Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1879)
- Date
- 1879-04-30
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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XX. Jahrgang. Zweite Beilage tlr. 18 des Israelit. Zeitrrrrgsnachrichterr und Correspondenzen. Deutschland. Heilbronn 0. 91* Am Abend des ersten Tages von #5»"nn hielt die hiesige ni^ca muri □non ihre ordentliche, je nach 3 Jahren wiederkehrende Generalversammlung im Saale des hies. jüd. Gasthofs zum „Württemb. Hof" unter lebhafter Theilnahme vieler ihrer Mitglieder. Vor 22 Jahren gründeten 8 Familienväter das wohlthätige, fromme Institut und heute ist die Zahl seiner thatigen Mitglieder auf 140 gestiegen, was 4/s der ganzen Gemeinde gleichkommt. Dieser „ Wohlthätigkeitsverein " schöpft seine Einnahmen aus regelmäßigen Jahresbeiträgen, Eintrittsgebühren, Spenden und Zinsen, welche zusammen hinreichen, um die beträchtlichen Ausgaben zu bestreiten und dem Grundstock, der heute über 5000 M. beträgt, ein stetiges Wachsthum zu sichern. Der Hauptaufwand an Geld geht hervor aus der Unterstützung und Hilfeleistung an Mitglieder in Krankheits- und Sterbefällen, die jedoch auch wandernden Fremden, in Hoffnung auf Wiederersatz von den Hinterbliebenen oder der Heimathgemeind?, statutarisch geboten wird. Außerdem werden in außerordentlichen Fällen menschenfreundliche Bestrebungen gefördert, Wohlthätigkeit im engeren Sinne in der Gemeinde geübt und fromme Anstalten nach Maßgabe der verfügbaren Mittel unterstützt. Auch leisten die Mitglieder außer den bezahlten Wärtern und Wächtern bei Kranken und Todten persönliche Liebesdienste im Hause und auf dem Friedhofe, der seit einem Jahre mit der städtischen Wasserleitung in Verbindung gesetzt ist, und versammeln sich zu'.-iM2i nnntp bei den Trauernden, wo während der 'er njDtp täglich zweimal und in den je am Sabbat ein Schiur Mischnah vorgetragen wird. Die rran hofft mit dem Ablauf der nächsten Rechnungsperiode, d. i. b'yjn 3"D"i"n HDD hv o"nn, so Gott will, eine 25jährige Jubiläumsfeier veranstalten zu können. Strotzburg. Sie haben jüngst über die „Gesellschaft zur Unterstützung der Armen in Je. rusalem" berichtet, welche hiesige junge Damen in's Leben gerufen haben. Ich kann Ihnen mittheilen,! daß dieser Verein gedeihliche und erfreuliche Fort-! schritte maHt. Außer Frl. Bertha W.eyl haben s sich Frau Naphtali Weyl und deren Tochter i Louise um das Zustandekommen desselben verdient gemacht. Oesterr. - Ungarische Monarchie. N. M. Borsarhely (Ungarn). Die hiesige Gemeinde hat Herrn Eleazar Seltmann, seit I einem Jahre Rabbinerstellvertreter in Szegedin,! zum Rabbiner gewählt. Derselbe, ein junger, gewiegter Talmudist und Kanzelredner aus der berühmten alten Preßburger Jeschibah, hatte durch eine Drascha wie durch eine ungarische Predigt in dem Maße den Beifall sämmtlicher Gemeindej Mitglieder sich erworben, daß seine Wahl eini stimmig erfolgte. Mögen all die Hoffnungen, | die sich an diese Rabbinerwahl knüpfen, in Erfüllung gehen! Rumänien. Bukarest, 9. April. Der amtliche Monitorul hat gestern das fürstliche Decrct veröffentlicht, welches die Neuwahlen zur Revisions-Kammer anordnet. Nach demselben werden die Wahlen zur Kammer der Abgeordneten am l5, 17., 19. und 21 Mai, die Wahlen zum Senat am 23., 25. und 27. Mai stattfinden. Die Einberufung zur Constituante wird, wie ich höre, zum 5. Juni erfolgen. Die Regierung hat somit keine Zeit verloren, damit die gesetzgebenden Körper so rasch als möglich zusammcntrcten, um die Aenderung des Artikels 7 der Verfassung, welche durch den Berliner Vertrag bedingt wird und gegenwärtig wie ein Alp auf den Zuständen in Rumänien liegt, zur Thatsache zu machen. Wie die Kammervcrhandlungen der letzten sechs Wochen gezeigt haben, war es für das M iniftcrium Bratiano keine leichte Aufgabe, die vom Berliner Congreß aufgestellte Bedingung zur Anerkennung der Selbstständigkeit Rumäniens auf verfassungsmäßigem Wege zu erfüllen und die Angelegenheit bis auf den Punkt zu führen, auf welchem sie sich heute befindet; dennoch werden die eigentlichen Schwierigkeiten erst jetzt beginnen, denn die Gegner des Ministeriums bieten alle ihre Kräfte auf, um bei den Wahlen den Sieg davonzutragen und dadurch die gegenwärtige Regierung zu stürzen.