Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1879-06-18 · Heft 25 (18.6.1879) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 25 (18.6.1879)
Date
1879-06-18
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447797-2447822--16309-2472290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

645 ist ein hübscher Name. Da lassen Sie sich wohl Gretchen nennend nicht? — Aber weißt Du, Mutter , es freut mich, daß Du Jemanden bei Dir hast; denn heute Vormittag habe ich gar keine Zeit, ’S ist Freitag, weißt Du, da Hab’ ich zu thun. Jetzt will ich Dich nur irgendwo hinführen, wo Du Kaffee trinken und Dich ausruhen kannst, und Sie, Gretchen, können sich’s dort auch kommod ' machen und dann Nachmittags nach dem Esten da komme ich gleich und bleibe den ganzen Nachmittag bei Dir, meine Herrschaft hat mir’S schon zugesagt." Wahrend dieser Auseinandersetzungen hatten sie den Bahnhof verlassen und schritten nun durch die menschenbelebten Straßen einem stark frequentirten, aber sehr, einfachem Wirthshause zu, das Lisbeth zu ihrer Aufnahme bestimmt hatte. Sie ließen sich ein Zimmer anweisen, bestellten das Frühstück und die Tochter war eben im Begriff, sich von der Muter zu verabschieden, als sie sich zu Jakobine wandte. ,.Sie, Gretchen, da fällt mir was ein, die Schwester von meiner Madame, auch eine ganz nobele Dame, hat gestern ein Mädchen ins Hospital geschickt, weil sie krank geworden ist. Wenn Sie wollen, sage ich zu meiner Madame, daß Sie mit Mutter gekommen sind und bitte sie, daß sie mit ihrer Schwester spricht, daß sie Sie als Aushilfe nimmt." Jakobine nahm mit aufrichtigem Dank das Anerbieten an und herzlich drückte sie die Hand, die das freundliche Mädchen ihr bot. Diese aber blickte mit einer Art von Mißtrauen auf die schmalen weißen Hände der Andern. „Schwere Arbeit scheinen Sie aber nicht gewöhnt zu sein, sonst wären Ihre Hände nicht so weich und weiß." „O, ich kann arbeiten", erwiederte Jakobine lächelnd, „das hat mich meine Mutter schon frühe gelehrt. Aber in dem Hause, in dem ich in den letzten Jahren gewesen bin, habe ich mehr genäht." „So ist das?" sagte Lisbeth, „man kennt’- doch gleich an den Händen, was einer damit schafft. Aber warum sind Sie denn eigentlich aus dem Hause fortgegangen, wenn Sie schon mehrere Jahre dort gewesen sind?" „Die Frau ist gestorben", versetzte Jakobine mit schmerzlichem Seufzer. „Das ist was anderes", entgegnete Lisbeth. „Na, ich werde meiner Madame das Alles sagen. — Aber noch eines muß ich Ihnen sagen. „Meine Madame ist Jüdin und ihre Schwester natürlich auch. Daran liegt Ihnen doch nichts?" „Durchaus nichts", erwiederte die Gefragte; aber ihr Herz zog sich dennoch krampfhaft zusammen , wenn sie der Möglichkeit gedachte, als Magd in ein jüdisches Haus einzutreten. (Fortsetzung folgt.) ANZEIGER Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. Wiesbaden. HÜD Hotel Hirschberger Bringe hierdurch einem reisenden Publicum meine streng religiöse Restauration in empfehlende Erinnerung. [1684 Hermann Hirsdiberger. ür mein an Sabbat- und Festtagen geschlossenes gemischtes Waarengeschäft suche zum sofortigen Eintritt einen mit den nöthigen Kenntnissen versehenen Lehrling. Kost und Logis im Hause. 1761) Abraliam §Ichel, Schlüchtern. Wiesbaden. Hadliaus Zur goldnen Krone. Quelle im Hause. Comfortable eingerichtete Zimmer. — Mäßige Preise. [1531 Eigentümer: ML ¥f oir* (7^lür mein Confections - und Manufacturwaaren- O Geschäft, welches am Sabbat und an Festtagen geschlossen ist, suche zum baldigen Eintritt einen Lehrling mit genügender Schulbildung. Gemünden a. M., 8. Juni 1879. 1765) S. W. B. Schloß.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.