Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 31 (30.7.1879)
- Date
- 1879-07-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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814 Wir haben sofort in einem Extrablatte einen Auszug des obenstehenden Briefes veröffentlicht und dasselbe einigen großen politischen Zeitungen, sowie mehreren hervorragenden Glaubensgenossen und Corporationen mit der Bitte zugesandt, sich bei den europäischen Regierungen dahin zu verwenden, daß dieser schrecklichen, unmenschlichen Verfolgung Einhalt gethan werde. Drei Gutachten deutscher Kabbiner in Bezug auf das Irestauer Seminar. Gutachten von S. R. Hirsch, Rabbiner der isr. Religions- Gesellschaft zu Frankfurt a. M. Sehr geehrte Herren! Sie haben mich um eine Aeußerung über die religiöse Richtung des Breslauer Rabbinerseminars ersucht, namentlich ob eine, dem alten überlieferten gesetzestreuen Judenthum treu anhängende Gemeinde die Leitung ihrer religiösen Angelegenheiten mit Beruhigung Männern anvertrauen könne, welche ihre Bildung auf dieser Anstalt genossen und von ihr die Autorisation zum Rabbinate, nsoin mnn, erhalten haben. Ihre Gemeinde habe in nächster Zeit eine Rabbiner-Wahl vorzunehmen und erscheine Ihnen daher eine sach - und wahrheitsgetreue Beantwortung dieser Frage von besonderer Wichtigkeit, zumal, wie Sie sagen, die Tendenzen dieses Seminars fast der ganzen Gemeinde vollständig unbekannt seien. Hierauf habe ich die Ehre zu erwiedern: Bereits vor Eröffnung dieses Seminars sah sich ein „Verein von Freunden der Wahrheit und des orthodoxen Judenthums" veranlaßt an die Leiter desselben als Beilage zu Nr. 179 der Berliner National-Zeitung 1854, eine offene Anfrage nach den religiösen Grundsätzen zu richten, auf welchen diese Anstalt zur Bildung von Rabbinern und Lehrern errichtet werden sollte. Diese Anfrage geschah in durchaus geziemender Weise und war bei den verschiedenen Richtungen, die die heutige Judenheit in so entgegengesetzte religiöse Partheiungen spalten, eine durchaus gerechtfertigte. Namentlich war es für treue Anhänger des alten orthodoxen Judenthum in hohem Grade von Wichtigkeit zu wissen, ob die Zöglinge dieses Seminars in den unverbrüchlichen Grundsätzen dieses orthodoxen Judenthums gelehrt und gebildet, oder mit den in den Augen eines jeden orthodoxen Juden verderblichen und verwerflichen Jrrthümern des modernen Judenthums getränkt werden sollen. Es wurden die Leiter des Seminars im Interesse der Wahrheit und der Heiligkeit der Sache in geziemendster Weise dringend gebeten, sich insbesondere offen und ehrlich darüber auszusprechen, ob sie die Göttlichkeit der schriftlichen und mündlichen Lehre, aronp nun und ns byzw min, so wie die unverbrüchliche Verpflichtungskraft der auf rabbinischen Anordnungen und Mtnhag beruhenden Vorschriften, :njoi pa-n man, in der Weise anerkennen, wie dies in den überlieferten Grundsätzen des alten orthodoxen Judenthums geheiligt ist und den Boden bildet, auf welchem das ganze orthodoxe jüdische Heiligthum beruht. Man hatte geglaubt, Männer, die im Begriffe waren, das öffentliche Vertrauen für ein so bedeutsames Werk in Anspruch zu nehmen, würden bei den leider vorhandenen so verschiedenen und einander entgegengesetzen religiösen Ansichten, mit Freuden diese Gelegenheit ergreifen, ihre Zeitgenossen über diese Grundfragen ihres Unternehmens nicht im Unklaren zu lassen, und sich mit freudigem Bewußtsein über die religiösen Ueberzeugungen vor aller Welt auszusprechen, zu denen sie sich selber bekennen, und in welche sie die ihnen anzuvertrauenden Zöglinge für das heilige religiöse Lehramt in den Gemeinden heranzubild-n gedenken. Die Leiter des zu eröffnenden Seminars zogen es vor, diese Anfrage unbeantwortet zu lassen, und sagten mit diesem Schweigen jedem Einsichtigen bereits hinlänglich, was in religionsgrundsätzlicher Beziehung die Gemeinden von der Bildungswirksamkeit dieses Seminars zu erwarten haben werden. Jetzt aber und bereits seit langer Zeit liegen die Schriften des eigentlichen Gründers und langjährigen Leiters dieses Seminars, des Herrn Dr. Frankel, sowie des an demselben als Lehrer wirkenden Herrn Dr. Grätz aller Welt vor Augen, und kann über die Grundsätze und Ueberzeugungen, denen sie in religiöser Beziehung huldigen, gar kein Zweifel mehr sein, und herrscht auch im Kreise der deutschen Judenheit hierüber kein Zweifel mehr. In der von Unterzeichnetem herausgegebenen Monatsschrift „Jeschurun" sind diese Schriften ausführlich und eingehend beleuchtet, in ihren Jrrthümern widerlegt, und dort auch an der Hand der offengelegten Beweise dargethan worden: Daß nach den Schriften des Herrn Dr. Frankel Gott vom Sinai dem Moses nichts mehr als das schriftliche Gesetz, die fünf