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Der Israelit · 1879-07-09 · Heft 28 (9.7.1879) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 28 (9.7.1879)
Date
1879-07-09
Page
– (sequence 21)
Language
German
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745 Erschlaffung und Thallosigkeit verfallen. Diese Gefühle werden aber auch ebensowenig in Schwärmerei und Fanatismus ausarten. Der religiöse Funke von dem sanften und milden Lichtstrahle einer harmonisch entwickelten Seele entzündet, verlischt zwar nie, aber lodert auch nimmer in verzehrender Flamme auf. Daher auch, daß die äußerst segensreiche Wirkung einer solchen weibj lichen Seele sich in ihrer wahren Größe erst im Ehestände offenbart. Als Gattin verbreitet eine solche beneidenswerthe Frau eine Atmosphäre um sich, in der alle aufgeregten Gemüther beruhigt, j übertriebener Eifer gemäßigt wird. In der Nähe einer solchen Lebensgefährtin finden aber auch andrerseits Muthlosigkeit und Ueberdruß keinen Raum; in ihrer Gegenwart herrscht Freude und gehobene Stimmung, Thatendurst und Thatendrang. — Und diesem wohlthatigen Einflüsse einer edlen Tochter des rühmlichst bekannten, jetzt in Gott ruhenden Ehepaares Baruch Chaim und Betty Wormser in Carlsruhe ist zum großen Theile zu verdanken, daß ihr Gatte, Herr Wolf Dünner, der erstaunlich kenntnißreiche Talmudist, in einer relativ kurzen Zeit für die Wiederbelebung, das Erstarken und den Aufschwung des traditionellen Judenthums im Rheinlande so Großes und Un-! glaubliches geleistet hat. — Was wäre aus dem Judenthum nach unseren Begriffen in der soeben I erwähnten Gegend geworden, wenn nicht einige gottdegeisterte Männer, unter denen Herr W. Dünner eine ruhmvolle Stelle einnimmt, sich aufgerafft hätten, um dem dahinsiechenden Körper des altehrwürdigen Judenthums den Lebensgeist wieder einzuhauchen? Wo wäre jetzt das gegenwärtig in Cöln blühende Institut, jene Lehrschule, aus der jüdische Lehre, jüdischer Geist und jüdisches Leben ausstrahlen und sich weit und breit in Israels Gemeinden in einer Gegend verbreiten, wo durch jahrenlange Vernachlässigung einerseits, phrasenreiche und zerstörende Reformbestrebung andrerseits, der alte in Fülle sprudelnde Born jüdischen Geistes beinahe gänzlich versiegt war? Was wäre da von unseren Speise-, Reinheits¬ und Ehegesetzen übrig geblieben, wenn nicht ein geringes Häuflein begeisteter und unerschrockener Männer mit Löwenmuth gegen den Verfall eingeschritten und für die Rettung dieser Kleinodien eingetreten wären? Was davon übrig geblieben wäre? Höchstens ein Schatten. — Mit welchen Opfern, mit welchen Anstrengungen wurde dieses hohe Ziel erreicht! Welche Kämpfe hat dieses gekostet! Welchen Anfeindungen, Gehässigkeiten waren die unbeugsamen Kämpfer ausgesetzt! Welche Verkennung, ungerechte Be - und Verurtheilung mußte man sich da nicht gefallen lassen! Ja, es war eine fürchterlich aufregende, aufreibende Zeit, in der die ersten heiligen Kämpfe für die Erhaltung des Judenthums daselbst stattfanden. Und in allen diesen Kämpfen sah man Wolf Dünner in den ersten Reihen der Streitenden. Wie kam es aber, daß diese die Lebenskräfte schwächenden Kämpfe dessen feurige Natur, dessen leicht erregbare Gemüthsart nicht geschwächt und für eine Zeit lang gelähmt haben? Wie kam es, daß je heftiger der Streit, desto stärker der Muth, je erbitterter der Anfall, desto standhafter die Abwehr, je verletzender die Anfeindungen,^ desto glänzender die Kraftentwickelung war? Frau Hannchen Dünner-Wormser stand ihrem Gatten als Schutzengel bei. Ihr tröstendes Wort beruhigte ihn, fetzte ihn hinweg über die verletzende kränkende Beleidigung und Verleumdungen; ihre besänftigenden Ermahnungen hielten seinen Eifer in den Schranken, ihre Ermuthigüngen belebten ihn mit frischem Muthe, ihr Gottvertrauen stählte seine Kräfte, ihre Zuversicht auf den endlichen Sieg der guten heiligen Sache erfüllten ihn mit neuen beseligenden Hoffnungen; ihr fester unerschütterlicher Glaube an die unüberwindliche Kraft des idealen alten Judenthums stählten seinen Unternehmungsgeist. So lebte und wirkte diese musterhafte aber höchst bescheidene jüdische Frau für jüdisches Interesse. Ihr aber hat die mit so vielen und großen Aufopferungen unternommene und errungene Neugründung einer festen Stätte in dem historisch berühmten Köln für das traditionelle Judenthum nicht wenig zu verdanken. Ihre stillen aber desto erfolgreicheren Leistungen für diesen Neubau beanspruchen fürste die verdiente Auszeichnung , daß unter den hellleuchtenden Namen der Glaubenshelden auf den Gedächtnißtafeln des Judenthums im Rheinlands ihr Name einen Ehrenplatz einnehme. Dies sei ihr Lohn hienieden. Möge aber auch ihre edle Seele in den himmlischen Sphären sich an dem Anblicke der göttlichen Herrlichkeit ergötzen in Ewigkeit. Amen! 2056] 8. Für Israeliten! Heirathen für Damen und Herren werden unter strengster Discretion vermittelt. Briefe postlagernd Hamburg unter W. W. 6 erbeten. [2024 suche für meinen Sohn, 16 Jahre alt, Obersecundaner (Einjähr.-Zeugniß), eine Lehrlingsstelle bei freier Station in einem bedeutenden Bank-, Fabrik- oder Engros-Geschäft in einer mittleren oder größeren Provinzialstadt, wo Sonnabend geschlossen. L. A. Auerbach 2020] in Falkenburg in Pommern.

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