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Der Israelit · 1879-06-04 · Heft 23 (4.6.1879) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 23 (4.6.1879)
Date
1879-06-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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593 Füßen „nicht Diesen Schmerz, nicht diese Verzweiflung — das ertrage ich nicht. Ich will ja gern Alles glauben, was Sie mir sagen und wenn Sie behaupten, die Diamanten hätten ganz von selbst zu Ihren Effecten sich begeben, so will ich's mit heiligen Eiden beschwören. Alles, Alles, was Sie wollen, will ich beschwören. Gewähren Sie mir Ihre Verzeihung und ich begebe mich sofort zum Gericht, schlage den Proceß nieder, und führe Sie im Triumph aus ihrer Haft." „Befreien Sie mich", sprach sie leise, „helfen Sie mir meine Unschuld beweisen und ich verzeihe Ihnen aus vollem Herzen." „O diese Engelsgüte!" rief er jubelnd und sprang auf. „Noch in dieser Stunde sind Sie frei. — Nur Eines, Jakobine, Eines müssen Sie mir versprechen — wenn Sie frei sind, wenn Sie diese Zelle verlassen, daß Sie mir nicht wieder entfliehen —" Sie preßte die Lippen fest aufeinander, aber kein Wort kam über ihre Lippen. „Ich kann nicht ohne Sie leben;" fuhr er dringend fort, „Sie sind mein guter Genius — ohne Sie ist für mich kein Heil, ohne Sie wäre ich dem Bösen verfallen. — Nur Ihr Wort, nur Ihre Hand darauf, daß Sie mich nimmer verlassen, daß Lie mit mir zurückkehren nach Waldensee." Aber sie schwieg noch immer, noch immer entrang sich kein Laut ihrer Brust. „Oder wenn Ihnen Waldensee nicht convenirt — gebieten Sie über mich — Sie sind Königin meines Herzens. — Wünschen Sie zu reisen? ich führe Sie, wohin Sie wollen. Sie haben zu befehlen, die Welt ist offen vor Ihnen und was ich bin und was ich habe, ich lege es Ihnen zu Füßen —" Und dringender ward sein Blick, er war nicht mehr im Stande, sich zu mäßigen — schon streckte er den Arm aus; sie aber wich zurück, als hätte eine Biper sie berührt. „Fort Elender!" rief sie indem sie ihn von sich stieß, „lieber auf ewig im Kerker als in Glanz und Wohlleben an Deiner Seite." Waldensee erblaßte, das hatte er nicht erwartet. Er hatte gehofft, die strenge Haft werde sie nachgiebiger machen, werde ihre starre Tugend erweichen — auf diesen Widerstand war er nicht gefaßt. Doch je schwerer sie zu erringen schien, desto begehrenswerther erschien ihm ihr Besitz. „Jakobine!" flehte er, „Sie verkennen meine Liebe. Sie ist nicht flüchtiger Sinne Rausch, der vorübergeht; sie ist ewig wie der Weltgeist, der sie ausstrahlt. Würden nicht die geheiligten Traditionen unseres uralten Geschlechtes es mir unmöglich machen, mit freudigem Stolze würde ich Sie zum Altäre führen." Abermals wollte er sie an sich ziehen, doch abermals entwand sie sich ihm. „Zurück! oder ich zerschmettere die Scheiben und dann eilt sicher der Wärter herbei." Sie hatte das Fenster erreicht und hielt sich bereit, wenn er nicht Nachlassen würde, ihre Drohung auszufüüren — ihre entschlossene Haltung hielt ihn zurück, das Aeußerste zu wagen; doch nie, nie war sie ihm so berückend schön erschienen. Er beschloß, einen andern Weg einzuschlagen. „Sie stoßen mich zurück, Sie verschmähen meine Hülfe. — Glauben Sie denn im Stande zu sein, Ihre Unschuld zu beweisen?" Sie zuckte verächtlich die Achseln. „Kümmert das Sie?" „Ob es mich kümmert? — O, Sie sind grausam. Glauben Sic, ich könnte mich glücklich fühlen, so lange ich Sie im Kerker weiß?" „So schlagen S^e den Proceß nieder. Sie haben Ihre Diamanten unversehrt zurückerhalten, gleichviel wer sie entwendet. — Mein Wohl und Wehe liegt in Ihrer Hand." „Das ist wahr, wenn ich es will, so sind Sie frei. — Aber was würde in diesem Falle aus Ihnen werden?" „O, ich würde es schon verstehen, mein Brod zu verdienen." „Das dürfte Ihnen schwerer werden, als Sie glauben. Ein Frauenzimmer, das so eben aus der Haft entlassen — und war's auch nur aus der Untersuchungshaft — findet nicht so leicht Beschäftigung. — Soll ich Ihnen sagen, was aus Ihnen werden würde? — Sie sind jung und schön, aber Sie kennen das Leben nicht. — Wollte ich Ihrem Begehren entsprechen, Sie befreien und Sie dann sich selbst überlassen — Sie wären eine Verlorene!" „Halten Sie ein!" rief Jakobine voll Hoheit, „auch im Kerker dulde ich diese Sprache nicht." „Sie dulden sie nicht?" wiederholte er lächelnd, „nun, wie Sie wollen. — Doch bedenken Sie, ohne mich werden Sie nicht frei. — Denn wenn ich mich auch persönlich von Ihrer Unschuld überzeugt halte, sie zu beweisen, bin auch ich nicht im Stande. — Und wenn ich die Klage nicht zurückziehe, werden Sie verurtheilt — das steht fest. Sie wissen selbst, wie sehr alle Umstände gegen Sie sprechen. Und wenn Sie es auch versucht haben, fügte er lächelnd hinzu, mich selbst als den eigentlichen Thäter zu verdächtigen. — Ihre Verdächtigung findet nirgend Glauben. — Sie könnten höchstens noch eine Anklage auf Verleumdung provociren — Sie werden verurtheilt —" (Fortsetzung folgt.)

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