Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 29 (16.7.1879)
- Date
- 1879-07-16
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Zweite BeilageAr. 29 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. I Mainz. 14. Juli. Nach den neuesten Mitteilungen der Centralftelle für Landesstatiftik befinden sich im Großherzogthum Hessen unter ><84,218 Einwohnern 25,256 Personen jüdischer Religion oder 2,86 Procent der Gesammtbevölkerung. Oefterr.-Ungar. Monarchie. Wien, 11. Juli. Meldung der „Polit. Corr." aus Bukarest vom 11. d.: Die Regierung erklärte in der Commission und den Sektionen der Kammer, daß sie nur eine solche Lösung der Judenfraae annehme, welche dem Berliner Vertrage entspreche; für jede andere Lösung lehne sie die Verantwortung vollständig ab. Trotzdem gilt die Annahme der Commissions - Anträge für wahrscheinlich Bosnien. 8 Bosnien. Bei der internationalen Com* »nission zur Grenzfeststellung von Montenegro ist »er jüdische Oberst Ottolengi betheiligt. | Türkei. Konstantinopel Der Constantinopeler Cor. cespondent des „Golos" telegraphirt unter dem 6. >. M. seinem Blatte: „In dem am kleinastatischen Ifer unweit Scutari gelegenen Dorfe KuSkundchuk ereignete sich folgender Vorfall: Der dortige griechische Pfarrer hat ein junges jüdisches Mädhen getauft. Dadurch wurde die jüdische Orts- »evölkerung in eine unbeschreibliche Aufregung veretzt. Die Griechen wurden mit den Juden handgemein . und eS kam zwischen den beiden bewaffnten Streitparteien zu einem blutigen Gefechte, n welchem mehrere Juden und einige Griechen geödtet und gegen 50 Personen verwundet wurden. Ingeachtet dessen, daß an Ort und Stelle deS Nefechtes zwei türkische Infanterie-Bataillone beufs Herstellung der Ruhe entsendet "wurden, wiederholten sich auch am nächsten Tage diese Kämpfe nicht nur in Kuskundschuk allein, sondern auch in vielen anderen Dörfern längs des Bosporus. Diese Unruhen drohen nun sehr ernst zu werden, da die türkischen Truppen griechischen Rebellen gegenüber sich als unzureichend erweisen und die Bewegung sich sogar bis nach den jüdischen Vierteln von Pera und Galata verpflanzt, wo die Griechen abermals zu den Waffen griffen und viele Juden attaquirten und massacrirten." Philippopel, 27. Juni. In dem während der bulgarischen Metzeleien zu einer traurigen Berühmtheit gelangten ostrumelischen Städtchen Karlovo sind in der verflossenen Woche Ruhestörungen vorgckommen. Der Direktor der inneren Angelegenheiten hatte dem S. Veneziani, Vertreter der „Alliance Jsraelite", die Erlaubniß ertheilt, die fünfzehn israel. Familien, welche früher in Karlovo ansässig waren, dort abermals zu installiren. Am 23. Juni gegen 10 Uhr, Vormittags, betraten ungefähr sechszig Individuen jüdischer Confessio» das Weichbild der genannten Stadt, wohin sie die vom Bezirkshauptmann Naidenow entgegengesendeten fünf berittenen Gendarmen begleiteten. Kaum verbreitete sich die Nachricht von ihrer Ankunft in der Stadt, als die bulgarische Bevölkerung beiderlei Geschlechts nach dem Absteigequartier der Juden eilte und unter wüstem Geschrei mit der Demolirung des Hauses und Maffacrirung der Ankömmlinge drohte, falls dieselben nicht unverzüglich Karlovo wieder verlassen sollten. Der mit weiteren fünf Gendarmen herbeigeeilte Bezirkshauptmann konnte die hocherregte Menge nicht beruhigen und traf rasch Anstalten, um die Juden über Kudjerlia nach Philippopel zurückzuschicken. Die bulgarischen Organe suchen eine Beschönigung dieses für die Bulgaren höchst beschämenden Vorganges in dem Umstande zu finden, daß die Juden die Hauptanstifter eines Massacre in Karlovo gewesen wären. Das französische Mitglied der ostrumelischen Commission, Baron de Ring, hatte vollkommen Recht, wenn er diese Entschuldigung zurückwies. WeiterS aber ist die Behauptung, daß jene unglücklichen sechszig jüdischen Männer, Weiber und Greise an den Massaeres von Karlovo irgendwie betheiligt waren, eine reine Erfindung. Nur der russische Commissär, Fürst Tscheretlew, schenkt den gegen-