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Der Israelit · 1879-06-11 · Heft 24 (11.6.1879) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 24 (11.6.1879)
Date
1879-06-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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623 Jahren sei die hiesige Synagoge erbaut worden und lange habe ja der Tempel den Bedürfnissen der Gemeinde genügt, endlich aber sei er doch zu eng geworden und der Erweiterungsbau, der nun nach den Wünschen und zur Befriedigung der Gemeinde vollendet sei, habe sich als nothwendig erwiesen. Wenn nun die Gemeinde. nachdem so lange die gewohnte Benutzung des Tempels durch den Umbau unterbrochen gewesen, in das erneuerte Gotteshaus einziehe, so sei natürlich zunächst das Gefühl der Freude über die glückliche Vollendung des mit beträchtlichen Opfern verknüpften Werkes am Platze, dann aber komme es auch darauf an, dem Meister, der den Plan des Baues entworfen und das Ganze geleitet habe, sowie Allen, welche bei der Bauarbeit mitgewirkt, ebenso auch den Vorstehern und Vertretern der Gemeinde und der ganzen Gemeinde Dank zu sagen für die übernommene Mühe, die bewiesene Pflichtreue und Opfer- Willigkeit, ferner der Befriedigung über das Interesse Ausdruck zu geben, welches auch die andersgläubigen Mitbürger dem Unternehmen gezeigt und welches sich jetzt wieder durch so zahlreiche Betheiligung an der Einweihungsfeier, vor Allem durch die Gegenwart von Vertretern der Behörden, bethätige. Ein Rückblick auf die Vergangenheit der hiesigen isr. Gemeinde liege bei der Eröffnung des renovirten Tempels nahe. Die Gemeinde sei noch nicht viel über 50 Jahre alt, und doch dürfe sie freudig sagen, daß sie in dieser nicht allzu langen Zeit wirklich große Errungenschaften und Fortschritte zu verzeichnen gehabt habe. Wie trübe sehe doch das Sonst dem freundlichen Jetzt gegenüber aus! Erst in Folge des von König Friedrich Wilhelm III. 1812 zu Gunsten der Israeliten erlassenen Edictes sei denselben auch im hiesigen Orte die Niederlassung freigegeben worden und nur ganz allmählich habe sich dann hier, und zwar unter großen Schwierigkeiten und Hemmnissen, eine isr. Gemeinde gebildet, welcher trotz der in ihr hervortretenden Opferfreudigkeit, die Befriedigung ihrer Bedürfnisse in Bezug auf Gottesdienst, Friedhofs - und Unterrichtsverhältnisse gar sauer geworden sei. Doch sei man, wenn auch langsam, vorwärts gekommen, die Gemeinde sei an Zahl gewachsen, ihre Besitzthümer und Institute hätten sich gemehrt und vervollkommnet, man habe vor Allem schließlich auch ein Gotteshaus , das ja in der That von vorn herein schon recht stattlich gewesen, bauen können. Und heute? Nun, der Tempel stehe nun schöner und größer vor den Augen der Gemeinde, und doch seien auch die Räume desselben für die Verhältnisse der Gemeinde nicht zu groß. Und welcher Abstand zwischen der früheren und der heutigen Zeit zeige sich in Betreff der bürgerlichen und staatsbürgerlichen Verhältnisse der Israeliten! Wie seien dieselben noch in den Tagen der Gründung der hiesigen isr. Gemeinde beschränkt gewesen! Und heute? Heute herrsche in unserem ganzen öffentlichen Leben das Princip der Glaubensfreiheit, für welches ja gerade mit Rücksicht auf die Israeliten erst neuerdings der Berliner Congreß wieder entschieden eingetreten sei; überall in unserem Staate, auch in unserer Stadt, seien die Israeliten an dem bürgerlichen Gemeindeleben reichlich betheiligt, kurz auch die hiesige isr. Gemeinde dürfe es mit freudiger Genugthuung anerkennen, daß eine bessere Zeit gekommen, daß die Sonne der Duldung, die Soune der Wahrheit aufgegangen sei und sicherlich, möchten auch noch hier und da trübende Nebel aufsteigen , nie mehr völlig verhüllt werden könne. So sei es denn Sache der hiesigen isr. Gemeinde, bei Gelegenheit der Einweihungsfeier es zu verkündigen, daß sie die Zeit des Kampfes als vollständig abgeschlossen betrachte und in dem neuen Tempel nur Gedanken des Friedens suchen wolle. Möge denn auch Jeder, der das erneuerte Gotteshaus betrete, dort den wahren Frieden zu finden im Stande sein! — Hieran sicloß sich die Darlegung, daß der schönste Schmuck des Tempels die Anwesenheit zahlreicher Andächtigen sei, und daß die Gkmeindeglieder die Institution des Sabbats, welche andere Religionsgemeinschaften vom Judenthum übernommen, als einen Grundpfeiler der isr. Religion heilig halten mögen. — Worte der Weihe für die heiligen Geräthe und den ganzen Tempel, Segenswünsche für die Gemeinde, für die ganze Stadt, für das Vaterland und den theuren Herrscher, endlich für die ganze Menschheit, schlossen die gehaltvolle Predigt, und mit einem Schlußliede, an welches sich noch fernere religiöse Uebungen knüpften, endete der für die isr. Gemeinde hochbedeutsame und freudige Act, der auch auf die andersgläubigen Gäste derselben einen ebenso feierlichen als ergreifenden Eindruck machte. Rußland. Petersburg. Herr I. Poliakoff hat dem Unterrichtsminister 200,000 Rubel zur Errichtung einer Wohlthätigkeitsinstitution für arme Studirende in Petersburg übergeben. Herr Poliakoff, auch unter dem Namen „russischer Eisenbahnkönig" bekannt, ist ein streng orthodoxer Jude.

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