Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1879)
- Date
- 1879-04-30
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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474 noch ein anderer israelitischer Lehrer an dieser Schule fungirt, nämlich Herr Maßenbacher, welcher den Unterricht in der israelitischen Religion, im Hebräischen, in der Mathematik, Physik und im Rechnen ertheilt. Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Huszth (Ungarn). Der Sohn unseres verewigten Oberrabbiners Moses Schick Herr Joseph Schick ist gegenwärtig mit der Herausgabe der von seinem Vater hinterlassenen Werke beschäftigt. Vor Kurzem hat der erste Band, 1000 rotpm enthaltend, die Presse verlassen. Ich erlaube mir, das Lesepublikum Ihres geschätzten Blattes auf den ebenso gediegenen als reichhaltigen Inhalt dieses "iSD, aufmerksam zu machen. Die Erwartungen, die man an einen so berühmten Verfasser, wie unser unvergeßlicher Oberrabbiner gewesen, zu stellen berechtigt ist, sind bei Weitem noch übertroffen worden. Das Werk ist zum Preis von 1 fl. ö. W. durch Herrn Joseph Schick dahier zu beziehen. Frankreich. Paris Monatsbericht (März) der Alliance Jsr. Univ.: (Die Israeliten der Türkei und von Bulgarien.) Die Israeliten von Kirklissiä (40-Kirchen) beklagen sich in Constantinopel, daß sie von den Bulgaren, seitdem dieselben Herren des Landes geworden sind, mißhandelt werden. Neulich wurde ein armer Israelit, Namens Aron Roditi, der wegen eines Handelsstreites verhaftet, sodann gegen eine Geldsumme entlassen, aber aus derselben Ursache von Neuem verhaftet worden war, auf Befehl des bulgarischen Gouverneurs vollständig entkleidet und so geschlagen, daß er die Besinnung verlor. Als die isr. Notabeln in Begleitung des Rabbinen bei dem Beamten vorstellig wurden und ihn nach dem Grunde dieser Maßregel fragten, antwortete derselbe: „Machen Sie, daß Sie fortkommen, wenn Sie nicht ebenso wie ihr Glaubensgenosse behandelt sein wollen." Hr. Fernandez, Vicepräsident des Comitös von Constantinopel, zeigte diesen Vorfall den dortigen Gesandten von England, Italien und Oesterreich an. — In anderen Ortschaften hat die jüdische Bevölkerung die Lasten der militärischen Occupatio» in unverhältnißmäßiger Weise zu tragen. Man schreibt dem Central-Comitä hierüber: Jeder Israelit, reich oder arm, ist gezwungen, in seinem Hause, einem russischen Officier oder mehreren russischen Soldaten Quartier und außerdem Heizung und Beleuchtung zu geben; wenn denselben das eingeräumte Zimmer nicht gefällt, haben sie das Recht, den Herrn aus seiner Wohnung zu jagen und sich selbst darin einzuquartieren. — Bei der Ausrüstung der bulgarischen Armee mußte die isr. Bevölkerung jeder Stadt fast soviel als die Bulgaren zu derselben beitragen. — Ebenso wie den serbischen Glaubensgenossen hat man auch den bulgarischen ihre Mundvorräthe fortgenommen, unter dem Vorwände, daß sie von den Türken herrühren. — Fast alle Nächte wurden die isr. Kaufläden erbrochen, und als die Kaufleute sich beschwerten, antwortete man ihnen: „Bildet Patrouillen und ziehet in der Nacht durch die Stadt!" So sind sie genöthigt, ihre Maaren in ihre Wohnungen zu schaffen oder selbst in ihren Magazinen zu übernachten. — Ein Israelit von Kustendil ist letzthin 2 Meilen von der Stadt ermordet worden, ohne daß die Schuldigen entdeckt werden konnten. — Bei den letzten im December stattgehabten Wahlen ist kein Israelit zum Mitgliede des Tribunals gewählt worden und diejenigen, welche im vergangenen Jahre ernannt worden waren (Sam. b. David in Sofia, Moses Assäo in Dubnitza und Abr. David in Kustendil), sind jetzt abberufen. Man fürchtet, daß das Loos der Israeliten nach dem Abzug der russischen Soldaten noch trauriger werden wird. Hr. Dr. Allatini hat soeben einen eclatanten Beweis erhalten von der hohen Achtung, die ihm seine unermüdlichen Bemühungen für den Unterricht der israel. Jugend von Salonichi erworben haben. Der König von Griechenland hat ihn zum Ritter eines Ordens ernannt. Die griechische Gemeinde daselbst richtete bei dieser Gelegenheit eine Adresse an den Präsidenten des Localcomites der Alliance. (Die Israeliten von Marocco.) H. Benoliel von Larache zeichnet folgendes Bild von der Lage Marocco's seit einem Jahre: Das abgelaufene Jahr hat sich durch eine Reihe von Trübsalen, Schrecknissen, Leiden bemerklich gemacht. Die Aufregung begann mit dem Gerücht vom Tode des Sultan; alle Israeliten flohen von den auswärtigen Märkten und kehrten in ihre Häuser zurück. Die Beduinen erhoben sich, bewaffneten sich, bedrohten die Städte Aleazar-Kebir und Larache und folglich das Leben unserer Glaubensgenossen. Sodann machte sich die Trockenheit fühlbar; der Winter kam heran und der Regen fehlte. Ein allgemeiner Schrecken bemächtigte sich aller Geister; man sah die Araber, Männer, Frauen und Kinder baarfuß und baarhaupt in Processionen