Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 22 (27.5.1879)
- Date
- 1879-05-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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X Jahrgang M 22. Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. HerauSgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Dienstag, den 27. Mai 5639 (1879). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 10 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichtsche Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband oro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 st. österr. au die Expedition franco einzusenden. Anhalt. "eilender Artikel: Zum Dchabuoth-Feste. Zeitungsnachrichten und Corresvondenzen: Deutschland: Main;. Frankfurt a. M. Wandsbek. Breslau. Feuilleton: Rebbi Iofelmann von Rosheim. ZnHatt der erste« Meikage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Bonn. Hanau. — Desterr. - Ungar. Monarchie: Wien. — England: London. —• Rußland: Petersburg. — E'hina. ■ — Feuilleton: Jakobine. Inhalt der zweiten ZSeikage: Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: Breslau. Leitender Artikel. Zum Scliabuoth-Ieste. Bon Dr. H. Sänger. Aufizwei steinerne Tafeln hat Gott mit eigener Hand die „Zehn Aussprüche" eingegraben. Die eine Tafel enthält die oberste Wahrheit und die sich daraus ergebenden Lehren; die andere enthält die Moral. Beide zusammen bilden das Offenbarungsgesetz. Wahrheit und Moral in ihrer Vereinigung nur können die Grundlage für das Menschenleben bilden. Wenn wir die Wahrheit erkannt, dann muß sich consequenterweise die Moral daraus ergeben, sich daran anzufchließen. Beschäftigen wir uns vorerst mit dem ersten Theile des Offenbarungsgesetzes, mit der Wahrheit welche uns das erste Gebot lehrt. Die Wahrheit ist für den Menschen unentbehrlich. Wir sehen, daß die ganze Menschheit sich gleichsam wie hilfesuchend nach einem höheren Wesen umsah. Kein Volk der Erde, weder das ungebildetste, noch das hochgebildete, wagte es, ohne Anerkennung eines übermenschlichen, göttlichen Wesens, nur auf sich selbst sich verlassend, seinen Lebensweg zu wandeln, glaubte nicht ohne eine höhere Leitung seine Lebensaufgabe richtig erfüllen zu können. Jnstinctiv fühlte die Menschheit von Anbeginn die Nothwendigkeit eines mächtigeren Schutzes, als sie selbst' ihn sich bieten konnte. Und auch heute noch, da sich ein Theil der Menschen auslehnt gegen den höheren Schutz dieser obersten Macht, sich selbst allein für stark hält, sieht sich dieser Theil gezwungen, eine höhere Macht anzuerkennen, bloß daß man dieselbe mit einem anderen Namen belegt, daß an Stelle der Gottheit die Natur gesetzt wird, daß man an Stelle eines vernünftigen Wesens, eine blind wirkende Kraft anerkennt und, um nicht einer weisen Vorsehung untergeordnet zu sein, sich lieber der Naturnotwendigkeit beugt, als könnte die Selbstüberhebung und Selbstvergötterung eher den stolzen Nacken dieser blinden Naturkraft beugen,