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Der Israelit · 1879-07-23 · Heft 30 (23.7.1879) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 30 (23.7.1879)
Date
1879-07-23
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XX. Jahrgang. Zweite Beilage zu Ar. 30 des Israelit. Leitender Artikel. SumpfblWen. (Schluß.) Kommt es ja bei den Argumentationen, die gegen die Juden ins Treffen geführt werden, weniger auf ihre Richtigkeit und Wahrhaftigkeit an als nur a f die Kunst, recht viel Worte machen zu können. Alle Diejenigen, welche so laut das edle Handwerk preisen und den Juden vorrücken, und zwar, wie wir gesehen, mit Unrecht, sie cultivirten das Handwerk nicht, alle diese würden einen Horror cmpftnden, wenn man ihnen den Rath geben würde, ihre auf Gymnasien und Realschulen gebildeten Söhne dem schweren Handwerke zuzuführen. Herr Frantz und alle, die ihm Beifall zunicken, alle die Kreise, die die Juden als fremde Eindringlinge betrachten und ihnen nur Pflichten und Leistungen, aber keine Rechte zuerkennen, befahren und begehen Straßen, die sie weder gepflastert noch gekehrt haben, bewohnen Häuser, deren Mauern sie nicht gebaut, ergötzen sich an Speisen, die sie nicht gekocht, und die auf Herden genießbar gemacht wurden, deren Essen sie nicht gekehrt, kleiden sich in Röcke, die sie nicht genäht und tragen Schuhe, die sie nicht gefertigt haben u. s. w. u. s. w. Hinge die Berechtigung, in einem Staate zu existiren, von dem Betriebe des Handwerks im engsten und weiteren Sinne ab, wir kenneten dann große und weite nichtjüdische Kreise, die sich im Staate dann nur als geduldet ansehen dürften, und Diejenigen, die am lautesten gegen die Juden schreien, hätten sich dann zuerst des Rechtes Staatsbürger zu sein, zu begeben. Nachdem der Artikel die Unlust der Juden an der „Arbeit" erwiesen zu haben glaubt, kommen wieder die Schreckbilder von dem in geometrischer Progression wachsenden Reichtbum der Juden. Wir haben über diesen Punkt schon an anderer Stelle uns ausgelassen und finden es daher unnörhig, hier weiter aus denselben einzugehen. Den schönsten Trumpf scheint aber der Vers, für den Schluß sich aufbewahrt zu haben; es ist etwas Neues, das wir zu hören bekommen, aber die Weisheit ist ausgegangen und das Lächerliche als Bodensatz zurückgeblieben, das wir aber unverkürzt unfern Lesern wiedergeben müssen: „Die Juden haben die beste Gelegenheit, die gegenseitigen Verhältnisse der verschiedenen Staaten für die großen Bankhäuser auszukundschasten, für welche jede wichtige Notiz so gut als baares Geld ist: — es liegt vor Augen, wie die Juden, so bald sie ein Mal als Volksgenossen anerkannt waren, auch sofort als die berufendsten Wortführer der jedesmaligen Nationalität auftreten — bei uns den echten deutschen Patrioten spielend, in Ungarn der Vollbluts-Magyaren von Arpads Zeiten her, in Frankreich den enragirten Franzosen u. s. w. — und so tragen nun ihre Natirnalitätsphrasen nicht wenig dazn bei, die Nationalitäten gegen einander aufzuregen; es folgen daraus immer neue Kriege, bei welchen die großen Börsenfürsten, die sich thunlichst aus der Schußlinie halten, die zu den Kriegen erforderlichen Anleihen vermitteln: die Zwietracht der christlichen Völker und die desolaten Finanzen der Staaten werden für sie zu wahren Goldgruben." Wäre das Gesagte nicht zu lächerlich, man könnte über die Bosheit, die in demselben steckt, entrüstet sein. Uns fällt hier ein hübsches und treffendes Gleichniß ein, mit dem die Rabbinen das Verhältniß des verfolgten Israel zu den es verfolgenden Völkern der damaligen Zeit bezeichneten: Israel, so saaen sie, gleicht einem irdenen Gefäße, die es bedrängenden Völker dem festen und massiven Steine, fällt das Gefäß auf den Stein, wehe dem Gefäße! fällt der Stein auf das Gefäß, w he dem Gefäße! Wie sich der Jude drehen und wenden mag, man weiß immer ihm etwas am Zeuge zu flicken. Da hat es Zeiten gegeben, in welchen man den Juden Vaterlandslosigkeit und Mangel an Patriotismus vorgeworfen hat, die Juden haben durch ihre Hingabe an das Vaterland diesen Vorwurf glänzend dementirt; jetzt kommt Herr Frantz und wirft ihnen ihren Patriotismus vor, welcher die Ursache sein soll, daß die „christlichen Völker" gegen einander aufgehetzt werden und sich gegenseitig zerfleischen. Freilich meint Herr Frantz, die Juden spielten nur mit dem Patriotismus, um die Nationalitäten gegen einander aufzuhetzten, denn der Krieg verlangt Geld, die jüdischen Banquiers leihen dasselbe her, für sie wird der Krieg zu einer Goldgrube, während sie selbst sich vorsichtig außerhalb der Schußlinie halten. Wie sie das nach der allgemeinen Wehrpflicht für sich, resp. ihre Söhne fertig bringen, sich außerhalb der Schußlinie zu halten, hat Herr Frantz in der Eile nachzuweisen ver-

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