Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1879)
- Date
- 1879-08-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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878 sänftigen, und zu diesem Zwecke auch die Lokalpresse eingeladen hatte, die Grundsätze der Brüderlichkeit zu predigen und dafür zu wirken, daß der Schleier der Vergessenheit über die Vergangenheit gebreitet werde, haben wir mit Staunen, sa mit Entrüstung in den Spalten der „Maritza" bei Gelegenheit der Besprechung der Affuire von Karlovo Tiradeu gegen die Israeliten gelesen, welche dermaßen beleigend und verletzend sind, aber auch zugleich von solcher Niedrigkeit der Gesinnung Zeugniß ablegen, daß ein Mensch, der sich achtet und unter Menschen, sei es auch noch io kurze Zeit gelebt hat, richt einmal in einem Privatgespräche solche Aeußerungen hätte thun können. Wer sich aber öffentlich in dieser Weise ausspricht, der überschreitet die Grenzen des Zulässigen und macht sich einer unqualificirbaren Barbarei schuldig." Die Zuschrift des Direktors citirt dann etliche der abscheulichsten Stellen der Expektorationen des großbulgarischen Organ» und fährt also fort: „Diese Sprache beleidigt nicht allein die Juden, sondern alle Bulgaren, die man für so barbarisch, wild und unmenschlich fühlend zu halten wagt, daß man ihnen solche gefährliche Rathschläge geben zu sollen glaubt. Unter den Juden, wie allen anderen Populationen gibt es schlechte und gute Individuen, und der von Natur aus ehrliche und gute Bulgare hat die ehrlichen und guten Menschen stets geehrt und geliebt, sie mögen Juden oder wie immer heißen. Wir richten diesen strengen Tadel an die Adresse desjenigen, welcher dergleichen Dinge im Angesichte Europas zu schreiben gewagt hat. Gebe Gott, daß dieser Tadel ihm zur Warnung für die Zukunft diene." Dieser Wunsch wird nun freilich kaum in Erfüllung gehen, denn die Bemerkungen, mit welchen die Redaktion der „Maritza" dieses Communique begleitete, sprechen für Alles eher, als für Einsicht und Reue. Allein aus dem Schlüsse des Direktorial-Schreibens geht hervor, daß die Provinzial-Regierung solche, in der That unqualificirbare Ausschreitungen künftighin nicht mehr dulden werde, und diese Ueberzeugung genügt, um die Freunde des Friedens und der Gesetzlichkeit zunächst zu beruhigen. Amerika. Newyork. Der unlängst erwähnte Antrag an die „Union der amerikanischen Hebräer-Gemeinden", zu dem Zwecke, die jüdische Jugend zum Landbau heranzuziehen, hat nicht nur bei dieser Versammlung den gewünschten Anklang gefunden, sondern erfreut sich auch in der öffentlichen Meinung der anerkennendsten Theilnahme und verspricht auch über die Vekennerschaft des mosaischen Glaubens hinaus gute Früchte zu tragen. Die „Hebräische Union" beschloß einen Versuch mit der Errichtung einer jüdischen ,.Landbau-Colonie" zu machen, und dies hat eine so lebhafte Erörterung der Sache in der Tagespresse angeregt, daß das von den jüdischen Mitbürgern gegebene gemeinnützige Beispiel, an dessen Erfolg nicht zu zweifeln ist, sicherlich zur Nachahmung in weiteren Kreisen anregen wird. Dabei geschah einer interessanten aber auch hier fast ganz unbekannten Thatsache aus der alleren Geschichte der Ver. Staaten Erwähnung, daß in früheren Zeiten in Süd-Carolina und Louisiana große P'antagen mit Negerarbeit von Juden betrieben worden sind; eine Thatsache. die wenigstens feststellen würde, daß, wie oft genug, namentlich in Europa behauptet worden ist, der Geschmack für das patriarchische Landbauleben ihrer Vorfahren in den Angehörigen der jüdischen Rasse auch hier im Eldorado des kaufmännischen Verkehrs, niemals ganz erloschen ist, und nur einer Wiederbelebung bedarf. Feuilleton. Iakobine. Ein Lebensbild. Von Kriedrich Hlott. XLII. Sie mußte furchtbar gelitten haben unter der Wucht des sie nahe zu vernichtenden Verdachtes, das erkannte man an ihrer jetzigen Fassungslosigkeit. Betti wagte es lange nicht, sie zu verlassen, da vernahm sie'ein leichtes Klopfen und dann erkannte sie ihres Gatten Stimme. „Darf ich eintreten?" fragte Mr. Goldsmith. Betti eilte zur Thür und zog ihn in's Zimmer. „Hilf mir, sie beruhigen, James, sie ist außer sich." Mr. Goldsmith trat näher und bot der noch immer heftig Schluchzenden die Hand. „Ich konnte es mir nicht versagen, Ihnen noch heute meine innigsten wärmsten Glückwünsche darzubringen Miß Lenz." „Nicht so, nicht so —" stammelte Iakobine, nicht Lenz — mein Name ist wieder rein! die Schwach ist von ihm genommen! O Gott sei Dank! Gott sei Dank!" „Gott sei Dank!" wiederholte James erschüttert. „Er verläßt die Unschuld nicht."