Schrittes begab sich Mr. Rosenblüh dorthin. Er ging sehr langsam, aber je näher er kam, desto glühender ward fein Blick, denn die junge Dame, die ihm als Braut seines Freundes bezeichnet war, war in der That entzückend schön; nie wähnte er, habe er eine ähnliche vollkommene Schönheit gesehen. Er war so versunken in Bewunderung, daß er an seine übrige Umgebung vergessen, hätte nicht Mr. Green ihn erkannt und begrüßt. Rosenblüh erwiederte den Gruß und trat nun ganz nahe heran. Er war mit dev Umgangsformen und dem Ton der s. g. feineren Gesellschaft nicht übermäßig vertraut, hätte jedoch jeden als Verleumder erklärt. der dieses zu äußern gewagt. Mit übermäßig tiefer Verbeugung trat er zu Jakobine. „Ich habe die Ehre Miß Lenz, mich, Ihren gehorsame - Diener. Ihnen vorzustellen als Hirsch Rosenblüh, intimer Freund von Ihrem Bräutigam, Herrn Arthur Kohn.' Abermals tiefe Verbeugung. Jakobine, so unsympathisch ihr auch die auffallend gemeinen Züge des sich ihr Vorstellenden waren, hatte ihn dennoch freundlich begrüßt. Er