Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 20 (1879)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1879)
- Date
- 1879-04-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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460 bemerke ich aber wiederholt, daß, sobald ein Resultat zu erwarten steht, ich bereit bin, einen noch höheren Betrag zu votiren. Mitglied Nessel: Es ist eine mißliche Sache über solche Credite zu discutiren, besonders wenn man sich in der Lage befindet, die Ansicht des Präsidenten der Commission zu bekämpfen. Ich werde cs nichts destoweniger thun. Die Vertreter der iSr. Consistorien haben uns den Plan, welchen sie zu verfolgen gedenken, auseinandergesetzt. Wir haben auf den ersten Blick gewahrt, daß derselbe noch unreif und unvollständig ist. Bald sollte die zu errichtende Schule ihren Sitz in Colmar, bald in Straßburg erhalten. Die Consistorien hatten, bevor sie sich an uns gewendet haben, ihre Petition schon an das Oberpräsidium gerichtet. Von hieraus wurden sie beschieden, ihrem Gesuche könne erst nach Vorlegung eines Planes näher getreten werden. Der Plan, der in Folge dessen entworfen worden ist, beruht nun wesentlich darauf, daß die Betriebskosten der Schule, Besoldungen des Personal; und sachliche Ausgaben zusammengenommen auf 15000 M. veranschlagt sind und von diesem Betrage 8000 M. durch unser Budget getragen, die übrigen 7000 M. aber durch freiwillige Subventionen gedeckt werden sollen. Dieser Plan hinkt nach mehr als einer Seite. Zuerst genügt es uns, einen Blick auf die betreffenden Ausgaben in unserm Budget zu werfen um zu sehen, daß der Betrag von 15000 M. zur Unterhaltung einer Schule völlig unzulänglich ist. Auf der andern Seite kann nicht mit Bestimmtheit darauf gerechnet werden, daß die 7000 Bi. Subventionen eingehen werden. Zwar hat einer der Herren Vertreter behauptet, die gezeichneten Subventionen könnten ausgeschrieben und wenn erforderlich, auf dem Zwangswege beigetrieben werden. Aber diese Annahme ist irrig. Es bestand allerdings eine desfallsige gesetzliche Bestimmung , aber dieselbe ist schon seit dem Jahre 1830 aufgehoben. Solche Beiträge können daher nur mehr auf gütlichem Wege erhoben werden. Eine bestimmte Garantie dafür, daß sie eingehen werden, haben wir also nicht; etwas anders wäre es natürlich, wenn gewisse Personen persönlich die Garantie übernehmen würden. Die Commission hat nun geglaubt, aus allen diesen Gründen den Schluß ziehen zu müssen, daß das Unternehmen nicht lebensfähig sein werde. In der Thar, im Laufe der Zeit wird ein immer geringerer Betrag und am Ende vielleicht gar keine Subvention mehr eingehen; die vom Staate zu tragenden Lasten werden in Folge dessen von Jahr zu Jahr größer werden und überdies kann der erforderliche Kostenaufwand nicht einmal annähernd angegeben werden. Die Commission hat daher dieses Project fallen gelassen und gesucht, ein anderes Mittel, zu finden um den Gesuchsstellern gerecht zu werden. Sie hat daraufhin nach reiflicher Erwägung den Entschluß gefaßt, den zu Stipendien ausgeworfenen Credit auf 4000 M. zu erhöhen, um es den israel. Theologie-Studirenden zu ermöglichen, das Gymnasium und die Universität zu besuchen. Dieser Credit ist aber, glaube ich, zu diesem Zwecke vollständig ausreichend. Wir zählen in Elsaß- Lothringen 41 Rabbiner. Nehmen wir nun an, daß dieselben ein durchschnittliches Lebensalter von 40 Jahren erreichen und dies ist nicht zu hoch geschätzt, denn die Herren Rabbiner leben gewöhnlich länger (Heiterkeit) so ist jährlich 1 Rabbiner zu recrutiren. Man hat allerdings geltend gemacht, daß neben den Rabbinern noch die Vorsänger existircn. Diese bilden aber meiner Ansicht nach keinen integrirenden Theil des jüdischen Clerus, da ihre Functionen überwiegend weltlicher Natur sind. Man könnte mit eben so viel Recht gewisse Officianten bei andern Confessionen als zum Clerus gehörig anfehen. (Stimmen: Die Sacristane). Um die erforderliche Recrutirung zu ermöglichen, genügt es meiner Ansicht nach 5—6 Stipendien zu stiften; es ist d^es schon eine ganz achtbare Zahl. Durch diese Maßregel ist die Recrutirung vollständig gesichert, weit mehr gesichert, als wenn eine Schule gegründet würde. Denn diese Schule würde den enormen Nachtheil besitzen, daß sie gewissermaßen nur als eine Privatanstalt, nicht aber als eine öffentliche Staatsschule angesehen werden könnte. Die Folge hiervon wäre, daß den aus denselben hervorgehenden Schülern der Weg zu der Universitär und mithin jede Zukunft abgefchnitten wäre. Diese Betrachtungen haben Ihre Commission dazu geführt, mit 4 Stimmen gegen 1 das Project, eine Schule zu errichten, zu verwerfen, dagegen zur Gründung einer genügenden Anzahl von Stipendien einen Credit von 4000 M. auszuwerfen. (Schluß folgt.) Oesterreichisch - Ungarische Monarchie. Grotzwardein. Am ersten Tageiids starb der hiesige Oberrabbiner Jsak Aaron Landsberg im Alter von 75 Jahren. Der Verstorbene zählte zu den vorzüglichsten mn w*», er war ein Tß^n des "i£iD onn, der seiner großen Gelehrsamkeit auf dem Gebiete des Talmud die vollste Anerkennung zu Theil werden ließ. Landsberger