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Der Israelit · 1879-05-14 · Heft 20 (14.5.1879) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
20 (1879)
Issue
Heft 20 (14.5.1879)
Date
1879-05-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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XX. Jahrgang. Zweite Beilage zu ilt. 20 -es Israelit. S£tituna$uac^?uf)ten und GvrreLpvndenzen. Deutschland. Würzburg. Es war im Jahre 1839 als der fromme, streng rechtliche Handelsmann Abraham Weiß seinen Wohnort Fuchsstadt verließ, um seinen täglichen Weg nach der 2 Stunden entfernten Stadr Würzburg zu nehmen und hier seinem Hausirhandel mit Schnittwaaren obzuliegen. Seine Kundschaft bestand meistens aus Bedienten bei Herrschaften, Brauknechten rc. rc., sowie besonderen Gönnern, die sich von ihm die Maare ins Haus bringen ließen. Bereits hatte er sein Tagesgeschäft beendigt, als er zu einem Freunde gesagt haben soll, er habe nur noch in einem Hause zu thun, alsdann wolle er den Heimweg mit ihm antreten. In welches Haus er gehe, sagte er nicht. Der Freund wartete — doch Weiß kam nicht wieder. Als W. aber auch des Nachts nicht zu Hause anlangte, war natürlich die Verlegenheit, die Aufregung in der Familie, im Ort und in der ganzen Gegend eine große und allgemeine. Die Befürchtung, daß W. einen gewaltsamen Tod gefunden und das Opfer schnöder Raubsucht geworden, war nur zu begründet. Eine besorgte Mutter mit zehn unerzogenen Kindern bejammerten den Verlust des Vaters und Ernährers, die Gemeinde eines ihrer würdigsten Mitglieder. Alle Nachforschungen blieben erfolglos, nirgends eine Spur, die auf die That oder aus den Thäter geführt hätte. W. mutzte für tvdt geglaubt werden, jedoch erschien kein Anhaltspunkt, wie, wo und wann er den Tod gefunden. Im vorigen Jahre starb dahier die Bürgermeisters- Wittwe Treppner; dieselbe testirte ihr großes, werthvolles Anwesen auf der Hofstraße der Stadtgemeinde zur Erinnerung an den ehemaligen Bürgermeister. Der Magistrat ließ bauliche Veränderungen vornehmen und so wurde eine am Ende des Hofraumes befindliche Stallung abgebrochen. Bei der nun nöthigen Auf- und Umgrabung des Stalles fand man kaum fußtief ein vollständiges Menschen-Skelett, daneben auch eine, noch gut erhaltene Brille mit Messing-Gestell. Die Behörde wurde von dem Fund benachrichtigt und der Thatbestand amtlich festgestellt. Bei der ersten Nachricht, welche die Würzburger Zeitungen hiervon brachten, erwachte bei Bielen, insbesondere bei dem Sohn des Gemordeten, Herrn Marum Weiß in dem nahen Heidingsfeld die Vermuthung, daß dieses Gerippe nichts anderes als die sterblichen Ueberreste seines vor 40 Jahren verstorbenen Vaters seien und daß dieser in 1 diesem Hause einen gewaltsamen Tod gefunden. Er machte sofort an geeigneter Stelle Anzeige von seiner Vermuthung und man versprach, zur Begründung derselben ihm gerne alle Hilfsmittel bereit zu stellen. Vom kgl. Physikat wurde constatirt, daß Größe und Stärke der Knochen mit der bezeichnten Constitution und dem Alter des Mannes übereinstimmen; auch behaupten Biele, sich der Vorgefundenen Brille an dem Abraham Weiß genau erinnern zu können. Nachdem nun die Identität zwischen dem Vermißten und dem Vorgefundenen Skelett fast bis zur Evidenz festgestellt war. setzte Herr M. Weiß seine Nachforschungen eifrigst fort, um sich über die weitere Vermuthung des Mords sichere Anhaltspunkte zu verschaffen Es wurde ermittelt, welche Bewohner das Haus damals hatten und es ergab sich dabei, daß eine Familie des Hauses einen Knecht hielt, der äußerst übel beleumundet, mehrfach bestraft und als raufsüchtig und gewaltthätig bekannt war; auch wurde derselbe noch im Jahr 1841 und wiederholt im Jahre 1847 der Stadt verwiesen. Es ist also zweifellos, daß W. von diesem Subjekte beraubt, ermordet und dann in dem Stalle vergraben wurde. Es scheint auch der Umstand, daß an dem Tage, an welchem W. verschwunden, König Ludwig I. in Würzburg eintraf, wodurch sämmtliche Bewohner vom Hause entweder entfernt oder ihre volle Aufmerksamkeit dem Leben auf der Hofstraße und in der Nähe der Residenz zuwendeten, der Ausführung der Handlung günstig gewesen zu sein, der Mörder konnte dadurch seine scheußliche That unbemerkt und ungestört vollbringen. Leider kann er nun nicht mehr vor das weltliche Gericht gestellt werden, denn er ist schon seit Jahren nicht mehr am Leben; aber vor dem himmlischen Richter wird er sicher ob seiner That Rechnung gestanden sein und die wohlverdiente Strafe erhalten haben. — Nachdem die Behörde durch die Ergebnisse der Nachforschuugen selbst überzeugt war, daß es sich hier in der That um den gemordeten W. handele, lieferte sie in jüngster Zeit die aufgefundenen Knochen an dessen Sohn M. Weiß aus und dieser brachte sie auf dem väterlichen Begräbnisse zu Allersheim zur bleibenden Ruh. '’kn Njcm ina pi Gelobt sei der Allbarmherzige der die Geheimnisse selbst nach langer Zeit entdeckt! Herr M. Weiß hat für seine rastlose Bemühung die Beruhigung, sich über den Tod seines Vaters n"y Gewißheit verschafft und die letzten Ueberreste zu vnaL" aap gebracht zu haben. Möge der Allgütige ferner seine schützende Vaterhand über uns halten und unschuldiges Blutvergießen für immer verhüten.

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