Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1879)
- Date
- 1879-08-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Erste Anlage zu tlr. 33 -es Israelit. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Rumänien. Der Telegraph hat bereits in erschöpfender Weise Kenntniß gegeben von den neuesten Auslassungen über die rumänische Judensrage. Der Fürst von Rumänien bezeichnet in seiner Botschaft, welche die Vertagung der Kammern bis zum 23. August verfügt, als Grund derselben , daß die Deputirten sich aufs Neue mit ihren Wählern in Verbindung setzen möchten, ehe sie eine definitive Entscheidung fassen. Mittlerweile will die Regierung „den Beschluß der Nation zur Kenntniß der europäischen Großmächte bringen, in ihre Gesetzgebung das Princip aufzunehmen, welches im Artikel 44 des Vertrags von Berlin ausgesprochen ist, gleichzeitig aber auch ihre Besorgnisse und die dringende Pflicht mittheilen, die sie hat, den nationalen und ökonomischen Interessen Rumäniens eine Garantie zu geben, die für jeden Staat und für jedes Volk eine heilige Pflicht ist." Welcher Art diese Vorschläge und Besorgnisse sind, haben wir bereits mehrfach erwähnt und auf diese hat auch Lord Salisbury in seiner Antwort angespielt, welche er den Deputirten der anglo-jüdischen Association und des Collegiums der britischen Juden ertheilte. Die Bukarester Regierung wird nun den Mächten in officieller Weise jene Mittheilungen machen, welche sie bereits officiös an dieselben gelangen ließ. Daß diese Vorschläge den Anforderungen des Berliner Vertrages nicht entsprechen, mußte auch Salisbury zugeben und man darf daher hoffen, daß sie von den vier Mächten nicht werden angenommen werden. Diese Vorschläge haben eben, wie das sogenannte Programm des neuen rumänischen Ministeriums, keinen anderen Zweck, als den Berliner Vertrag zu umgehen. Wie man der „N. Fr. P." aus Bukarest schreibt, glaubt das neue Cabinet, daß die Großmächte sich gegenüber den Vorstellungen einer Regierung. die aus allen Parteien des Landes zusammengesetzt ist, nachgiebiger zeigen werden, als gegen die frühere Regierung, welche nur eine Partei des Landes repräseutirte., Jn^jedem Falle hofft der neue Minister des Auswärtigen bis zum Wiederzusammentritt der Kammern von den Großmächten so viel zu erlangen, daß sie der rumänischen Regierung das Minimum der Concessionen bekannt geben, mit welchem sie sich in der Emancipations-Forderung zufriedenstellen würden. Wird dieses Minimum bekannt gegeben, so würden sich die Kammern — nachdem sich die erste Aufregung gelegt und nachdem die Parteileidenschaften zum größten Theil befriedigt sind — schwerlich noch länger weigern, die von Europa als nothwcndig und unerläßlich bezeichneten Concessionen zu machen, besonders wenn die äußere Form dieser Concessionen von den neuen Ministern geändert werden sollte, damit die Senatoren und Deputirten nicht nöthig haben, in einem Monat genau dieselben Vorschläge anzunehmen, welche sie vor einer Woche abgelehnt haben. Solche Jnconsequenzen zu vermeiden, liegt ganz in der Gewalt der Herren Deputirten und Senatoren. Türkei. Philippopei, 19. Juli. Die traurige Affaire von Karlovo, deren Urheber noch immer ungestraft herumwandeln, hat bekanntlich das Organ der Großbulgaren, die „Maritza", zu einem Ausfälle gegen die Juden verleitet, welcher für die Angegriffenen nicht ohne Folgen hätte bleiben können. Die Kühnheit der Sprache dieser größten Landeszeitung einerseits, und die von diesem Organe an den Tag gelegte Verachtung der Grundgesetze, welche eine volle und unbeschränkte Gleichberechtigung aller Culte gewährleisten anderseits, haben den General-Gouverneur veranlaßt, der Sache näher zu treten und das Direktorium zu einer außerordentlichen Sitzung zusammenzuberufen, damit es darüber entscheide, ob nicht gegen die „Maritza" energisch einzuschreiten wäre? Mau einigte sich indessen dahin, sich für's Erste mit einem geharnischten „Communiquo" zu begnügen. Am 15. d. erhielt nun der Herausgeber des erwähnten Blattes eine Zuschrift aus dem Departement für innere Angelegenheiten, welche die Unterschrift des Direktors G. Krestovits trug. Diese erste im Interesse der öffentlichen Ordnung direkt von der Regierung ausgehende Emanation lautet ihrem wesentlichen Inhalte nach wie folgt: „Während die ost-rumelische Regierung sich stets bemüht , die Leidenschaften der verschiedenen hart geprüften Nationalitäten dieser Provinz zu be-