Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 30 (23.7.1879)
- Date
- 1879-07-23
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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798 gessen. Daß Herr Frantz an einen wahren Pa. triotismus der Juden nicht glaubt, nehmen wir ihm nicht übel; es ist nicht leicht bei Beurtheilung anderer so aus sich selbst hinauszutreten, daß man bei anderen das für eine Herzenssache hält, was man selbst nur für gewisse Zeiten und gewisse Zwecke als Opportunitätsmittel sich reservirt. Wir legen jetzt die Sumpfblüthe mit ihren grellen und schwarzberänderten Blumenblättern bei Seite und wenden uns einer am Main emporgeschossenen zu, die in grellrothen Farben schimmert. Vom frommen, conservativen „Mainzer Journal" zu seinem Gegenpart dem oppositionellen Volksblatt „Würzburger Glöckli" „Die Würzburger Glöckli haben a schönes G'läut", so heißts im alten Volksliede, aber das „Würzburger Glöckli", das hat ein Geläute, das durch Mark und Bein geht und von einer Rohheit des Gemüths und Niedrigkeit der Gesinnung Zeugniß ablegt, an deren Existenz man nicht glauben würde, wenn der Ausdruck derselben nicht Schwarz auf Weiß vor uns läge. Denn ein nur tiefer Pfuhl von Gemeinheit und Rohheit offenbart sich unserm Auge, wenn angesichts eines an einem wehrlosen, bejahrten Ehepaare geübten Doppelmord Menschen vorübergehen mit der Bemerkung: „eS ist ja nur ein Jude"odermit dem Ausruf! „wenn sie nur miteinander der Teufel holte." „Leute der verschiedensten Stände und politischen Meinungen" sollen, so berichtet das „Würzburger Glöckli" in solchen Worten ihrem Hasse gegen die Juden Luft gemacht haben, als sich in der Stadt die Schreckenskunde verbreitete, daß an dem Glaser'sche Ehepaare in der Kaiserstraße ein Raubmord ausgeführt worden sei. Wenn der Bericht genannten Blattes wahr ist, wenn solche Aeußerungen so massenhaft gemacht worden sind, daß der Vers. jenes Artikels sich zu einem besondern Leitartikel veranlaßt gefühlt und mit Recht geschrieben hat „dem Opfer aber gegenüber bleibt man gleichgiltig", wie verroht muß da das Publicum sein, dessen Umgang der Schreiber jenes Artikels sich erfreut. Man versagt selbst dem Mörder sein Mitleid nicht, wenn er seinen letzten Gang zum Schaffot antritt, wo seiner die Sühne für sein Verbrechen wartet und dem in seiner Wohnung gemordeten Ehepaare gegenüber ruft man höhnend aus „es ist ja nur ein Jude!" Selbst wenn es wahr wäre, daß der Gemordete ein Wucherer gewesen — ob dem so ist, weiß der Artikelschreiber selbst nicht — selbst dann bleibt die Rohheit und Gemeinheit dieselbe. Und der Verf. dieses Artikels, wie begreift er die Aufgabe der Presse? Sucht er den Leuten zu beweisen, daß solche Denkungsart gemein sei, daß es schlimm sei, wenn der Mörder sich gleichsam als die strafvollziehende Gewalt ansehen darf und er den Abscheu der Menschen nicht mehr zu fürchten habe, indem man dem Opfer das Mitleid versagt? Nichts von alledem, er gibt den Juden einen Rath: sie sollen im geschäftlichen und gesellschaftlichen Gebühren umkehren. Und wenn wir den Artikel weiter verfolgen, wo der Verf., den Juden vorwirft, sie, „die es lediglich der Duldsamkeit der Christen zu danken haben, daß sie die gleichen bürgerlichen Rechte wie diese besitzen", machten es sich zur Aufgabe, die Christen zu ruiniren, entsittlichten diese durch ihre „Lebsucht", seien habgierig , betragen sich so, daß das Wort Jude Gattungswort für alle Wucherer, Halsabschneider und Blutsauger geworden: können wir nicht umhin an jenen Dieb zu denken, der als er seinen Fang gemacht am lautesten „Haltet ihn" rief. Der Vers, des Artikels läßt viele Leute an der Leiche des gemordeten Glaser'schen Ehepaares Ausdrücke der Rohheit und Gemeinheit ausrufen, ob wohl der Verf. nicht mitgerufen hat? HeilrrngKnachLichlen & Cvrresponderrzett. Deutschland. Mainz, 17. Juli. Von Frankfurt a. M. geht uns die betrübende Mittheilung zu, daß Herr S. M. Jeidels yui vom Schauplatze seiner irdischen Täthigkeit ist abberufen worden. Der Heimgegangene, der früher in Würzburg wohnte, war viele Jahre lang Vorsteher der dortigen Gemeinde, ia welcher Eigenschaft er, manches Gute zu wirken, die Gelegenheit gern und freudig ergriff. Damals verfertigte Herr Jeidels, s. A., einen Auszug aus dem Würzburger Archiv, sämmtliche die Juden betreffenden Verordnungen, im Lause von 500 Jahren, enthaltend. Diese werthvollen Abschriften hat der Heimgegangene im vorigen Jahre uns zum Geschenke gemacht. Da uns die Erzählung „Rabbi Joselmann von Rosheim" auch nach Würzburg führen wird, so werden wir Gelegenheit haben die Jeidels'schen Abschriften zu benützen. rV'n'Wn! Frankreich. Plttis Vor Kurzem hat man in einem der hiesigen Spitaler einen schwer krank daniederliegen'! den Juden zur Taufe zu überreden gesucht. Glücklicherweise hat derselbe einen solchen Widerstand gegen dieses Ansinnen geleistet, daß man jeden weitern Versuch dieser Proselytenmacherei aufgegeben hat. (Arch. iSr.)